Wueste Thar,Rajastan,India,Indien

------------ Jaisalmer --------------------------------

Der Ort Jaisalmer liegt inmitten der Wüste Thar.
1156 wurde der 120m lange, 500m breite und 80m hohe Trikuta-Felsen vom Rajputenfürst zur Festung errichtet. Zunächst war das Besondere an diesem Fort, daß es nicht nur den Herrscherpalast beherbergte, sondern alle Wohn-und Geschäftshäuser der Stadt. Im 17.Jh. jedoch war der Platz auf dem Felsen erschöpft und so mußten Neuansiedler ihre Häuser am Fuße des Forts erbauen.
Strategisch war Jaisalmer zur damaligen Zeit ein wichtiger Stützpunkt für Karawanen auf den Handelsrouten zwischen vorderem Orient und Indien.
Die Festung wurde somit mehrfach in ihrer Geschichte erobert bzw. belagert.
Jedoch verlor der Ort an Bedeutung mit dem Ausbau des Schienennetzes durch die Engländer und der stetig wachsenden Bedeutung Bombays als Handelsumschlagplatz.
Durch die Abtrennung Pakistans und der Bevölkerungsabwanderung verlor Jaisalmer noch mehr an Bedeutung.
Erst durch zwei pakistanisch-indische Kriege wurde der Ort zum Vorposten zum Erzfeind Pakistan. 1968 wurde Jaisalmer an das Schienensystem angebunden, es entstanden Straßenverbindungen und es wurde eine Militärbasis am Rande der Stadt errichtet.
Mit der Möglichkeit den Ort in der Wüste zu erreichen, kamen Touristen, die zur Haupteinnahmequelle der Stadt wurden.
Das zur Geschichte...

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Gut ausgeschlafen, trotz der geringen Bettbreite beginnt mein ganz besonderer Tag... mein 50. Geburtstag...
Wir schauen aus dem Fenster und sehen Jaisalmer am Fuße des Felsens. Die Luft sieht etwas "hazy" aus. Wie wir erst später erfahren, gab es heute Nacht einen Sandsturm, deshalb ist die Aussicht etwas eingeschräkt.



Noch nie war es zu meinem Geburtstag so schön warm!
Unser Frühstück, nebst Piccolöchen nehmen wir auf der Terasse ein.
In die Mauer der Festung sind Ausbuchtungen eingebaut, die sich hervorragend als Sitzgelegenheiten anbieten.
Es ist schon ein Traum...
Maharani und Maharadja frühstücken vor dem Hindergund des Palastes und sind rundum glücklich.


Als wir in die Rezeption kommen, wartet schon unser Guide auf uns.
Er redet gleich drauf los...und ich frage mich, welche Sprache er eigentlich spricht, denn ich verstehe nur Bahnhof.
Ich frage Rainer...aber er meint, es sei englisch...aber auch er versteht sehr wenig.
Nun kommt noch dazu, daß ich mich zwar vor der Reise mit den Reisezielen befaßt habe, jedoch weniger mit den indischen Göttern bzw. mit der Religion.
Und so fliegen mir Worte um die Ohren, die zwar sehr exotisch klingen, ich aber keine Ahnung habe, mit wem Vishnu oder Brahma verheiratet war und ist denn nun dieser Gott männlich oder weiblich... Fragen über Fragen...

Zuerst besuchen wir die Jain-Tempel, die sich auf dem Fortgelände befinden. Es sind 5 Tempel, die wegen dem begrenzeten Raum auf dem Fort so eng stehen, als sei es ein Gebäude. Und tatsächlich erkennen wir nicht, wann der eine aufhört und der andere beginnt. Egal. Die Schnitzereien in Holz und die vielen blumenartigen Muster im Stein sind beeindruckend schön.



Überall gibt es die Möglichkeit an oder auf der Mauer zu laufen, von hier aus auf die Stadt zu schauen, die wunderschön dekorierten Dächer anderer Häuser und Havelis zu sehen.
Das Fort besitzt 99 Bastionen die man von hier aus zum Teil sehen kann.



Wir durchqueren enge Straßen, bei denen ich mir sehr gut vorstellen kann, daß es hier schon vor Jahrhunderten genauso ausgesehen hat. Manche Gassen sind sehr, sehr eng. Auf den Plätzen drängt sich ein Café neben dem anderen. Sie werben mit wifi... Geschäfte sind voller Andenken und es scheint mir alles sehr touristisch. Und tatsächlich werden hier sehr viele Touristen durchgeschleust.
Angenehm überrascht bin ich, daß es keinerelei Geruchsbildung aus Gullis o.ä. gibt.



So, jetzt geht's in's wahre Leben...wir verlassen das Fort und gehen ins "Dörfchen"...


Das ist der Palast, den wir auch von der Terasse des Killa Bhawan sehen.


Nun läuft mein Gehirn auf Höchsttouren, das Gehörte überfordert mich schlichtweg.
Das Gesehene interessiert mich momentan sowieso mehr als alles Andere...ein Wirrwarr das sich hier abspielt, diese bunten und wunderschönen Saris, die Menschen...dazwischen Kühe, Mopeds, Musik...ach und dann auch noch aufpassen, denn überall liegen frische und alte Kuhfladen und ich habe nur Sandalen an...boah.

