• Ladakh,aryan valley
    Aryan Valley  
    Tag 10

Highlights des Tages

Map of the Day

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Die heutige Route im Überblick ...

Lamayuru Gompa

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Eines der am schönsten gelegenen Kloster in Ladakh ...

Aryan Valley in brief

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Allgemeines über das abgelegene Gebiet und deren Bewohner ...

Hanu - Hanoo

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Am westlichen Ende Ladakhs ...

Dah - Dha - Daa

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Eine ganz besondere Erfahrung:
Bei Drokpas zu Hause ...

Biamah - Beema - Beama

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Direkt am wilden Indus River gelegen ...

Ein Tag im Indian - Aryan Valley Dha Hanu

Aufwachpuls: 72 BPM - Noch ein paar Tage und die Akklimatisierung ist vollzogen.

Geblendet von der Helligkeit im Raum, werde ich wach.
Das Lamayuru Kloster ist das erste, was ich wahrnehme. Es thront auf der Bergkuppe wie eine Fotomontage.
Das Wetter ist wie es sein soll. Die Wolken von gestern Abend haben sich verzogen.
Sonne pur!

Es ist halb Neun als wir im Frühstücksraum erscheinen. Wir sind die Vorletzten - wird uns gesagt. Nur noch die Franzosen, die wir gestern an der Tankstelle hinter dem Kontrollposten getroffen haben, kommen nach uns.
Die Auswahl ist für unseren westlichen Gaumen recht übersichtlich. Indische Speisen zum Frühstück? Eigentlich liebe ich es. Aber irgendwann sehne auch ich mich nach dem Geruch von gebratenem Speck und Eiern. Obwohl ich es zu Hause gar nicht so oft esse. Aber ich rieche es gern, wenn es zubereitet wird.

Es gibt geschmacksneutrale Pancakes. Die leckere Aprikosenmarmelade holt es wieder raus.
Dann gibt es Schwarztee, bevor es 10.30 Uhr wieder auf die Piste geht.

Die letzten Impressionen vom Hotel mit dem allgegenwärtigen Lamayuru Kloster im Bild:

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Diese Manimauer befindet sich genau vor unserem Hotel

Zuerst lassen wir uns hoch auf den höchsten Punkt der Serpentinenstraße fahren. Von unserem Balkon haben wir gestern andere Besucher beobachtet, die dort oben standen und vermutlich die Landschaft bewundert haben.
Einen Blick auf das Moonland zu haben, natürlich auch auf das Kloster. Das ist es, was wir wollen.

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Blick Richtung Hotel

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Man beachte die bunten Steine, die als Sicherung gegen einen möglichen Erdrutsch verbaut werden.

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Hier auf diesem freien Gelände übernachten all die Tagelöhner

# Heutige Route

Die Route für den Tag im Überblick:
Gefahrene Strecke: etwa 140 Kilometer

Map of the day - Zanskar - Aryan Valley, Lamayuru,Ladakh, Himalaya,Indien,born4travel.de

# Lamayuru Monastery

Höhe: 3.573 Meter

Eintritt: 50 INR (Stand Juni 2019)

Wie bei jedem Kloster begegnen einem zu allererst eine unendliche Reihe von Gebetsmühlen. Vor uns läuft ein älteres Paar, das den Gebets-Rundgang mehrfach durchläuft.
Das Kloster strahlt trotz einiger Touristen eine unendliche Ruhe aus.

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Hier oben sind die Wohnungen der Mönche.
Die Aussicht, die sie genießen dürfen, ist hervorragend um abzuschalten. Oder?

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Der Innenhof ist klein aber sehr gut erhalten und gepflegt.
Wir folgen den Empfehlungen unseres Reiseführers und schauen uns die entsprechenden Räume an.

