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Die Lufthansa hat ein Problem und das ist der isländische Gletscher der Eyjafjallajökull ...

Shibuya

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Die berühmteste Straßenkreuzung Japans. Jeder kennt sie ...

Urlaubstag 2+

# LH und der Eyjafjallajökull

9.00 Uhr stehen wir mit etwa 30 Menschen im unklimatisierten und viel zu kleinen Vorraum vor dem Lufthansa City Office.
Dicht gedrängt, Mann an Mann, stehen wir hier und warten, daß entweder das Office geöffnet wird oder ein Repräsentant der LH sich blicken läßt.
Offensichtlich ist heute das Büro nicht geschlossen, denn im Büro brennt Licht.

Währenddessen hört man vielen Geschichten anderer Betroffener zu.
So sind einige Wenige doch am Flughafen in Narita gewesen und berichten, daß die LH überhaupt nicht vorbereitet war und auch mit keinerlei Versorgung für die Gestrandeten aufwarten konnte. Andere Fluggesellschaften haben nicht nur einfach Wasser angeboten, wie das auch die LH gemacht hat, sondern hat Essensgutscheine, Schlafsäcke u.ä. parat gehabt.

Und endlich kommt auch der Generalvertreter der LH in Tōkyō vor die Tür des Büros und teilt uns mit, daß er keine anderen Informationen hat als die, die wir alle aus Funk und Fernsehen kennen.
Er erklärt uns auch, daß momentan nur in Nagoya ein Flugzeug der LH steht und somit die ersten die einen Platz bekommen werden nicht Tōkyō starten werden können.
Wann das allerdings sein wird, das weiß er auch nicht.
Er erläutert auch schon mal das System wie die Reihenfolge sein wird, nach der die neuen Tickets vergeben werden: sobald der erste Flieger starten kann, wird jeder, der ursprünglich genau für dieses Datum ein Ticket besitzt, fliegen. Da ja auch keine Passagiere neu in's Land gekommen sind und viele Japaner ihren Flug storniert haben, werden dann die freien Plätze mit den hier Gestrandeten besetzt und zwar der zeitlichen Folge nach. Das heißt zu allererst fliegen die, die am Freitag, dem ersten Tag des Flugausfalls, fliegen wollten.
Hm.
Klingt gerecht.
Danach erst dürfen wir Fragen stellen.
Wir erfahren, daß Einige durch die zusätzlich entstehenden Kosten, in echte finanzielle Not geraten sind. Wieder andere verstehen sich als etwas Besseres und möchten bevorzugt werden, denn sie hätten ja schließlich FirstClass gebucht. Das kommt bei uns Holzklassenticket-Besitzer jetzt besonders gut an.
Zu allerletzt bittet man uns grüppchenweise ins Büro zur Aufnahme der Kontaktdaten. Uns wird versichert, daß wir nicht wieder hierher kommen müssen, da man uns bei Neuigkeiten per email kontakten wird.

Etwas betreten verlassen wir das Gebäude.
Ich find's gut, daß wir noch länger in Tōkyō bleiben können.
Doch Rainer findet das doof. Da ja der Montag sein erster Arbeitstag gewesen wäre, ist er besorgt um seine Kundentermine.

Wir fahren also in's Hotel und Rainer sendet Mails an seine Firma.

Und nun?
Nun spazieren wir ganz gemütlich die Aoyama Dori in Richtung Omotesando und debattieren über die Folgen:
Müssen wir unseren schon verplanten Urlaub dafür investieren?
Wer bezahlt uns das Hotel?
Wer die Mehrkosten für die Verpflegung?
Und wer den Verdienstausfall?
Schließlich arbeiten wir beide auf Provision
Und bezahlt uns das überhaupt jemand?

Während wir also diskutieren, merken wir gar nicht, daß wir schon an der "Omote" sind und entscheiden uns weiter zu gehen bis Shibuya.
Vorbei am 13 stöckigen Gebäude, das nach wie vor bis zur 5.Etage das Kodomono Shiro, das Childrens Castle, beherbergt.
Hier gibt es ein Kindertheater, eine Etage mit überdimensional großen Tafeln auf denen Kinder malen und sich künstlerisch verewigen können. Jedenfalls bis der nächste kommt und alles wieder abwischt.
Eine Etage höher ist gibt es ein Spielzeugparadies, