Gurdwara Bangla Sahib,Delhi,India,Indien

...letzter Tag...

Wir haben hervorragend geschlafen.
Der letzter Tag der wundervollen Reise kann beginnen.

zimmer flur


Das Zimmer und die Betten sind so, wie wir das von anderen Reisen kennen. Wenn man die Vorhänge nicht öffnet erinnert einen nichts daran, daß wir in Indien sind. Genau so gut könnten wir jetzt in Tokyo, Singapore, HongKong oder einer Großstadt der USA sein.
Nach dem Frühstück wartet schon unser Guide im Foyer des kleinen Hotels. Er ist deutschsprachig und hat einige Jahre in Frankfurt/Main gelebt.

Noch vor der Indienreise hörte ich, von einer Moschee, die aussieht wir eine Lotusblüte. Und beim Blick auf unseren Plan für Delhi sind viele Highlights aufgeführt, aber ich kann nicht wirklich erkennen, ob diese "Lotus-Moschee" dabei ist.
Ich überreiche also fragend dem Guide unseren Plan.
Er "überfliegt" das Aufgeführte, kritzelt da drin rum, und meint doch, daß dieser Plan nur von irgendwelchen Schreibtischtätern zusammengestellt worden ist, die keine Ahnung von Delhi haben.
Er weiß es ja schließlich besser, denn er lebt in Delhi.
Hm.
Um ganz ehrlich zu sein... das bringt ihm keine Pluspunkte... denn schließlich waren wir mit dem bisherigen Ablauf, der in Zusammenarbeit mit dem dt. Veranstalter und "go India" ausgearbeitet wurde, sehr zufrieden.
Aber wir wollen ja Frieden und diskutieren nicht.




------------ Delhi --------------------------------


Delhi hatte durch seine geographische Lage eine Schlüsselposition. Um an die fruchtbare Ebene zwischen den Flüssen Yamuna und Ganges, das südlich von Delhi beginnt, zu gelangen, mußten islamische Eroberer zwangsläufig den Weg durch dieses Nadelöhr wählen, das durch die Wüste Thar und dem nördlich gelegenen Himalayagebirge gebildet wird. Es wird angenommen, daß Delhi's ursprünglicher Name "Dilli", das in den lokalen Sprachen Schwelle bedeutet, seinen Ursprung hat.

Obwohl Delhi schon in den Versen des zwischen 400 v.Chr. und 400 n.Chr. niedergeschrieben Mahabharata erwähnt wird, bekommt es erst seine historische Bedeutung durch die Eroberung des afghanischen Feldherrn Mohamed-e-Ghur. Er war der Verbreiter des Islamismus in Afghanistan, Pakistan und Nordinien.

Mohamed-e-Ghur errichtete die erste der sieben Hauptstädte im heutigen Großraum Delhis.
Allah-ud-Dhin, gründete Sirri, die zweite Hauptstadt.
Die Herrscher der ursprünglich aus der Türkei stammenden Thuglag-Dynastie errichteten Thuglagabad, Jahanpanah und Firuzabad.
200 Jahre später errichtete Sher Shah Purana Quila.
1638 ließ Shah Jahan, Enkel Akhbars, das Red Fort und die Jamia Masjid die größte Moschee Indiens errichten. Seine Hauptstadt, Shahjahamnbad, ist das heutige Old Delhi. Da er durch seinen Sohn, Aurangzeb, 1658 wegen der Verschwendung am Bau des Agra Forts und Taj Mahals in Gefangenschaft genommen wurde, konnte er nie seinen Plan die Hauptstadt von Agra nach Delhi zu verlegen, verwirklichen.
Nach Fehlversuchen Aurangzebs, die Grenzen seines Reiches zu erweitern, verfiel die Macht der Mogule.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Hauptstadt mehrfach überfallen und die Reichtümer geplündert.

1803 übernahmen die britischen Kolonialherrscher Delhi. 1857 gab es einen Versuch indischer Soldaten sich von der britischen Herrschaft zu befreien, jedoch behielten die Briten die Macht über die Stadt.

1911 wurde die Hauptstadt Britisch Indiens von Kalkutta nach Delhi verlegt und Neu Delhi errichtet.

1947 führte die indische Unabhängigkeitsbewegung unter Führung von Gandhi zum Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien.

Wegen der geographischen Nähe zum Erzfeind Pakistan entstand die Debatte, die Hauptstadt Delhi an einen anderen Ort zu verlegen. Wegen der zu erwartenden hohen Kosten, die mit einem Umzug verbunden sind und aus Traditionsgründen ließ man jedoch diesen Plan fallen.

Delhi ist heute eine moderne Großstadt und die zweitgrößte Stadt Indiens mit etwa 12 Millionern Einwohnern.

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Los geht's:
Wir beginnen unsere Tour am Raj Gath, dem Grabmahl Mahatma Gandhi's (2.10.1869 - 30.01.1948).

ghandi_grab

Gandhi war Rechtsanwalt und Pazifist. Er wurde bei einem Gebet in Neu Delhi von einem Hindu-Fanatiker erschossen. Seine Asche wurde u.a. im Ganges verstreut. Das Raj Gath ist ein Kenotaph, also ein Scheingrab, eine schwarze Marmorplatte mit einer ewigen Flamme.

Unser Guide drängelt uns förmlich Gespräche bzw. Diskussionen über den Glauben auf.
Das nervt etwas. Wir fühlen uns mit ihm jetzt schon nicht wohl.
Er kann es nicht fassen, daß wir nicht an ein Leben nach dem Tod glauben, welches dann, wenn man in diesem Leben fleißig und den Regeln folgend gelebt hat, viel besser sein wird.

Wie überall sind auch hier an den touristischen Highlights viele bettelnde Kinder. Unser Guide fragt uns was wir beim Anblick dieser Kinder empfinden...wir antworten, was wir darüber denken. Er ist ganz außer sich und verabscheut diese Kinder, denn es sind böse Menschen, die im vorherigen Leben faul waren, Diebe oder Menschen die mit dem Gesetzt in Konflikt geraten sind.

Irgendwie reicht mir das!
Als er damit gar nicht aufhört, frage ich ihn, warum er denn überhaupt noch bei der Überquerung einer stark befahrenen Straße nach links oder rechts schaut...wäre doch egal, wo er doch so ein fleißiger, gesetzestreuer und Gläubiger ist...das nächste Leben verspricht doch noch schöner für ihn zu werden.

Ab jetzt ist Ruhe, die Fronten sind verhärtet.
Ist uns jetzt auch egal.
Wir "spulen" unser Programm nur noch ab.

In Old Delhi schauen wir uns die prächtige Jamia Masjid, die größte Moschee Indiens.
Shah Jahans ließ diese Moschee zwischen 1650 und 1656 errichten.
Das Tor ähnelt stark dem des Taj Mahal.


Es ist riesig und man kann sich schon vorstellen, wieviel Reichtum hier zu Hause war. Nun sind wir am Ende unserer Reise und haben mehr Input bekommen, als unsere "Speicherkarte" verarbeiten kann. So ist der Besuch dieser Moschee schön, aber ein Oooh-Erlebnis können wir uns nicht abringen.

Von hier geht's direkt nach Neu Delhi. Etwas steril, viel zu weitläufig... wie die Avenue des Champs-Élysées in Paris... ein Erbe der britischen Herrschaft in Indien.

Wir bleiben stehen am Präsidentenpalast, dem Rashtrapati Bhavan, das zwischen 1921 und 1929 von Edwin Lutyens und Herbert Baker für den Vizekönig entworfen und gebaut wurde. Man kann... oder wir können nur bis zur sehr weit entfernten Absperrung. Und so bleibt es uns als protziger Palastbau in Erinnerung.

Mittlerweile ist es Mittag und eine zarte aber geschlossene Wolkendecke läßt die 40°C zum Gewächshausklima werden. Man klebt und schwitzt und jede Bewegung ist zu viel.


Am Ostende der Prachtstraße Rajpath, etwa 3 km entfernt, befindet sich das India Gate.
Das 1921 erbaute Tor ist urprünglich dem Gedenken an indische und englische Soldaten, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, gewidmet.
Es ist zum "All India War Memorial" geworden, denn man gedenkt u.a. auch an die Gefallenen im indisch- pakistanischen Krieg von 1971. Eingemeisselt sind die Namen von 3.000 indischen und britischen Soldaten, die in den Kriegen gefallen sind.

Das 42 m hohe Bogentor ähnelt dem L'Arc de Triomphe in Paris.
Es gehört zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten Neu Delhi's. Unvorstellbar viele Besucher, überwiegend aus Indien, kommen hierher und gedenken der Soldaten.



Auf meinen ganz besonderen Wunsch (noch in der Planungsphase) wurde der Gurdwara Bangla Sahib ins Programm genommen.



