Varanasi,Uttar Pradesh,India,Indien

Varanasi...das Highlight unserer Indienreise

Der Tag beginnt ganz entspannt mit der gebuchten Yogastunde.
Wir sind die einzigen "Freiwilligen".
Los gehts. Unser Yogi fragt erst einmal, ob wir schon jemals Yoga gemacht haben?
Hm...ja, Rainer war schon mal mit mir und ich mache 1-2 x die Woche Hatha Yoga unter Anleitung.
Er beginnt nicht, wie ich es gewöhnt bin, mit den 12 Asanas des Sonnengrußes...wir beginnen sofort mit anderen Asanas.
Dabei muß hier einmal festgehalten werden, daß westliche Menschen schon zum Gummimenschen abgestempelt werden, wenn sie mit gestreckten Beinen mit den Händen unter ihre Sohle fassen können.
..und das kann ich sehr gut

Aber offensichtlich bekommen wir trotzdem schlechte Haltungsnoten, denn er schlägt vor, uns einige interessante "Körperverbiegungsknoten" vorzuführen.
Kein Problem!...und als wir das sehen....da wird uns einiges klar.
Wir verstehen nun, welche Voraussetzungen man benötigt, um die gestern gesehenen Liebesstellungen durchführen zu können. Um es besser zu beschreiben: Stellungen des Kamasutra sind nur die Erwärmung von dem, was wir jetzt sehen.
Ziemlich verblüfft fragen wir noch nach seinem Alter und wie lange er schon Yoga praktiziert...alles klar.
Trotzdem war es eine sehr lehrreiche Stunde.

Nach dem Frühstück haben wir noch etwas Zeit, poolen noch etwas und kurz nach 13.30Uhr geht's mit
JET AIRWAYS nach Varanasi...dem absoluten Höhepunkt unserer Indienreise.

Am Flughafen kaufe ich zwei für je 200 Rupien handgewebte Seidenschals. Sie gefallen mir gut, aber bei dem Preis erwarte ich absolut nichts Besonderes.
(Anmerkung aus heutiger Sicht: was für ein guter Kauf, superluftige Ware, angenehm auf der Haut, die beim Tragen entstandenen Falten, verschwinden von selbst durch glattes Aufbewahren. Die Schals gehören bei mir seitdem zum Flughandgepäck!)

Der Flug dauert eine knappe Stunde und ist sehr angenehm. Der Flieger ist modern und ich kann als Laie keinen Unterschied zu einer deutschen LH erkennen...nur, daß es auf diesem kurzen Flug noch etwas zu essen gibt.

In Varanasi werden wir von einem Fahrer und einem Guide abgeholt.
Die Zwei sind sehr jung. Das Englisch des Guides ist eine Katastrophe...wir verstehen kein Wort.
Aber er ist nett und wir sind auf unserer Reise durch Indien schon sehr entpannt geworden und werten so ein "Malheur" nicht als so schwerwiegend.

Ohnehin gibt es nicht viel zu sagen, denn auf den Straßen ist die Hölle los.
Es gibt eh nicht viel zu erklären, denn wir wissen ja schon, was hier abgeht: Holi
...das indische Frühlingsfest...das "Fest der Farben".
Man besprüht bzw. bewirft sich mit bunter Farbe...


Wir kommen kaum voran und am liebsten würde ich aussteigen, denn zu Fuß wären wir schon längst am Ziel. Jeder Fußgänger ist schneller als wir! So entstehen nur diese Momentaufnahmen direkt aus dem Auto. Die Fenster sollen nicht geöffnet werden, sonst fliegen evtl. Farbbeutel ins Auto.
Die Straßen sind voller als wir das jemals hier erlebt haben. Es herrscht ein chaotisches Durcheinander... Menschen über Menschen sind unterwegs und kaufen ein, von überall schallt andere Musik...die Stadt ist geschmückt und die Straßendekoration ist knallbunt. Einige sehen echt merkwürdig aus...von Kopf bis Fuß voller Farbe...

