rajastan 2008


Indien wir kommen....


Endlich ist der große Tag gekommen.
Es ist Anfang März und in Deutschland ist es noch frostig kalt.

Mit der Mittagsmaschine geht es erst nach München und dann direkt mit der Lufthansa nach Delhi.
Unser Flieger ist eine A340.
Ok. Mit diesem Modell sind wir schon in die USA und nach Südafrika geflogen aber noch nie in solch einer Ausführung. Und ganz subjektiv: schließlich sind wir nur Reisende und nicht aus der Branche, fühlen wir uns in der Annahme bestätigt, daß die Lufthansa Richtung Asien besser ausgestattete Maschinen einsetzt.
Aber das ist jetzt wirklich nur unser rein subjektiver Eindruck.
Die Bestuhlung ist in der Holzklasse sehr angenehm. Das Essen super und das Personal sehr freundlich.
Der Zugang zu den Toiletten befindet sich eine Etage tiefer. Hinter zwei Schwenktüren -à la Westernsaloon- geht es die Treppe runter und ein sehr galaktisch moderner Raum beherbergt nicht nur die Toiletten, nein...hier ist auch eine Minibar aufgestellt, die neben Softdrinks und Bier unzählige schnell verwertbare Kohlenhydratbomben offeriert.

Der Flug ist sehr angenehm und knapp 7 Stunden später sind wir da...

In Delhi ist es noch früh am Morgen.
Meine Freude ist unendlich. Doch ich kann nicht verheimlichen, daß ich ein wenig voreingenommen bin, wenn es um die indische Verläßlichkeit oder Pünktlichkeit geht.
Und wie sich dann kurze Zeit später herausstellt, ist die nächste Herausforderung, einen Vorortvertreter zu finden, überhaupt keine Herausforderung.
Ich sollte mich schämen, denn kaum geht die Schiebetür des Sicherheitsbereiches auf, werden wir sofort auf ein Schild mit unserem Namen nebst Veranstalter aufmerksam.

Erste Hürde geschafft!
Zwei Vertreter von "goIndia Journeys" begrüßen uns herzlichst mit einer Blumenkette aus weißen Jasmin und orangenen Ringelblumen.

Ich bin verzaubert. So leicht bin ich zu beeindrucken
Hm. Lei's kannten wir bisher nur aus Hawaii. Aber nun lernen wir , daß Blumenketten auch in Indien ein Willkommensgeschenk und Ausdruck von Respekt darstellen.
Beide Vertreter verneigen ihren Kopf, pressen ihren Hände zum "Namaskar" zusammen...und alle meine vorherigen Bedenken sind in diesem Moment verflogen.

Die Beiden sprechen gut englisch, das natürlich ganz anders ist als das amerikanische, britische, japanische oder neuseeländische Englisch, welche wir bisher gehört haben.
Es klingt so leicht auf der Zunge tänzelnd.
Man überreicht uns einen Planer im Stoffeinband, in dem alle benötigten Unterlagen, wie Inlandtickets, Hotelvoucher nebst Reiseplan, stecken.
Ich bin einfach nur geflashed.


Als Nächstes werden wir mit dem Auto zum Indira Ghandi International Airport gebracht...
Nun sind wir wieder einmal total irritiert.
Wir sind doch gerade am International Airport gelandet...? Was ist hier los?
Ich traue mich zu fragen und bekomme eine ganz simple Antwort: der Airport wird gerade umgebaut und man will es uns nur angenehm machen, damit wir nicht so weit laufen müssen.
Hm. Na ob das richtig ist. Ok. wir sind ja zu zweit...

Gefühlte 30min später erreichen wir den vermeintlich "gleichen" Airport.
Ein Begleiter kommt mit, kümmert sich um's Einchecken für den kommenden Inlandflug. Dabei nimmt er uns alle Tätigkeiten ab. Zeigt uns noch wo der Warteraum ist und verabschiedet sich ganz im indischen Stil.
Hm.
Wir müssen einfach viel ruhiger werden und mehr auf das Gute vertrauen!

Momentan ist es sehr schwierig, denn unser nächster Flug soll mit Air India stattfinden.
Air India...!
Frau Knuth von COMTOUR hat mir versichert, daß es eine seriöse Airline ist.
Na ok. Wir wollen ihr glauben.

