Jaisalmer,Rajastan,India,Indien

Jaisalmer - Jodhpur


Neuer Tag...neues Programm... Natürlich haben wir geschlafen wie Steine. So viele Eindrücke an einem Tag!

Frühstück gibt es wieder auf der Terasse.
Es sind angenehme Temperaturen und hier oben, direkt an der Mauer zu sitzen und "Indien" von oben zu beobachten, macht richtig Spaß.
Leider geht's heute weiter. Hier hätten wir länger bleiben können.


Beim Verlassen des Havelis mache ich noch einige Aufnahmen vom Eingang und von der Umgebung. Wenn man das so sieht, ist es kaum vorstellbar, daß sich so ein schönes, ruhig gelegenes Haveli hinter diesen baustellenartigen Flächen befindet.



Ein letzter Blick nach oben...dort befindet sich das Killa Bhawan und meine Lieblingsbank ...

Bevor wir jedoch Jaisalmer endgültig verlassen, fahren wir noch zum Gadisagar Lake. Dieser "Lake" ist ein Regenwasserreservoir und wurde schon im Jahr 1367 erbaut. Damals war es die einzige Frischwasserquelle der Stadt.



Unser heutiges Ziel ist Jodhpur. Für die Fahrt sind etwa 5 Stunden veranschlagt. Leider kennt unser Fahrer nur einige englische Wörter. Aber er bemüht sich mit diesem kleinem Schatz an Wörtern das Maximale auszudrücken. Eine echte Konversation kommt damit nicht zustande.
Aber er ist sehr aufmerksam und bleibt immer mal wieder stehen, um uns Zeit zu lassen, in Ruhe mal die Weite zu sehen. Er weist uns auf Tiere hin, die wir sicher übersehen hätten...aber er gibt uns auch Zeit für Fotografien bzw. Videoaufnahmen.
Rajasthan ist ein trockenes Land.
Aber die Fahrt ist letztendlich für uns Europäer überhaupt nicht langweilig.
Wir haben unseren Spaß an dem was wir sehen:


...ein Einfamilienhaus???...nur ein Dach über'n Kopf???


...wir "lernen", daß Hupen nicht nur zum Autofahren lebensnotwendig ist, nein, es wird "schriftlich" darum gebeten!


...eine ganz andere Art einen Traktor zu beladen...


...die Straße ist für ALLE da...




...für die Inder versteht es sich von selbst, daß die wartenden Autos nicht hintereinander sondern nebeneinander am Bahnübergang stehen. Jeder steht praktisch in der ersten Reihe. Bei Öffnung der Schranken ist der Schnellere der Erste!

Während der relativ gemütlich langsamen Fahrt, begegnen wir immer wieder Menschen, vor allem Frauen, die nach unserem Verständnis eher "Männerarbeiten" verrichten.
Und offensichtlich sind nicht so viele Touris auf dieser Straße zwischen Jaisalmer und Jodhpur unterwegs, denn sie winken, lachen oder flirten mit uns...


...Frauen bei Straßenbauarbeiten...


...die bunten Sari's der Inderinnen machen die tristeste Gegend fotogen...

Dann kommen wir an einem Viehmarkt vorbei. Ich staune immer wieder, daß man sich Zeit nimmt, uns zu grüßen. Es scheint, als wenn auch sie sich freuen, daß wir sie wahrnehmen bzw. ihnen zuschauen.
Wo gibt es das noch?



Weiter geht's.
In Pokaran bleibt unser Fahrer vor einem gewaltigen Tor stehen: dies ist der Eingang zum Fort Pokaran. Dieser Programmpunkt steht nicht auf unserer Liste. Aber wir beide haben den Eindruck, unser Fahrer will uns etwas Schönes zeigen.
Wir müssen deshalb den Eintritt selbst bezahlen. Der Eintrittspreis ist lächerlich niedrig: 90cent. Wir mieten uns deshalb einen Audioguide und schauen uns in aller Ruhe den Palast an.
Wie immer umfaßt so ein Palast nebst Garten ein riesiges Gelände.
Auf dem Dach liegen Decken und wir machen es uns in der mittäglichen Sonne gemütlich.
Dann entdecken wir ein Palastrestaurant.
Im Inneren ist es knackevoll...westliche Reisegruppen genießen ihren Lunch.
Wir flüchten an einen überdachten und trotzdem offenen Pool und trinken...ja, einen Masala-Chai...
Ach ja... die Maharajas und Maharani's haben es sich schon ziemlich gemütlich gemacht...





