Jodhpur,Rajastan,India,Indien

------------ Jodhpur --------------------------------

Der Ort Jodhpur liegt in der Wüste Thar und ist die zweitgrößte Stadt in Rajasthan.
Sie wird auch "die blaue Stadt" oder "die Stadt des Lichts" genannt.
Mit dem Bau des Meherangarh-Forts im Jahr 1459 wurde Jodhpur von Jodha, einem der bedeutendsten Fürsten der damaligen Zeit, gegründet.
Einst lag die Stadt auf der Karawanenroute und wurde somit zu einem bedeutenden Handelszenrum. Hier wurden die weltweit bekannten Reiterhosen, die Jodhpurs, entworfen.

Zu den Highlights der Stadt gehören nicht nur das Fort, sondern auch der erst im letzten Jh. gebaute Palast am Rande der Stadt Umaid Bhawan, sowie das Jaswant Thada, dem Grabmahl des Maharaja Jaswant Singh II.

Das zum Überblick...

---------------------------------------------



Frühstück gibt es auf dem Rooftop-Resturant des Havelis, von dem wir die Aussicht auf die Stadt genießen.



Unser heutiger Guide spricht ein feines Deutsch mit einem leicht indischem Akzent.
Wir beginnen die Besichtigungstour im Südosten der Stadt mit dem Umaid Bhawan Palast.
Interessant ist, daß der Bau eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme war. Maharaja Umaid Singh gab Anfang des 20.Jh den Bau in Auftrag, um die Not der Bewohner Jodhpurs nach jahrelangen Missernten, zu verhindern.
So hatten Arbeiter und Handwerker 15 Jahre zu tun, um diesen riesigen Palast von 195 x 103 m mit insgesamt 348 Zimmern zu bauen. Der Bau ist eine Mischung aus Buckingham Palace und dem Petersdom. Momentan lebt der amtierende Maharaja, Gaj Singh (der Enkel Umaid Singh's) in einem kleinen Teil des Palastes und bewohnt nur 80 Zimmer. Ein anderer Teil ist zum Museum umfunktioniert worden, in dem Waffen, Möbel, Porzellan u.v.a.m. ausgestellt werden.



Anschließend fahren wir zum Jaswant Thada , dem Grabmal des Maharaja Jaswant Singh II.
Durch sein innovatives Bewässerungsstem kam Jodhpur zu Wasser und in Folge dessen zum Wohlstand.
Das Grabmahl besteht ganz aus weißem Marmor. Es befindet sich auf einer Anhöhe und so kann man von hier aus das Meherangarh Fort und den Umais-Bhavan-Palast sehen. Das Innere des Grabmahls wird barfuß betreten und es ist sehr kühl.
Unser Guide zeigt und erläutert uns im Überblick den Stammbaum der gesamten Familie und wir sehen Bilder verstorbener Maharajas.
Um ganz ehrlich zu sein: ich bin zu tiefst beeindruckt über die Ruhe und den Frieden, den diese Stätte ausstrahlt. Für das Verstehen und die Bedeutung des Stammbaumes habe ich keinen Sinn und die Bilder der Maharajas sehen so ziemlich alle gleich aus.

Blick auf die Altstadt und das Meherangarh Fort


So, unser letzter Höhepunkt ist das von jedem Ort der Stadt sichtbare Meherangarh Fort.
Es ist errichtet auf einem 125 Meter hohen Felsen und wurde zwischen dem 17. und 19.Jh. erweitert und ausgebaut. Wir schauen uns die verschiedenen Räume an...erhalten noch ausführliche Erläuterungen über die Ausstellungsstücke, hören die dazugehörigen Geschichten über die Maharajas, seine Frauen und Konkubinen. Schauen uns die bis zu 24m dicken Mauern an...also das volle Programm.
Merken können wir uns das alles nicht...es ist zu viel!

Auf einem der Plätze wird uns vorgeführt, wie man aus 10m Stoff einen Turban wickelt. Und es scheint wirklich easy zu sein so'n Ding zu wickeln.


Wir, als absolute Fans der Übersicht, kommen hier voll auf unsere Kosten Überall hat man einen phänomenalen Ausblick auf Jodhpur und deren Nachbardörfer mit ihren blau angestrichenen Häusern.



So, das war jetzt genug Kultur und Geschichte.
Wir sind erst den 3. Tag in Indien, da muß man schon ein wenig aufpassen, daß es nicht zu viel wird.
Es geht in die Altstadt. Als unser heutiger Guide uns fragt, was wir essen möchten, dann ist sofort klar: indisch und zwar auf einem Rooftop!
Wir sind dann auch die Einzigen, die draußen sitzen. Offensichtlich ist es den anderen zu warm...oder was?
Keine Ahnung...wir jedenfalls genießen es.
Stundenlang könnten wir hier sitzen und die "Skyline" beobachten. Dabei ist der Uhrenturm ein wunderbarer Orientierungspunkt.



Danach werden noch unsere Wünsche abgearbeitet:
Und weil unser Guide so richtig nett ist, bitte ich ihn, mit mir einen Kashmirschal zu kaufen, Zutaten für einen Masala Chai...und Rainer?...Rainer hat ein ganz anderes Problem. Seine Ledersohle trennt sich gerade vom Rest des Schuhs. Wir brauchen also einen Schuster.