Eine wunderschöne Tempelanlage im Sikh-Baustil.
Doch bevor wir die Anlage betreten dürfen, bekommen wir ein orangefarbiges Kopftuch, das vor dem Betreten aufgesetzt werden muß. Auch Rainer.
Es ist Sonntag und der Tempel ist sehr gut besucht.
Im Inneren der Anlage befindet sich ein quadratischer Tempelteich, dem heilende Kräfte nachgesagt werden. Und so beobachten wir, wie Kleinstkinder in dem Wasser gebadet werden, aber auch, daß andere mit dem Wasser den Mund ausspülen...???


betende trinkende

Schön, daß wir westlichen Besucher mitten drin sein dürfen.
Aber offensichtlich ist es eine Religion, die unser Guide nicht akzeptiert, denn er begleitet uns nicht. Am Eingang gibt es recht viel Information zum Tempel und der Religion der Sikh.

Ja, das war mal wieder etwas Anderes.

Jetzt geht's Schlag auf Schlag...ein Highlight nach dem Anderen. Aber ist das, was sich ein Guide vorstellt, wenn er uns "sein" Delhi zeigt? Das Pensum ist zu groß und er muß einfach mal akzeptieren, daß wir nur einen Tag für Delhi eingeplant haben.
Unterwegs möchte ich noch in den engen Straßen der Altstadt spaziern gehen. Immer noch habe ich die Hoffnung eine Statue der Feuergöttin Durgha kaufen zu können. Und ja, ich will das nicht in einem "offiziellen" staatlichen Laden kaufen, sondern irgendwo auf dem Markt.
Doch unser Guide, der mit Abstand schlechteste auf der Reise, denkt nicht daran, uns aus dem Auto zu "entlassen"... es sei zu gefährlich!
Was soll's. Wir beide haben keine Lust mehr auf weitere Diskussionen.

Wir fahren nun zum Lakshmi-Narayan-Tempel. Es ist ein hinduistischen Tempel und ist Lord Vishnu gewidmet. Es gehört zu einem der wenigen typischen nordindischen Tempelbauten.
Entstanden zwischen 1933 und 1939 wurde er von Mahatma Gandhi eröffnet.
Außergewöhnlich war dessen Forderung, dass auch Anhänger anderer Konfessionen und sogar Hinduisten niederer Kasten die Anlage betreten dürften, ein für das damalige Indien ungeheurer Vorschlag.

Die bunte Fassade und die vielseitige Gestaltung ist eine Augenweide. Ich kann meine Gedanken einfach nicht verbergen, aber bei diesem Anblick denke ich, es könnte sich hier auch um ein Gebäude mitten im Disneyland handeln.



Das Humayun Mausoleum bringt uns wieder zurück in die Geschichte und den doch schon oft gesehenem Baustil während der Reise.
Bei aller Hochachtung, kann ich das jemals wieder auseinander halten?

lotus lotus lotus
sealing Es ist die Grabstätte von Muhammad Humayun (1508–1556), dem zweiten Herrscher des Großmogulreiches von Indien.
Die Ähnlichkeit mit schon Gesehenem in Fatehphur Sikri und Agra ist verblüffend...warum?

Die "Hauptakteure", die unsere Reise geschichtlich begleitet haben, Akbar... Jahan ...sind mit der Auftraggeberin verwandt. Humayuns Witwe, die den Bau des Mausoleums in Auftrag gab, war Akbar's Mutter.


Humayun Humayun



Unser allerletztes Ziel ist der so genannte Lotustempel, der Bahá'i House of Worship.
Er wurde 1976 entworfen und 1986, am 24.Dezember, eröffnet.
Der Lotustempel ist ein Haus der aus Iran stammenden Bahá'i Religion. Die Religion ist noch relativ jung. Sie wurde erst in der zweiten Hälfte des 19.Jh. von Bahá'u'lláh, dem Propheten der Religion, verbreitet.
Weltweit gibt es sieben Bahá'i-Tempel, in Apia/West Samoa, Sydey, Australien, Kampala/Uganda, Panama City/Panama, Langenhain bei Frankfurt a.M./Deutschland, Wilmette/USA und Delhi/ Indien.
Ein weiterer Tempel wird derzeit in Chile gebaut.
Jedes dieser Tempel weist eine außergewöhnliche und gigantische Architektur auf.
Alle diese Tempel besitzen 9 Tore. Die "neun" ist die höchste Zahl in der Zahlenfolge und symbolisiert die Reichhaltigkeit, Einheit und Gesamtheit. In den Tempeln gibt es weder Statuen, Orgel noch Wandmalereien.
Das zu den Fakten (entnommen aus dem ausgeteiltem Flyer)