Den letzten Teil des Weges zum Hotel müssen wir zu Fuß gehen. Dieser Teil ist für die Autos gesperrt. Ein Mann, so groß und breit wie ein Schrank...und das meine ich jetzt wirklich so...übernimmt unsere Koffer und führt uns durch seltsame Seitenwege, engste Gassen zum Hotel.
Wir sind gut drauf...denn wäre dies unser Anreisetag, wäre ich aus Verzweiflung und Mißtrauen in Ohnmacht gefallen. Und so muß ich an Fr. Knuth (unsere Kontaktperson unseres Veranstalters) denken, die mir dringend geraten hat die Besichtigung Varanasis an das Ende der Reise zu verlegen. Wie Recht sie doch hatte! Man wird gelassener innerhalb von nur einigen Tagen. Denn bisher haben wir nicht einmal schlechte Erfahrung gemacht wenn es um Kriminalität o.ä. geht.

Es war mein Wunsch hier im Rashimi Guest House zu übernachten. Ich wollte einfach direkt aus dem Zimmer den Blick zum heiligen Ganges haben. Bei tripadvisor.com wurde dieses Guesthose wärmstens empfohlen.
Bei der Ankunft sind alle überfreundlich.
Zur Begrüßung bekommen wir die längsten Blumenketten der Welt umgehangen...

Unser Zimmer ist sehr "praktisch" eingerichtet. Die Betten sind mit roten Rosenblättern geschmückt.

Der Ausblick ist genial...wir sehen nicht nur den Ganges sondern auch die gegenüberliegende Seite, und auf eins der größten Ghats.
So habe ich mir das vorgestellt!

Bevor es abend wird, haben wir noch einen Besichtigungspunkt auf unserem Plan: Sarnath. Sarnath ist für Buddhisten genau so heilig wie Varanasi. Denn hier soll Buddha (der Erleuchtete bzw. der Erwachte) 528v.Christi zum ersten Mal die erste Predigt, die Dharamchakra, die zur Grundlage für die Entwicklung dieser Religion wurde, gehalten haben.


------------ Buddha / Buddhismus --------------------------------

Buddha wurde 566 v.Christi als Siddhartha Gautama, Prinz des Königreiches Kapilavastu, geboren. Mit 30 Jahren gab er sein Prinzenleben auf, um sich auf die Suche nach der Antwort für das menschliche Leiden zu machen. Sechs Jahre lebte er als Asket mit Fasten und Buße. Er wanderte als Bettler und erkannte, daß ihn diese Art zu leben nicht zu der Antwort auf seine Fragen bringt.

In Bodh Gaya saß er 49 Tage meditierend unter einem Bodhi-Baum. Dort erkannte er die Ursachen des Leidens, wurde somit erleuchtet mit dem Wissen und entwarf den Achtfachen Pfad zur Aufhebung des Leidens.

Im Jahr 528 v.Christi hielt er in Sarnath seine erste Predigt, die Dharamchakra, "Inbewegungsetzung des Rades der Lehre Buddhas", die den Kern seiner Lehren beinhaltet. Dazu gehört die Ablehnung von Askese, Kasten und Klassenunterschieden. Weiterhin umfaßt der Achtfache Pfad: die rechte Ansicht, Gesinnung, Rede, Handlung, Lebensführung, Anstrengung, Achtsamkeit und Sammlung.
Dharma-Rad auf dem Jokhang Tempel, Lhasa


Buddha starb 486 v.Christi im Alter von 80 Jahren, nachdem er giftige Pilze gegessen hatte. Er starb in einem Wald bei Kushinagar. Eine Stupa markiert die Stelle, an der er bestattet wurde.

Einer der großen Anhänger von Buddha war der Herrscher der altindischen Dynastie der Maurya (268-239 v. Chr.), der die Lehre Buddhas in Indien und über dessen Grenzen hinaus durch Missionare verbreiten ließ. Auch Mahinda, Ashokas Sohn, ging auf Pilgerschaft, um Buddhas Spuren zu folgen. Er pilgerte nach Sri Lanka.

Später wurde der Buddhismus durch Mönche und reisende Kaufleute nach Myanmar, Thailand, Kambodscha und Laos verbreitet. Weiter wurde die Lehre im Laufe der Jahre in den Norden gebracht, von China über Korea (um 375 n.Christi) nach Japan (um 523 n.Christi) und schließlich auch Tibet (erstes buddhistische Kloster wurde 779 n.Christi erbaut).

In Indien wurde der Buddhismus im 8.und 9.Jh. n.Christi vom Hinduismus verdrängt und sein Gründer Buddha ist dort nur als eine Inkarnation des Gottes Vishnus angesehen.