Als erstes gehen wir auf den Sardar Market. Dort verhandelt erst einmal unser Guide mit einem auf dem blanken Boden sitzenden Schuster. Beide grienen sich offensichtlich an.
Unser Guide teilt uns mit, daß der Mann die Sohle für 170 Rupien ankleben würde. Er teilt uns mit, daß wir das doppelte bezahlen, da wir "reiche" Ausländer sind.
Das finden wir so ehrlich und in Ordnung...wir gehen auf den Deal ein.
Nur mal by the way: 170 Rupien sind keine 2 Euro!
Der besondere Service: Rainer bekommt ein paar Adiletten als Ersatzschuhe und schon ab Abend kann er seine Lederschuhe wieder abholen. Wir sind jedenfalls ganz zuversichtlich, daß alles auch so passieren wird.

Nun gehen wir in einen anderen Shop auf den Markt.
Es ist eine Art offener Kiosk. Wir wollen Zutaten für einen Masala Chai kaufen.
Wir werden hofiert, als wenn wir irgendetwas Kostbares kaufen möchten.
Zu allererst gibt es einen Tee für alle..
Dann werden mir ständig irgendwelche Tüten mit Gewürzen gezeigt...
Ok. Wunderbar, aber ich will nur Zutaten für den Tee und suche schon mal den Blickkontakt mit dem Guide, der es sich etwas abseits bequem gemacht hat. Er hat's begriffen...ein paar Worte fallen...natürlich alles sehr freundlich und immer keep smiling...ich kriege meine Zutaten und entscheide mich noch zusätzlich für eine große Tüte Assam Tee...alle sind glücklich...und wir verlassen den Laden.

Nächste Hürde: Schal kaufen.
Wir lassen uns in eine Seitenstraße fahren und steigen vor einem unscheinbaren Haus aus. Niemals wären wir alleine hierher gekommen bzw. hier reingegangen.
Im Erdgeschoss befindet sich eine Art Empfangsraum, eine Theke und 2 oder 3 Angestellte. In diesem kleinen Haus gehen wir viele Etagen nach oben, dabei sind manche Etagen auf halber Höhe. Überall sind unvollstellbar viele Stoffe, Decken u.ä. Irgendwann sind wir dort, wo es angeblich auch Schals gibt.
Wieder gibt es leckeren Tee und mehr als 4 Angestellte schleppen Berge an Decken an.
Am liebsten hätten die, daß wir alles in unserer Wohnung neu umdekorieren, also ein "total make-over"
Decken für die Couche, Decken für's Bett...
Nein, ich will nur einen Schal!
Weiter geht's. Decken zum Einwickeln, die auch neulich Richard Gere gekauft haben soll und auch jemand aus dem englischen Königshaus.
Ich will ja nicht unhöflich sein und schaue mir alles an, aber eigentlich... Nein, ich will nur einen Schal!
Ja und die: was ist noch mit Duvets?
Nein, ich will nur einen Schal!
Alle sind furchtbar nett, aber ich bin langsam sauer.
Rainer meint nur, wenn ich schon mal die Büchse der Pandorra öffne, dann soll ich mich nicht wundern... Jetzt erst haben sie begriffen: ich will nur einen Schal...
Ich habe den Eindruck es werden hier hunderte von Kashmirschals angeschleppt und ich bin schlichtweg überfordert mit der riesigen Auswahl an Farben und Mustern. Ja und alle sind ganz besonders, sagt man uns, die halten einem bei -20°C die Kälte vom Leib...
Rainer ist mir nun überhaupt keine Hilfe, denn er weiß nicht, wozu ich einen Schal brauche?
Ok...ok...ok...ich schaffe das auch alleine!
3 Schals wähle ich aus und verhandele den Preis im Groben aus.



Erst im Erdgeschoss geht die wirklich harte Verhandlung los.
Rainer zückt schon mal das Portemonnaie.
Aber bitte...ich liebe es zu handeln. Schließlich machen es meine Kunden auch mit mir!
Während Rainer es schon peinlich ist, fahren die Verkäufer und ich zu Höchstform auf.
Als ich dann bei annehmbaren 30 Euro bin, will ich Mengenrabatt.
Es macht so einen Spaß.
Als meine Verhandler stocken, überspanne ich den Bogen und behaupte, daß ich nun gar nichts kaufe.
Ich gehe raus...ein feiner, altbekannter Trick.
Da ruft man mir hinterher und ich bekomme die Schals für meinen Preis

Am späten Nachmittag verabschieden wir uns von unserem Guide und stromern gleich zum Markt. Dort müssen wir erst den Schuster suchen...den finden wir auch und die Sohle klebt jetzt wieder am Schuh. Rainer zweifelt zwar an der Qualität aber nur für's erste. Denn die getätigte Arbeit war perfekt (2013...die Sohle klebt immer noch).


Wir gehören wohl zu den exotischsten Kunden dieses Schusters, die er je hatte.




Am Abend sitzen wir wieder im Rooftop Restaurant unseres Havelis, genießen das Flair und die Aussicht. Vom Markt hören wir die Geräusche des Straßenverkehrs und die Rufe der Mullahs aus den Minaretten.
Bollywood fällt heute aus, wir schauen uns Spiderman 2 an ... im feinsten indisch.





Counter