Ich versuche noch irgendwelche Aufnahmen zu machen. Aber was soll man hier fotografieren? ALLES???


Das Schöne ist, hier interessiert sich keiner für uns...kein Betteln, kein Anfassen, absolut nichts.
Wir latschen unserem Guide hinterher...verstehen tun wir den sowieso kaum...und er läßt uns aber all die nötige Zeit, die wir brauchen zum Gucken, Staunen und Fotografieren.
Besser geht's kaum.


Wir besuchen Havelis, also Wohn-und Geschäftshäuser reicher Geschäftsleute. U.a. auch das Patwon ki Haweli und Natmal ki Haveli. Nicht nur die Innenräume, deren Decken, Geländer, Säulen sind reich verziert. Es sind auch die Fassaden und Balkone mit filigranen Steinmetzarbeiten geschmückt. Die Havelis haben unüberschaubar viele Räume die ineinander übergehen.
Hier und da kann man indische Figuren, Elefanten, Karawanen aus Metall in Miniatur käuflich erwerben.
Im Innenhof beobachten wir aus einer oberen Etage eine Verkaufsvorstellung von Teppichen. Ganz offensichtlich wird hier einer westlichen Reisegruppe etwas vorgestellt. So sind wir sehr froh, daß wir als Privatreisende unsere kostbare Zeit hier nicht an solchen Veranstaltungen teilnehmen und verschwenden müssen.
Unser Guide, der wohl einen Hinweis erhalten hat, daß ich heute Geburtstag habe, schenkt mit eine kleine Ganesh-Figur. Wie aufmerksam.



Und dann ein ganz besonderer Test: wir laufen durch eine etwa 2,5m breite Gasse und ein Kuh steht wie angenagelt mitten in der Mitte. Wie soll ich da vorbeigehen? Ich selbst bin doch nur 1,63m... und habe mein ganzes Leben in der Stadt gewohnt...
Ich gelobe Besserung, aber heute ist eben mein allererster Tag in Indien...



Nicht mehr nachvollziehbar ist der Weg hierher. Wie auch immer. Wir sind Aussichtsfans und haben von hier die beste Sicht auf Teile der Stadt und das Fort und Kenner erkennen natürlich auch das Killa Bhawan!



Unglaublich was wir bisher gesehen haben. Ganz klar, daß wir jetzt mal eine Pause brauchen.
Hier oben, auf dem Rooftop des Restaurants, essen wir zusammen mit unserem Guide ein leckeres Mittag. Inzwischen haben wir uns in sein "englisch" eingehört und verstehen ihn.
Bei der Vorbereitung für unsere Reise habe ich darauf geachtet, daß wir stets auch viel "Freizeit" nur für uns, also ohne Guide, haben. Und so werden wir gleich nach dem Essen vor dem Tor zum Fort abgesetzt und so bestehen wir darauf alleine zu unserem Haveli zu gehen. Dies findet unser Guide und Fahrer gar nicht so gut. Denn sie haben Bedenken, daß wir uns in dem Wirrwarr der Anlage verlaufen.

Aber wir lassen uns das nicht ausreden. So lange uns keiner anpöbelt, fühlen wir uns in der Lage den Weg auch alleine zu finden.
Zudem hatten wir den gesamten bisherigen Tag keinerlei Sicherheitsbedenken.



Im Killa Bhawan, unserem Haveli, ruhen wir uns auf der Terasse aus. Bis zum frühen Abend haben wir nun Zeit für uns...



Unser letztes Highlight am heutigen Tag, und davon hatten wir schon wahrlich viele, ist ein Kamelritt in der Wüste. Ok. Wenn wir gedacht haben, daß wir bisher in Jaisalmer irgendwo Jotwede sind, nein, dem ist nicht so. Mehr als eine halbe Stunde fahren wir zu einem Ort, wo es praktisch nichts gibt außer Wüste. Das dachten wir... Denn als mein Mobiltelefon klingelt, sind wir echt verwundert. Die Qualität der telefonischen Verbindung mit Deutschland ist hervorragend.

Als ich vor den Kamelen stehe, fange ich an zu zweifeln...man sind die hoch! Rainer sitzt 1A...ich breche nach 3 Minuten ab. Das Geschaukele und Gewackele...das ist nichts für mich. So verschwindet Rainer mit ein paar Kameltreibern in der Wüste. Ich setze mich mit unserem Guide auf ein Dach eines Hauses und von hier aus beobachten wir den Sonnenuntergang. Und obwohl wir die ganze Zeit alleine unterwegs waren, sind am Horizont viele, viele Touristen die diesen besonderen Moment genießen.



Den Abend genießen wir wieder auf der Terasse bei Kerzenlicht und Thamel, einem indischen Gericht. Ab und zu klingelt mein Telefon...schließlich habe ich heute Geburtstag...





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