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Die Hauptattraktion in Sarnath ist der Ispatana Migadya Park. An der Stelle, an der Buddha seine Predigt gehalten hat, wurde im 5.Jh. die Dhamekh Stupa gebaut.
Wie so oft, bei unseren Besuchen von Stupas, wird uns glaubhaft vermittelt, daß hier mindestens ein Knochen von Buddha aufbewahrt wird.


Anschließend geht es wieder zurück nach Varanasi, der heiligsten Stadt für Hindus.
Wir machen erst eine Bootsfahrt auf dem Ganges bei Sonnenuntergang. Unser Guide zeigt uns verschiedene Ghats. Ghats sind zum Fluß oder See führende Treppen, die Hindus nutzen, um sich zu waschen.
Solche Ghats haben wir schon in Udaipur und Pushkar gesehen. Jedoch haben sich dort nicht nur Menschen gewaschen, sondern auch Wäsche gewaschen.


Am Manikarnika Ghat ist filmen verboten. Das ist eins von mehreren Ghats an dem Scheiterhaufen den ganzen Tag und die ganze Nacht über brennen, denn es ist ein Bestattungs-Ghat.
Bereits vor unserer Reise haben wir in einer großen deutschen Zeitschrift Horrorstories über die Bootsfahrt auf dem Ganges gelesen. Hier seien schwimmende Leichenteile zu erwarten, und auch daß es nach totem Menschenfleisch stinken würde...in das Wasser könnte man nicht einmal einen Finger tauchen ohne eine Krankheit zu bekommen, so dreckig sei es.
Nichts davon trifft ein. Selbstverständlich schaue ich, als es noch hell ist ins Wasser und "inspiziere" die Lage. Man kann schätzungsweise einen halben Meter ins Wasser schauen...und nein, kein menschliches Körperteil schwimmt hier auf der Oberfläche. Auch fahren wir ganz nah an das Bestattungs-Ghat. Hier stinkt nichts!
Der Guide erzählt uns, daß die Toten hier mindesten 5 Stunden verbrannt werden müssen. Das Brennholz zum Teil aus Rosenholz besteht und außerdem werden dem Feuer andere Hölzer und Kräuter als "Gutriecher" beigemischt.

Wir beobachten Familien, die auf den Treppen sitzen und singend Abschied vom Verstorbenen nehmen. Es ist sehr ergreifend und ich verstehe den Artikel nicht. Warum muß so etwas Abschreckendes geschrieben werden?

Laut hinduistischer Lehre besteht unser Körper aus den 5 Elementen: Feuer, Erde, Wasser, Luft und Himmel. Nach dem Tod eines Menschen müssen genau diese 5 Elementen wieder ihre Anteile zurück erhalten. Dies wird bei der Verbrennung (Feuer) auch erreicht.
Teile der Asche bleiben auf der Erde liegen, Rauch steigt in den Himmel, ein Teil der Asche wird in der Luft zerstreut und einen weiteren Teil der Asche trägt ein naher Angehöriger zum heiligen Fluss Ganges.

Nach der Bootsfahrt verabschieden wir unseren Guide und verabreden uns für die morgendliche Bootsfahrt um 5.00Uhr.



Anschließend gehen wir zur nächsten Attraktion. Gleich neben unserem Hotel ist das Dashhashwamedh Gath. Hier wird allabendlich der Ganges zur Nacht mit heiligen Mantra-Gesängen/Gebeten verabschiedet. Es werde Öllampen entzündet und Glöckchen läuten. Hunderte von kleinen schwimmenden Lämpchen werden auf dem Ganges treiben gelassen. Ein Gänsehauterlebnis!


Was war das für ein Tag...?
Ein Highlight folgte dem anderen.

Unsere Bleibe hat ein Rooftop Restaurant und warum soll man das nicht gleich nutzen. Bevor man aber die Veranda erreicht, kommt man an der Küche vorbei...und die sieht ziemlich "abenteuerlich" aus. Töpfe über Töpfe und ganz offensichtlich kocht man hier noch mit Gas, denn die Stichflamme ragt mehr als 30cm nach oben. Ok. Dann ist eben alles gut abgekocht
Das Essen ist köstlich und das Flair ist unschlagbar!
Von hier oben sieht man nämlich die vielen Lämpchen, die auf dem Ganges schwimmen.
Und das alles bei Vollmond!






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