In einem meiner Reiseführer habe ich gelesen, daß man unterwegs unbedingt auch in sehr einfachen Teehäusern oder kioskähnlichen Stellen Tee trinken sollte.
Als ich dann diesen Wunsch unserem Fahrer "verklickert" habe, schlägt er nur seine Hände über dem Kopf zusammen und versucht uns, in einem lustigen, kunterbuntem Mix aus Englisch, Indisch und was auch immer, klarzumachen, daß er für uns verantwortlich ist. Dazu gehört auch, daß wir nach Einnahme von Getränken bzw. Speisen nicht im Krankenhaus landen.
Gut. Wir einigen uns, daß er während der Reise nun in Zukunft entscheiden darf, wo wir essen gehen. Wir aber nur an authentischen Stellen interessiert sind und nicht da stehen bleiben wollen, wo die Touristenbusse stehen bleiben.
Ok. Er hat's verstanden....und wir einigen uns auf den Kurzcode: "no hospital" oder "hospital".

In einem Dorf bestehend aus vielen "Bretterbuden" bleiben wir stehen.
Oha. Hoffentlich habe ich mich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt mit meinem Wunsch.
Ja, ich sehe einige Teestände. Davor sind Liegen aufgestellt auf denen Männer liegen...und zwar in einer ganz typischen Yoga-Beckenöffner-Position.
Hm. Wir bleiben an einem Stand stehen, an dem nur wir zu Gast sein werden.

Noch bin ich persönlich unsicher, ob das eine Verkaufsvorstellung wird...denn wir werden erst durch einen Perlenvorhang in einen hinteren "luftigen" Raum geführt...dort bekomme ich ein rotes Tuch auf den Kopf gesetzt...
Es ist echt spannend...soll ich das jetzt kaufen?...oder kriegen die Angst, weil meine blonden Haare ihr Bild von einer Frau durcheinander bringt???
Hm.
Wir verstehen es nicht. Was soll's. Freundlich sind sie.
Mit dem Tuch auf meinen Haaren gehen wir wieder nach vorn, also auf die offene Fläche vor der Teezubereitungsstelle.
Wir setzen uns auf eine solche Liege, freuen uns alle und warten bis der Tee fertig ist.
Ich schaue mir das Haus genau an und stelle fest das "Haus" ist ein Ensemble aus festen Bastvorhängen.
Der Tee wird frisch zubereitet.
Wir kennen das schon aus Japan, daß Tee nicht einfach aufgegossen sondern zelebrierend zubereitet wird.
Der Tee weckt Tote auf.
Und ja...er schmeckt wirklich gut. Es ist ein Masala-Chai mit Milch. Wobei "Masala" einfach nur Gewürz heißt. Leider wird nie geklärt ob es vielleicht auch Kamelmilch ist.



Am späten Nachmittag kommen wir in Jodhpur an...mitten im Berufsverkehr.
Mit 20km/h "kämpfen" (und anders kann man das nicht bezeichnen) wir uns durch die Straßen.
Wer das noch nie mit seinen eigenen Augen erlebt hat, der wird sich das nicht vorstellen können.
Denn wir teilen uns die Straße mit Kamelen, Elefanten, tausenden Mopeds, auf denen 2-4Personen sitzen... Außerdem sind da noch Busse, andere Autos ...mitten auf der Straße stehende Kühe ...
Man hört ein wahres Hupkonzert...nicht aggressiv, nein...damit wird nur den anderen Verkehrsteilnehmern mitgeteilt, daß auch wir da sind...
Wir sind begeistert!

Unsere Übernachtung für die nächsten 2 Nächte ist das Pal Haveli mitten im Zentrum von Jodhpur. Von außen sieht es nicht wirklich einladend aus, aber das täuscht nur.
Unser Zimmer liegt gleich im Erdgeschoss. Und obwohl außerhalb des Havelis der Trubel eine extreme Geräuschkulisse produziert, strahlt der Raum einfach nur Ruhe aus. Das Zimmer ist sehr geräumig, jedoch behindern 2 mit Mustern bemalte Säulen mitten im Raum, eine ordentliche Aufnahme.



Wirklich einige Schritte vom Haveli befindet ist der Sardar Market.
Der Trubel und die Farben sind eine wahre Freude für die Augen. Scheinbar gibt es hier alles...Gemüse, Obst, Geflügel, Stoffe, Werkstätten, Frisöre und Zahnärzte...
Wobei letztere ihr Handwerk auch im Freien verrichten.
Wir sind begeistert!



Den Abend beenden wir bei einem Abendbrot auf den Rooftop Restaurant des Havelis, von dem man nicht nur eine schöne Aussicht auf den Trubel der Stadt hat, nein, von hier sieht man auch den, von den Briten gebauten Uhrenturm...



Im Zimmer haben wir ein Fernsehgerät mit gutem Empfang.
So haben wir die Gelegenheit zu sehen, was sich Inder anschauen:
Bollywood...bunt, grell und trotz fehlenden Indischkenntnissen ganz klar verständlich.





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