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Beim Rundgang im Außenbereich entdecke ich immer wieder neue Fotomotive.
Nach so vielen Klöstern, die wir besucht haben, wird der Besuch der Lamayuru Gompa zu meinen Highlights der Reise gehören. Ob nun nur das schöne Wetter mit dem blauen Himmel und dekorativen Wolken für diese Begeisterung sorgen, das vermag ich nicht einzuschätzen. Hier passt einfach alles: Das Moonland mit diesem tiefgelben Sandformationen, die Lage des Klosters mit der 360° Rundumsicht sowie das Kloster selbst.

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Zuletzt beschließen wir: Das soll nun wirklich das letzte Kloster sein, das wir auf dieser Reise besuchen!
Deshalb gehen auch wir jetzt!

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Im Laden am Eingang zur Gompa gibt es allerhand schöne Andenken jeder Form. Wir suchen noch einen Reiseführer, der noch detaillierter als unser Reiseführer ist. Doch wie es aussieht, haben wir schon den besten, den der Markt hergibt.
Zuletzt kaufen wir noch ein paar Flaschen Wasser für den langen Weg, der uns heute noch bevorsteht.

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Bevor es nun in die Aryan Area geht, besprechen wir mit Nazir die Stopps, die heute angefahren werden sollen. Es soll nicht wieder ein Missverständnis wie gestern geben.

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Es geht den gleichen Weg zurück durch dieses unglaubliche Tal, durch das wir gestern schon gekommen sind. Eine wunderschöne Strecke. Und auch wenn wir die Strecke schon gefahren sind, müssen wir hier und da stehen bleiben, um die grandiosen Schluchten nochmals zu genießen.

Bei aller Schönheit. Die Intensität der Gesteinsfarben kann mit den von gestern Abend bei Weitem nicht mithalten! Alles ist etwas überbelichtet und grell.

Serpentinen,Moonland in Ladakh bis Lamayuru,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

Die verschiedenen Orte von unserer Liste erweisen sich als mittelmäßig sehenswert. Meist ist es der Anblick aus der Ferne, der so reizvoll aussieht: Inmitten einer kargen Berglandschaft gibt es eine grüne Terrasse. Manchmal blitzt von einem Dach eines Klosters noch eine goldene buddhistische Figur auf. Und den Ort selbst sieht man kaum.
Hat man den Ort erreicht, ergibt sich immer oder fast immer das gewohnte gleiche Bild: Die Shops sind Kioske. Und an den Straßenrändern wird gebaut was das Zeug hält. Und alles mit bloßen Händen. Die Arbeiter haben maximal eine Hacke oder einen Spaten.

In Khaltse verlassen wir die NH-1 (die Verbindung zwischen Leh und Srinagar) und wechseln auf die Indus Valley Road, die uns zum Aryan Valley bringen soll.

Die Memorial Stupa signalisiert den Beginn der Strecke.

Memorial Stupa in LKhaltse,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

# Aryan Valley in brief

Die Fahrt ins Aryan Valley alleine ist wirklich eindrucksvoll. Meist führt die Straße direkt entlang des Indus River. Je weiter wir eindringen, desto mächtiger und gewaltiger wird der Fluss. Das Indus Valley wird enger - der Indus selbst durch die Stromschnellen lauter.

Würden wir der Indus Valley Road weiter folgen, würden wir den Ort Kargil erreichen, wo der der buddhistische Teil Ladakhs endet, und das Land der Moslems beginnt.
Doch soweit werden wir nicht vordringen.
Uns interessieren die nördlich vom Indus River gelegenen Nebentäler im Nordwesten Ladakh's, die landläufig Dha - Hanu - Valley genannt werden. Dabei sind die Dörfer Dha und Hanu die Namensgeber für das gesamte Valley. Allerdings befinden sich auf diesem weitläufigen Areal noch weitere drei Dörfer.

Den Indus River begleitend lassen wir die Landschaft an uns vorbeiziehen.
Sprachlos über die Landschaft, für deren Schönheit ich schon keine Worte finde.
Wir starren aus dem Fenster und nur selten sprechen wir miteinander. Jeder lässt das Gesehene auf sich wirken.

Fahrt zum Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Der größte Ort ist Skarbuchan, in dem es eine Hochschule und sogar ein Krankenhaus gibt.

