Fatehpur Sikri,Uttar Pradesh,India,Indien

...unterwegs auf den Pfaden des goldenen Dreiecks...

Bevor ich mich genau mit der Reiseroute für Indien befaßt habe, ist mir natürlich nicht entgangen, daß viele Reiseveranstalter "nur" das "Goldene Dreieck" anbieten. Man besucht dann die absolut bekanntesten Highlights, mit Sehenswürdigkeiten, die jedem auf irgendeine Weise bekannt sind. Dazu gehören natürlich Jaipur: mit dem Palast der Winde, Agra: mit dem Taj Mahal und Fatehpur Sikri...weil es einfach auf der Route zwischen Jaipur und Agra liegt.

Jaipur war gestern...heute geht es über Fatehpur Sikri nach Dholpur...
Dholpur??? ...haben wir vorher noch nie gehört. Unser Reiseveranstalter hat sich da etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Hier wieder eine "Unterwegsaufnahme"...
Irgendwie kommt mir immer mehr der Gedanke auf, daß hier nur die Frauen arbeiten.



Mit der Fahrt nach Fatehpur Sikri verlassen wir den Staat Rajastan und sind nun in Uttar Pradesh.
Uttar Pradesh ist der am dichtesten bevölkerte Staat Indiens, flächenmäßig jedoch der fünftgrößte Staat. Geografisch gesehen gehört er zu den nördlichsten Staaten und grenzt im Norden an das Himalaya Gebirge und nordöstlich an Nepal.
Hier in Fatehpur Sikri ist jedoch von dem nahgelegenen Gebirge noch nichts zu spüren.

------------ Fatehpur Sikri --------------------------------

Erst einmal ein kleiner Überblick zur Geschichte...

Akbar war einer der bedeutendsten Herrscher Indiens. Er hat sich verdient gemacht wegen seiner religiösen Toleranz und versuchter Einführung der Gleichberechtigung von Muslimen und Hindus. Das drückt sich auch in der Architektur dieser Anlage aus. Interessant ist, daß Akbar, der durch den unerwarteten Tod seines Vaters mit 13 Jahren Thronfolger wurde, für sein Alter ein außergewöhnliches Wissen über die Belange Indiens hatte. Sein bisheriges und auch sein späteres Wissen hatte er aus Büchern seiner Bibliothek, aus denen er sich täglich vorlesen ließ. Akbar war Zeit seines Lebens Analphabet geblieben.

Der Legende nach kam Akbar zu dem auf dem Felsen lebenden Heiligen Shaikh Salim Christi, um den Segen für die Geburt eines männlichen Nachfolgers zu erbitten.
Nachdem der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, errichtete er 1571 erst eine Stadtmauer auf dem hochgelegenen Felsen und in den folgenden Jahren eine Moschee, die auf dem höchsten Punkt des Felsens gelegen ist, sowie die neue Hauptstadt Fatehpur Sikri, "Stadt des Sieges".
Wegen des permanenten Wassermangels wurde Fatepur Sikri allerdings etwa 15 Jahre später wieder aufgegeben.
Geblieben ist eine Geisterstadt, die mit dem Niedergang dieses Mogulreiches fast in Vergessenheit geriet.
Es wird erzählt, daß die Bewohner der tiefer gelegenen Anlage, die Gebäude als Steinbruch und für Baumaterial zum Bau ihrer eigenen Häuser genutzt haben.

Die Palastanlage ist in zwei unterschiedliche Teile aufgeteilt:
Ein Teil ist der königliche Teil, der die privaten und geschäftlichen Räume sowie seinen Hof, Harem und seine Schatzkammer beherbergte.
Im anderen Teil befindet sich Shaikh Salim Christis Mausoleum, das etwa 10 Jahre nach seinem Tod erbaut wurde.

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Das Badshahi Darwaza ist eins von vier Toren und ist der östliche Eingang zum Jami Masjid.
Es ist über 13m breit und knapp 19m hoch.



Beim Blick nach oben fallen diese muschelartigen Gewächse auf. Diese sind etwa 50-70cm große Bienenstöcke.



Der Mittelpunkt ist das kleine, ganz aus weißem Marmor bestehende Mausoleum des Shaikh Salim Christi.
Seit sich die Prophezeiung des Shaikh Salim Christi nach Akbars Wunsch bewahrheitete, gilt dieses Mausoleum auch heute noch als Pilgerstätte für gläubige Familien, die sich einen Sohn als Nachfolger wünschen.



Frauen, die um die Geburt eines Sohnes bitten, binden kleine bunte Fäden aus Baumwolle um die filigranen Sprossen der Marmorfenster.

