Varanasi,Uttar Pradesh,India,Indien

Holi in Varanasi

Puh...die Nacht war kurz...4.30am meldete sich schon der Wecker.
Obwohl wir gestern ziemlich fertig waren, ließ uns die Musik von draußen nicht wirklich schlafen. Und die Betten erst...Ich bin zu alt für solch' harte Betten. Aber ich wollte ja unbedingt hier übernachten.

Ich schaue raus...wunderbare Lichtstimmung...


Kurz vor 5am sind wir unten in der Rezeption, voller Vorfreude auf die Bootsfahrt in der Morgendämmerung.
Auf den Lederliegen schlafen zwei Angestellte...sie springen gleich auf, als sie uns sehen.
Wer nicht da ist, ist unser Guide.
Wir warten und warten...
Ein angestellter ruft irgendwo an, den Guide oder so...
Wir gehen noch einmal auf's Zimmer...und warten.
Langsam bin ich sauer...sollte doch die morgendliche Bootsfahrt der Höhepunkt sein.
Wir gehen wieder runter und schauen uns auf unserem und den Nachbar-Ghats um. Hier sieht es vielleicht aus... wie nach einer Megaparty, wie Berlin nach der Love Parade oder nach einer ähnlichen Großveranstaltung...überall, im Wasser und auf den Treppen liegen diese Blumenketten...die Treppen sind voller Farbe...


Während die Sonne immer höher steigt, beobachten wir das Leben an den Ghats. Wirkt eher ziemlich verkatert das Ganze.
Immer mehr Boote stechen los...nur wir nicht, denn unser Guide ist immer noch nicht da.
Und die ersten Badenden sehen wir auch...und überlegen welche Krankheiten wir doch bekommen würden, wenn wir hier baden würden oder gar Zähneputzen.
Wir sind eben nichts "Gutes" mehr gewöhnt.


Ürigens, putzt dieser Sadhi seine Zähne sehr wahrscheinlich mit einem Stöckchen des Neem Baumes.
Dieser wird in Indien wegen der Öle in der Rinde und im Holz selbst zur Zahnpflege verwendet. Während unserer Borneo-Reise haben wir bei den Iban gelernt, daß zartere Teile des Baumes mitten im Regenald von den Einwohnern zum Schutz vor den Malariamücken gegessen werden. Wir hatten auch das Vergnügen diese Äste zu essen...ob es auch wirkte...?

Niem – auch Neem geschrieben – ist ein Anti-Typ im besten Sinne des Wortes: antibakteriell, antiviral, antimykotisch (gegen Pilze), antiseptisch, antidiabetisch, blutdruck- und cholesterinsenkend, Schadinsekten und Würmer tötend, dazu empfängnisverhütend, weil Spermien lähmend. Vom Niembaum wird alles genutzt, ob aus der Rinde, den Blättern, den Blüten oder den Samen – als Tee, Pulver, Saft oder Öl.
Ursprünglich stammt der Niem (Azadirachta indica) aus den tropischen und subtropischen Regionen Indiens und Pakistans, inzwischen wird er in diesen Klimazonen aber weltweit angebaut. Indische Ärzte behandeln mit Niemprodukten seit 2.000 Jahren Geschwüre, Lepra, Nesselsucht,Verdauungsstörungen, Bluthochdruck und Schilddrüsenerkrankungen.
Quelle


Über 1 Stunde später taucht auch unser Guide auf...er entschuldigt sich ...der Abend sei lang gewesen, schließlich ist Holi...
Na gut. Er heuert ein Boot an und dann geht es endlich los.
Wir fahren entlang der Ghats...die sehen bei dem Licht einfach nur schön aus. Allerdings vermisse ich die badenden Massen, so wie ich es von Bildern kannte. Unser Guide erklärt, daß heute nur wenige baden, da Holi ist und ganz viele Badende sieht man zu besonderen Festlichkeiten.

 

Wir schippern entlang der Ghats.
Man ist einfach nur verzaubert vom morgendlichen Flair hier auf dem Ganges.
Wir testen auch mal mit der Hand das Wasser ...und ja...die Hand ist noch dran. Ich behaupte mal, das Wasser hier ist nicht dreckiger als unsere Spree.

Nach einer ganzen Weile setzen wir auf die gegenüberliegende Seite, wo man die Front mit Ghats in einem guten Abstand sehen kann.