Teilweise sieht die Landschaft vollkommen unwirklich aus.
Die bunten Berge vor diesen grünen Terrassen.
Das ist Skarbutchan. Um in den Ort zu kommen, muss man die Straße entlang des Indus verlassen und den Weg nach oben nehmen. Wir müssen darauf verzichten. Denn unser Plan ist ziemlich eng gestrickt.
Aber vielleicht auf dem Rückweg.

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Die Menschen hier stammen von den aus dem Westen kommenden indoarischen Darden ab, ursprünglich indische Buddhisten. Sie werden Drokpas oder auch Brokpa oder Brogpa genannt, "Bewohner der Weiden". Sie sprechen eine ganz alte Sprache, die Drokskad, die keine Gemeinsamkeit mit Ladakhi oder einer anderen hiesigen Sprache hat. Einige sprechen natürlich auch Ladakhi.

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Drokpas sind eine kleine ethnische Minderheit, die nur noch in diesen fünf Dörfern ihre Eigenständigkeit bewahren konnte. Ursprünglich kommen sie aus Baltistan und bis heute führen sie ihre Abstammung auf Alexander den Großen zurück.
In vergangenen Jahrhunderten hat man versucht die Darden zu assimilieren indem man Darden mit Ladakhis zwangsverheiratet hat. Mit mäßigem Erfolg. Die Religion stellt wie so oft ein Hindernis dar. Im Gegensatz zum restlichen Ladakh, das überwiegend buddhistisch ist, sind Brokpas ursprünglich animistisch und folgen der Bon Religion. Sie betrachten Steinböcke als heiliges Tier. Die Brokpa haben über viele Jahrhunderte versucht, ihre Traditionen und Rituale zu bewahren.

Drokpas haben nämlich eine Besonderheit: Sie haben einen hellen Teint und blaue Augen. Um diese Eigenschaft zu erhalten, hat man nur untereinander geheiratet. Sie praktizierten/praktizieren Polyandrie. Das hat wiederum die Bevölkerungszahl stark minimiert. Vermutlich gibt es nur noch zwei bis zweieinhalb Tausend Drokpas.

Zum Erntefest, das meist mehrere Tage im Juli eines jeden Jahres stattfindet, tragen die Frauen eine ganz besondere Kleidung und üppigen Blumenschmuck als Kopfbekleidung. In Ladakh werden sie deshalb auch Blumenfrauen genannt.
Leider hat die Tourismusbranche den Unsinn verbreitet, dass die Frauen täglich ihren Kopfschmuck tragen. Dem ist absolut nicht so!

Fahrt zum Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Die Temperaturen im Aryan Valley sind auch höher als in anderen Teilen Ladakhs, was zu einer erntereichen Vegetation führt. Die Temperaturen im Sommer erreichen nicht selten die 40 Grad Marke.
So leben sie hauptsächlich vom Anbau von Äpfeln, Walnüssen und den hier allseits angebotenen Produkten der Aprikosen in Form von Marmelade und Öl das aus den Kernen gewonnen wird. In Dha hat sich sogar der Weinanbau etabliert.

Den ersten Ort den wir anvisieren ist Hanu:

# Hanu - Hanoo

Hanu oder auch Hanoo geschrieben, erreicht man nur über einen Kontrollposten der Armee in Hanuthang. Etwa 50 Kilometer westlich von Khaltse.
Ein weiteres Permit ist hier notwendig.
Die Weiterfahrt führt über ein Armeegelände, das sich auf der gesamten Fläche vor dem Schluchtbeginn befindet.
Ab hier fahren wir entlang eines reißenden Flusses. Die Kraft des Wassers ist nur beim Hinsehen schon spürbar. Das Wasser ist unglaublich klar und gletschergrün.

Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Wir tangieren eine Art Staumauer, die offensichtlich noch nicht fertig ist. Ab 2020 soll sie dann der Energieerzeugung dienen.