Wir erfahren auch, daß nicht nur kinderlose Frauen um die Erfüllung ihres Wunsches hierher pilgern.

Für die Frauen in Indien ist die Geburt eines Sohnes sehr wichtig. In den Augen ihrer Ehemänner aber auch in den Augen der angehörigen Familien, ist die Geburt die zentrale Aufgabe in ihrem Leben.
Keinen Sohn zu gebähren, heißt der wichtigsten Verpflichtung nicht nachgekommen zu sein.


Das war bisher eine der am meisten beeindruckenden Besuche einer Festung. Besonders die Tatsache, daß eine Anlage, die nur knapp 15 Jahre überlebensfähig war, heutzutage eine so wichtige Stätte für Gläubige und kinderlose Ehepaare ist.

Es ist schon Nachmittag und auf dem Programm steht nur noch die Ankunft in unserem zu Hause für die nächsten 2 Nächte. Diese werden wir nicht wie bisher in einem Haveli verbringen bzw. in einem Hotel, sondern in einem Gästehaus einer noch heute lebenden Maharani. Das klingt wie das Eintauchen in eine andere Welt.

Aus dem Traum herausgerissen werden wir jedoch, als wir vor einem riesigem Haus unter einer pompös verzierten Überdachung vorfahren.
Hier ist kein Mensch.
Alles geschlossen und dunkel.
Unser Fahrer macht sich auf die Suche nach irgendeinem Angestellten.
Es gibt ein flaches Seitengebäude in dem Bedienstete untergebracht werden.
Ganz offensichtlich ist unsere Ankunft nicht angemeldet worden.

Als man dann endlich Notiz von uns genommen hat, eilen flugs Buttler heran, kümmern sich um unser Gepäck, "erleuchten" die großen Räume und "parken" uns erst einmal in einem riesigem Raum, den wir bisher nur als Besucher der vielen, schon besuchten Palaste kurz beäugen durften.
So trinken wir Tee in einem der vielen Aufenthaltsräume und ich muß ehrlich sagen: so klein und mikrig kam ich mir noch nie in einem Raum vor.



Dies ist der reich dekorierte Aufenthaltsraum, wo wir nur Tee trinken und aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.

Nach einer Weile erscheint auch die Chefin des Raj Niwas Palace, entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten und führt uns in die obere Etage, wo unser Zimmer ist.

Von hier aus kommt man in den nächsten, etwas kleineren Raum, wo es zu den öffentlichen Toiletten geht, aber auch zu dem Korridor, der uns in die andere Etage bringt.



Oben angekommen erreichen wir erst einen Vorraum bzw. Aufenthaltsraum bevor wir in unser Zimmer gehen.
Eigentlich kann bei dieser Größe von "Zimmer" nicht die Rede sein.
Es hat schätzungsweise 50qm oder auch mehr?
Keine Ahnung ... jedenfalls ist "spectacular" wohl die beste Beschreibung.



Die zwei Duschen sind Anlagen und ist nicht einfach mit einem sondern zwölf Knebeln zu bedienen. Für jede Körperregion ein anderer Strahl mit -bei Belieben- unterschiedlicher Strahlstärke.

Es fühlt sich komisch an, in Räumen zu weilen, die so riesig und bis zum letzten Quadratmillimeter mit ornament überfüllten Fliesen bepflastert sind. Man kann stundenlang auf dem Bett liegen und die Fliesenmuster studieren.

Das Abendbrot gibt es im Speisezimmer ... wo sonst?
Die Chefin unterhält uns mit allerlei unterhaltsamen Geschichten. Sie spricht ein ausgezeichnetes Englisch.
Das Essen wird von zwei oder mehr Butlern gereicht. Zudem ist ein Butler immer im Raum, der sofort reagieren kann, sollte - also die Betonung liegt auf "sollte" - etwas fehlen.
Es gibt eine große Auswahl an Gerichten, die absolut lecker schmecken.
Selbstverständlich essen wir mit silbernem Besteck und auf Tellern, die richtig royal wirken. Irgendwie ungewohnt ist das für uns schon: Es ist mehr Personal anwesend als Gäste, denn wir zwei sind allein.

Nach dem Abendbrot sind wir auf uns selbst gestellt.
Normalerweise stromern wir noch draußen rum. Aber hier sind wir weit weg in irgendeinem Dorf in der Nähe von Agra.
Das heißt: früh in's Bett gehen.

Ach ja ... und etwas gruselig ist es auch, denn wir sind hier die einzigen Gäste im ganzen Palast.
Ja, ich bin in der Großstadt zu Hause und fühle mich hier etwas verloren!





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