Dann geht es wieder auf die andere Seite... ...noch eine letztes Foto aufgenommen vom Boot...

Wir verabschieden uns von unserem Guide.
Obwohl er zu spät gekommen ist, sind wir ihm nicht böse. Die Fahrt war wunderschön und ergreifend. Sollten wir noch einmal hierher kommen, wissen wir: einen Guide benötigt man nicht für diese Bootsfahrt. Die war einfach nur inklusive im gesamten Reisepaket. Einen Preis auszuhandeln mit einem Bootsführer, trauen wir uns auch alleine zu.
Unser Flieger gen Delhi geht erst am Nachmittag. Bis dahin haben wir "Freizeit".
Wir nehmen die Gelegenheit wahr und schauen uns einige Ghats an, die sich östlich von unserem Hotel befinden. Dazu gehört auch das Bestattungsghat. In Ruhe kann man sich hier die Prozedur anschauen. Es wird nur darum gebeten, hier nicht zu filmen oder zu fotografieren.

Anschließend stromern wir durch die engen Gassen.
Ich kann nur jedem empfehlen, der zum ersten Mal nach Indien kommt, Varanasi nicht als Start zu wählen. Doch nach 2 Wochen Indien sieht man das hier alles ganz entspannt.

Während wir, als Ausländer uns ziemlich sicher fühlen, daß uns keiner mit Farbbeuteln bespritzt, begegnen uns Männer in bester Stimmung, deren Kleidung vollkommen bespritzt ist. Das geht nicht lange so, denn erst kriegt Rainer mehrere Farbbeutel ab und dann auch noch ich. Hm. Gut, daß ich ein weißes T-Shirt anhabe. Woher die "Granaten" kommen, ist nicht ersichtlich.
Ja was soll's...hier ist keiner vor Farbe sicher...nicht einmal die Tiere. Als wir dann die Hauptstraße erreichen, erreicht auch der Stärkepegel der Technomusik seinen absoluten Höhepunkt. Riesengroße Lautsprecher dröhnen...und geschminkte Männer tanzen völlig ausgelassen.

Zurück an den Ghats geht die Post erst richtig ab. Wir werden das Gefühl nicht los, daß dies ein Fest für die Männer ist, denn weit und breit ist keine einzige Frau zu sehen.



Kurz nach Mittag gehen wir ein letztes Mal in unser Zimmer.

Von hier sehen wir die Banausen, die die Farbbeutel von Balkonen aus den oberen Stockwerken werfen. Dabei kriegen die ganz Kleinen noch eine Einweisung bevor sie ihren Spaß haben.


Dann noch ein letzter Blick aus dem Zimmer dahin, wo wir heute morgen waren. Von hier oben sieht man die ganze Größe des Ganges. Jedoch ist der Wasserstand momentan sehr niedrig. Nach dem Sommer wird diese Sandbank verschwunden sein.


Eine Rikscha holt uns ab und bringt uns zu dem Punkt, an dem uns das Taxi erwartet. Die Kleidung des Rikschafahrers sieht genau so besprenkelt aus, wie die der anderen Männer auch. Frauen sucht man heute vergeblich auf den Straßen.

Der Weg bis zum Flughafen ist ziemlich lang.
Immer wieder begegnen wir Autos, auf deren Dach in bunt glitzernder Folie Verstorbene zu den Ghats gebracht werden. Der Fahrer erklärt uns, daß Familien von weit herkommen, damit ihre Angehörigen an einem Bestattungsghat verbrannt werden und dann ein Teil der Asche in den heiligen Ganges verstreut werden kann.


Der letzte Flug bringt uns nach Delhi, unserer letzten Destination dieser wundervollen "Bildungsreise". Wieder fliegen wir mit JET AIRWAYS.
Für den Fall, daß ich unterwegs wieder "Opfer" von Farbspritzern werde, habe ich gleich das weiße aber mit Farbe besprenkelte Shirt angelassen.
Und als wir das Flugzeug betreten, freuen sich die Flugbegleiter beim Anblick meiner Kleidung und begrüßen mich mit:
"HAPPY HOLI"


Als wir in Delhi landen, ist es schon früher Abend. Dann geht es recht schnell in's Hotel. Es ist irgendwo und nicht mitten im Geschehen des indischen Lebens und so bleibt uns nicht viel Auswahl für die Gestaltung des Abends.





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