Nach einer weiteren faszinierenden Fahrt stehen wir vor einer nicht wirklich vertrauenswürdigen Brücke. Auch Nazir zweifelt.
Er steigt aus und begeht testend die Brücke. Viele Flicken aus Metall auf Holzlatten. Und die sind schon mehrfach gebrochen.
Hm. Neben uns steht ein Kleinbus. Der Fahrer wäscht gerade sein Auto mit dem Gletscherwasser. Dies ist übrigens hier in Ladakh sehr oft zu beobachten.
Nazir fragt ihn, ob wir die Brücke mit dem Auto überqueren können. Seine Handbewegungen deuten darauf hin, dass wir rüber können. Rainer und ich steigen trotzdem vorsichtshalber erst einmal aus und überqueren die Brücke zu Fuß. So ist das Auto etliche Kilo leichter 😉

Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

Hanu's Hauptplatz ist klein. Die Häuser kleben praktisch am steilen Berghang.
Hier gibt es nichts zu sehen. Wir sind die Attraktion - und zwar für die Dorfbewohner.
Gerade als wir die Treppen hochgehen wollen kommen uns gleich zwei Männer in Armeeuniform entgegen. Sie meinen hier gäbe es ein Museum. Aber es würde eine halbe Stunde dauern, bis wir es besichtigen können.
Merkwürdig. Wir vermuten, dass die Armee sich im Museum niedergelassen hat und sie die Spuren erst beseitigen wollen.
Wie auch immer. Wir winken dankend ab.
Museum? Nee. Wollen wir nicht sehen.

Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

In der Zwischenzeit haben Kinder die Treppen vor der großen Dorf-Gebetsmühle belagert. Sie alle schauen uns zu, was wir machen.
Rainer teilt ein paar Luftballons aus. Die haben wir auf Anraten einer Bekannten mitgebracht. Und ein paar Kugelschreiber. Die Luftballons kommen gut an. Aber keiner pustet sie auf. Sie gucken uns alle nur an. Dann pustet Rainer bei dieser Luft einen Ballon auf. Den verschenken wir der Kleinsten in der Menge. Erst jetzt werden die anderen Ballons aufgepustet.

Ich mache währenddessen ein paar Aufnahmen von den Kindern.

Girl in Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Als wir das Dorf Hanu verlassen nehmen wir ein seltsames Gefühl mit. Diese Menschen leben so weit von der Zivilisation entfernt. Einfach unvorstellbar. Ich kann mir das Leben hier gar nicht vorstellen. Eine Schule und eine riesige Gebetsmühle haben wir gesehen. Am Rande des Ortes bewirtschaften sie die grünen Anbauflächen. Vermutlich haben sie keine Probleme mit dem Bewässern dieser Flächen. Denn das kommt aus den Bergen. Sauberes Gletscherwasser.
Dazwischen stehen überall riesige Walnuss- und Aprikosenbäume.
Ein fruchtbares Land eben.

Hanu - Hanoo Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

So verlassen wir das Dorf, das nur wenige Kilometer Luftlinie von der pakistanischen Grenze liegt beziehungsweise unweit der Line of Control. Eine Demarkationslinie, die den faktischen Grenzverlauf zwischen Indien und Pakistan markiert. Schaut man bei Googlemaps nach dem Grenzverlauf zwischen Indien und Pakistan , wird man feststellen müssen, dass diese Linie mit einem Mal aufhört.
Nur wenige Kilometer Luftlinie gen Norden befindet sich Turtuk, der Ort wo wir vor knapp einer Woche waren. Es liegt praktisch hinter diesem Bergkamm.
Turtuk kam mir schon entlegen vor. Hanu ist verglichen zu Turtuk wesentlich abgelegener und "abgeschnittener" von den Geschehnissen dieser Welt.

# Dah - Dha - Daa

Höhe: 2.787 Meter

Dha wird klimatisch verwöhnt. Hier werden Ernten zwei Mal im Jahr eingefahren. Insbesondere soll es hier Weinanbau geben. Allerdings, so heißt es, ist dieser schon im Frühjahr ausgetrunken. Wie schade.