Die Schlange zum Eingang ist unendlich lang. Rainer und der Guide stehen an, während ich versuche, einen geeigneten Punkt zu finden, von welchem man das gesamte Gebäude sehen kann. Und ja, ich muß auf den "heiligen", schlechtgepflegten Rasen. Aufpasser ermahnen mich. Ich versuche ihnen zu erklären, daß ich da keine Picknickdecke aufschlagen, sondern nur eine Aufnahme machen will. Ok. Es wird geduldet. Anderen geht es genau so.
Und so verbringen wir mehr als eine Stunde mit dem Anstehen. Was wir im Inneren sehen können, verstehen wir nicht. Erklärungen gibt es auch nicht, denn man darf hier nicht einmal flüstern. Auch muß man mit dem Strom weitergehen.
Unser Guide hat eh nicht viel Infos zur Attraktion.
Die Stimmung ist auf dem Kältepunkt.

Fazit: Nicht nur die Architektur ist interessant. Die "nichtssagende" Inneneinrichtung habe ich erst bei der Erstellung dieses Reiseberichtes verstanden. Ein Infoblatt das ich mitgenommen habe, gab mir einen grobe Vorstellung über diese Religion und das entstehen dieser Tempel.

lotus

Auf dem Rückweg in das Hotel bleiben wir an einem Shop stehen...einem "Geheimtipp".
Als wir den Laden betreten, ist uns schon alles klar. Das Licht wird extra für uns eingeschaltet und ein Verkäufer erscheint. Die Ware ist exorbitant teuer und wir sind nicht gewillt, etwas zu kaufen. Unser Guide redet auf uns ein und meint es wäre verboten etwas auf den Märkten zu kaufen. Unser Fahrer hier in Delhi winkt schon ab, denn ihm ist das Verhalten unseres Guides offensichtlich peinlich.

Am Hotel verabschieden wir unseren Guide. Für seine Überheblichkeit, seine Unfreundlichkeit gibt es nur den Minimalbetrag an Trinkgeld.
Schade.

Den restlichen Abend verbringen wir in unserem Villa-Hotel mit Packen.
Das Abendbrot lassen wir uns auf's Zimmer bringen und es gibt noch einmal das volle Programm unserer Lieblingsspeisen: Daal's, Palak Paneer, Shahi Paneer und Tandoori-Chicken.


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Am letzten Morgen geht es recht früh los.
Als wir in die Lobby kommen, sehen wir, daß ein Angestellter auf der Couche der Lobby gepennt hat. Dann zaubert man für uns noch in aller Frühe ein wenig Frühstück.

Auf den Straßen sehen wir, was wir noch nie gesehen haben...
Zig Menschen...Frauen , Männer und Kinder liegen auf dem blanken Boden der Straßen, wie Leichen und schlafen. Gruselig ist das letzte Bild das wir von den Straßen wahrnehmen.

Am Flughafen werden wir wieder von den Mitarbeitern von "go India Journeys" empfangen. Sie checken für uns ein und verabschieden uns auch.
Welch' Gastfreundlichkeit!



------------ Fazit --------------------------------

Wieder einmal hat uns Asien als Reiseland nicht enttäuscht und eine wunderbare Reise, ein weiterer Traum von mir ist vorbei.

Es war (fast) alles dabei... von Zweifel und zögernder Ungläubigkeit in den ersten Stunden... über totale Begeisterung über das Land und deren Menschen... bis zu schwer zu beschreibenden emotionalen Erlebnissen in Varanasi.

Indien ist bunt, es ist laut und anders als die benachbarten asiatischen Länder.
Noch nie hat uns Geschichte und Architektur eines Landes so in den Bann gezogen.
Wir haben "gelernt", daß Kühe, Elefanten und Kamele selbst im Jahr 2008 den Straßenverkehr in Indien lahm legen können, andere Verkehrsteilnehmer zum Hupen aufgefordert werden, westliche Besucher willkommen sind in Tempeln... sogar zur Pooja...
Wir fühlten uns jedenfalls rundum wohl in Indien.
Und eins ist jetzt schon klar:
Wir waren nicht zum letzten Mal in Indien.

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