So, da sitzen wir nun.
Wir schauen uns um und uns fällt auf, daß es hier überall "Stromtanksäulen" für mobile Geräte aller Art incl. Anschlußkabel gibt.
Hm.
Und das in Indien. So etwas haben wir doch noch nicht einmal auf Deutschlands Airports gesehen.
Unser Flug, der 13.10 Uhr starten soll, wird erst um eine halbe Stunde verschoben und kurze Zeit später um ganze 2 Std. Dabei werden alle Passagiere in die "Air India - Port Lounge" auf ein Mittagessen eingeladen.
Wir sind schlichtweg beeindruckt.
Die Lounge ist so indisch, wie man es sich als Mitteleuropäer nur vorstellen kann. Es wir ein Büffet mit für uns unübersichtlicher Auswahl an Curries angeboten. Es gibt Tees, Softdrinks, Kaffee, Bier...ach wir sind einfach nur vom Service beeindruckt.

Als dann die A320 der Air India zum Abflug bereit ist, sind wir wohl zum letzten Mal voreingenommen vorsichtig. Ich habe mir schon ausgemalt, daß wir mit einer alten Klappermaschine über Indien fliegen.
Spätestens während des Fluges ist jeder Zweifel weg...
Auf dem knapp eine Stunde langem Flug werden wir mit klasse Essen verwöhnt auf richtigem Porzellangeschirr. Und das in der Holzklasse. Auch ist unser Flugzeug, soweit ich das als Flugangstexperte beurteilen kann, in super Zustand.

In Jodhpur, unserer vorläufigen Destination, begrüßt uns wieder ein Mitarbeiter von "goIndia Journeys". Er stellt uns unseren Fahrer vor, der uns die nächsten 2 Wochen durch Indien kutschieren wird.

Unser Auto ist ein Toyota (im indischen Nachbau???). Wie auch immer.
Wie sich herausstellt, ist das Englisch unseres Fahrers auf dem Niveau meiner Japanischkenntnisse.
Aber das ist mir jetzt absolut egal.

Jetzt soll endlich mein Adventure Indien losgehen!

Es geht 5 Stunden durch das trockene Rajasthan gen Westen's letzter, großer Ortschaft: Jaisalmer.
Der Ort befindet sich abgelegen am Rand der Wüste Thar und nur 40 km von der pakistanischen Grenze. Die Fahrt dorthin läuft wie ein Film vor meinen Augen ab.

Ich habe nicht ein einziges Foto von der Fahrt, so beeindruckt bin ich.
Ortschaften mit Massen an Menschen...und dann wieder nur Wüste...Kamele auf der Straße... Pferde...Männer mit roten Turbanen, sie tragen weiße, lange Hemden und darüber meist Westen oder braune Jackets...Frauen in wunderschönen bunten Sari's...Bilder wie aus einem orientalischen Film aus einer anderen Zeit fliegen an mir vorbei.
Nein, das ist ganz anders als in Nepal und Tibet...es ist beeindruckend!

Zwischendrin gibt es eine Pause in einem völlig verlassenem Restaurant in einer gottverlassenen Gegend. Das Licht wird erst für uns angemacht. Denn mittlerweile ist es dunkel draußen.
Bisher haben wir nur Gutes erlebt und unsere Vorsicht ist Vergangenheit. Wir trinken unseren ersten Massala Chai in Indien und der ist und tut richtig gut!

Irgendwann, die Zeit ist wie im Traum verflogen, erreichen wir Jaisalmer.
Am Marktplatz sind viele Leute... ein einziges Gewusel...ich höre Musik... und Licht wird nicht nur von Laternen gespendet. Nö...auch von Fackeln.
Aber MEIN Speicher ist voll für heute!

Wir steigen in eine Art Kutsche um, denn das Auto darf nicht auf die Festung, wo sich unser Haveli befindet. Unsere Koffer? ...da kümmert sich jemand anderes d'rum. Das ist uns jetzt auch egal.

Als wir im Khilla Bhawan ankommen, werden wir wieder herzlich begrüßt und zu unserem Zimmer gebracht. Die Koffer stehen schon da ...
Das Zimmer ist klein aber es hat alles was es braucht, sogar eine gut funktionierende Dusche.

Vor 30 Stunden haben wir Berlin verlassen und hatten so viele und unterschiedliche Erlebnisse, die uns wie Wochen vorkamen.

Vollkommen erledigt fallen wir in's Bett.

Was für ein Tag...zwischen Skepsis und Vorsicht, mit Bildern die man aus anderen Reiseberichten schon kennt. Aber es selbst zu erleben, zu riechen, zu fühlen ist anders.

Ja... das genau ist es, was ich mit meinen eigenen Augen sehen wollte!






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