Wir erreichen das Dorf über eine unbefestigte Straße.
So ganz koscher ist mir das nicht wirklich.
Wo ist unser Ziel?
Wo gibt es hier etwas zu sehen?
Nazir kennt sich auch hier nicht aus. Was überhaupt keine Kritik sein soll. Im Gegenteil. Eine Art Eroberung und Neuerkundung macht sich breit.
Ein Baumstamm liegt auf der Straße. Scheint eh das Ende zu sein. Wir bleiben stehen. Dann kommt auch ein anderes Auto gefahren und bleibt ebenfalls stehen. Wie ein Touristentaxi sieht es nicht aus. Er hat gefühlt eine halbe Baumkrone auf dem Dach. Nicht schlecht.
In solchen Momenten denke ich an die TÜVs etc., mit denen wir unser Fahrzeugsicherheit regulieren. Aber es geht auch so.
Why not 😂

Dah, Daa, Dha im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

Nazir deutet an, dass dies unser Ziel ist.
Hm. Und nun? Es gibt eigentlich nichts zu sehen.
Und genau wie in Hanu sind wir die Sehenswürdigkeit. Vermutlich kommen hier sehr selten Touristen vorbei. Ein verwittertes Schild deutet auf ein "Guesthouse".
Aber wo soll das denn sein?
Ein Mann spricht uns an. Er spricht sogar einige Worte Englisch. Ich frage, wo hier das Guesthouse ist. Gern würde ich jetzt einen Tee trinken. (Eigentlich einen Schnaps - aber das kann ich hier nicht so sagen 😉 )
Geschäftstüchtig lenkt er sofort ein und lädt uns ein. Wir sollen ihm folgen. Und dann geht er los. Das ist mit nicht ganz geheuer. Aber Rainer ist schon auf dem Weg. Und ich will unbedingt, dass Nazir mitkommt. Zur Verständigung und zur Sicherheit.

Es geht über undefinierte Treppen zwischen engstehenden Häusern. Von einem Guesthouse keine Spur.
Unsicherheit macht sich breit - jedenfalls bei mir.
Plötzlich stehen wir vor einem Haus. Ja vor so einem, das ich immer als unfertig definiere.

Der Geruch im Erdgeschoß gleicht dem eines Kellers eines Altbaus. Nach feuchtem Mauerwerk. Das Licht fällt durch türgroße Öffnungen. Rechts und links sind wohl weitere Räume. Der Boden ist aus festgestampfter, schwarzer Erde. Eine Mülltonne aus Kunststoff steht in der Ecke. Besen und andere "Garten"-Geräte lehnen an der Wand
Eine Holzleitertreppe führt in das obere Geschoss.
Bevor ich das Obergeschoss erreiche, stelle ich mich schon gedanklich auf ein Abenteuer ein.
O je! Aber andererseits ist es die Neugier, die mich nicht umkehren lässt.

Die obere Etage überrascht mich vollkommen.
Und ich relativiere: Erdgeschoss gleicht einem Keller eines Berliner Altbaus. Und im Obergeschoss befindet sich der ganz normale Lebensraum der Familie.
Rechterhand steht ein Büffet. Alt aber sauber. Linkerhand eine Art offenes Regal mit unzähligen Schüsseln und Töpfen. Dekorativ und sehr sauber.
Wir nehmen Platz auf den Decken die am Boden liegen.
Unser wirklich netter Gastgeber (ich weiß nicht einmal seinen Namen) setzt Wasser im Kessel auf. Eine Frau erscheint. Etwa im gleichen Alter. Sie ist offensichtlich leicht irritiert. Aber sie schaut nett in unsere Richtung.
Das Teekochen übernimmt jetzt sie. Inzwischen wird der niedrige Tisch mit Schalen voller Kekse und Nüssen gedeckt. Dann kommt auch unser Tee.
Merkwürdige Situation. Denn keiner sagt etwas.
Also versuche ich eine Konversation zu starten und frage nach deren Alter und ob dies das Wohnzimmer ist. Oder schlafen sie auch hier?
Und wo wohnen nun die Leute mit den blauen Augen?
Und wo kann ich die Frauen mit den Blumen im Haar sehen, die angeblich so gekleidet den Tag über unterwegs sind?
Und was ist mit Kindern? Nach Kindern zu fragen geht ja immer 🙂

Er antwortet entweder in Englisch oder eben so, dass Nazir es übersetzen kann.
Sie beide sind 38 Jahre alt. Und es gibt sogar noch ein anderes Zimmer, wo sie schlafen. Sie haben das Haus 1996 gebaut und wohnen seit dem hier.
Uns werden Fotos gezeigt. Der Onkel war noch ein Ur-Aryan, einer mit ganz hellen Teint und blauen Augen. Es gibt nur ein Schwarz-Weiß Foto. Doch man kann es gut erkennen.
Sie haben vier Kinder. Doch keins von ihnen wohnt hier in Dha. Sie leben im Internat in Leh. Und sie sehen ihre Kinder nur alle Viertel Jahre. Ist das nicht traurig? Da verstehen sich zwei Mütter sofort. Auch ohne Sprache. Die älteste Tochter ist 19 Jahre alt.
Natürlich gibt es einen großen Bilderrahmen voller kleinerer Bilder der Familie. Genau wie ich es zu Hause auch habe.
So anders und trotzdem so viele Parallelen zu uns und zu unserer Welt.

Dah, Daa, Dha im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Während wir versuchen etwas aus deren Leben zu erfahren, wird klar wie die Sprachbarriere uns bei der weiteren Konversation behindert. Schade eigentlich.
Inzwischen hat sie den Raum verlassen. Wir sind uns unsicher, ob ihr unser Besuch vielleicht unangenehm ist. Also deuten wir an, dass wir gehen wollen.
Dann erscheint sie wieder mit einem Kleidersack.
Was wird das denn jetzt?
Ganz einfach. Sie zieht ihre Festkleidung an und auch die Kopfbedeckung mit den Blumen. Wir sind überrascht worden. Anders kann man es nicht sagen.
Es folgen ein paar Fotos mit ihr.
Ich kann es gar nicht fassen, dass sie so nett sind, uns das zu zeigen. Es ist tatsächlich ihre Festkleidung. Die Gleiche hat sie auf dem Foto an der Wand an.

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Gern würden wir ihnen etwas geben. Aber wir haben nichts aus Deutschland mit. Darauf waren wir wirklich nicht vorbereitet. Nazir meint, wir sollen 300 bis 500 INR geben.

Im Dorf schauen wir uns nochmals um.
Im Kanal, wo das Wasser super klar ist, baden Kinder. Sie haben Spaß. Und die Szenerie ist nicht anders als bei uns zu Hause.
Wir verteilen wieder Luftballons. Das kommt immer wieder gut an.

Dah, Daa, Dha im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Dann machen wir noch einen kleinen Rundgang. Unser Gastgeber übernimmt die Führung und überrascht uns mit Shortcuts unter einem Haus.
Es ist die Atemnot, die sich immer wieder meldet, wenn man schneller sein will oder viele, viele Treppen steigen soll. Wir schaffen es nicht bis ganz nach oben, wo sich das Anbaugebiet des Dorfes befindet. Aber es ist nur halb so schlimm. Alles was wir erlebt haben, war schon mehr als erwartet.

Dah, Daa, Dha im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Zuletzt gehen wir noch zum großen Walnussbaum, wo sich das Zentrum befinden soll. Hier spielen zwei Jungs so etwas wie Handball mit den Luftballons die wir vorhin verschenkt haben.

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Wieder nehmen wir jemanden mit.

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Die nächste Fahrt ist nur wenige Kilometer weit.
Nazir zeigt auf unser Hotel.
"Das kann es aber nicht sein" moniere ich. Das soll doch in Dah sein. Doch da ist doch das Ortseingangsschild von Beama 🤔

Wie auch immer. Entscheidend ist der Name des Hotels. Und da steht eindeutig Aryan Residency. Genau wie auf unserer Reservierung.

# Biamah - Beema - Beama

Beema liegt etwa fünf Kilometer östlich von Dah entfernt. Direkt von der Straße kann man die Anbaufelder sehen. Weitere sind höher gelegen. Das Dorf klebt kaskadenartig am Berg. Der große, grüne Ponton wird von der Straße geteilt. Ein Skelett eines ehemaligen Hauses mit Terrasse zeugt von Überresten eines Cafés oder Restaurants. Auf der anderes Seite schaut nur noch ein Dach aus dem Wasser. Vermutlich hat sich der Indus ein Stück Land geschnappt und alles überschwemmt.

Hier im Ort werden wir heute übernachten. Wieder wird uns ein schönes Eckzimmer zugewiesen. Doch noch wissen wir nicht, ob das nun ein Glückstreffer ist. Denn der Indus River ist hier extrem wild und dementsprechend laut ist der Geräuschpegel.
Das Zimmer hat alles, was es haben soll. Vor dem Bad warten Badelatschen. In zwei verschiedenen Größen. Das Bad ist ganz einfach eingerichtet und hat wie so oft keinen Duschvorhang. Aber das ist zweitrangig. Wichtig für uns sind die sauberen Handtücher und Bettwäsche.

Aryan Regency Hotel im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

Der Eckbalkon ist das Beste: Es gibt keine störende Brüstung und kein Geländer.
Wir bringen zwei Stühle raus. Der Tee wird aus der Restaurant-Küche gebracht. Und so verbringen wir eine ganze Weile hier, suchen die Regelmäßigkeit im Strudel des Indus, beobachten die Straße, wo Menschen zu Fuß vermutlich von ihrer Arbeit nach Hause gehen und genießen den absolut genialen Ausblick auf das Aryan Valley.

Aryan Regency Hotel im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Bevor es jedoch ganz dunkel wird, machen wir eine kleine Besichtigungsrunde durch das Dörfchen. Wie gewohnt geht es durch die verwinkelten Gassen. Am Tag 10 unserer Reise haben wir uns an die Architektur der Häuser gewöhnt. Der heutige Besuch dieser Familie in Dah und die absolut positive Erfahrung, lässt einen ganz anderen, einen ganz neuen Blick auf das Dorfleben zu. Die Fremde ist gewichen. Ja mittlerweile sieht man alles mit anderen Augen.

Aryan Regency Hotel im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de
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Zuletzt sehen wir uns auf dem gartenähnlichen Gelände des Hotels um. Die Küche befindet sich in einem Anbau. Wir schauen rein und stellen fest, dass auch sie keinen Strom haben und an dem kleinen Fenster des Hauses arbeiten. Die Köche, es sind etwa fünf von ihnen in dem kleinen Raum, haben alle Hände voll zu tun. Denn das Hotel scheint gut gebucht zu sein. Trotzdem findet sich Zeit für ein Lächeln oder ein kurzes Winken.

Eine ganze Reihe Warmhaltebehäter stehen auf dem Tresen. Es gibt Dhal, Masala und Reis. Natürlich auch eine Vorsuppe und eine Nachspeise. Unglaublich was mit dem Wenigen hier offeriert wird.

Biamah - Beema - Beama im Aryan Valley,Indus River,Ladakh,Himalaya,Indien,born4travel.de

Die Angestellten sind ausgesprochen nett. Nicht gespielt. Sondern wirklich herzlich. Sie alle wollen, dass wir uns wohl fühlen.
Und das tun wir auch.
Ach ja. Strom gibt es wieder ab 19.30 Uhr.
Das versprochene WLAN können wir nur im Empfangsbereich nutzen. Aber das ist absolut akzeptabel.
Ich teile unserer Familie mit, wo wir uns zurzeit befinden und wie außergewöhnlich das hier ist. Und welche unglaublichen Dinge wir heute erlebt haben.
Ob man das noch toppen kann?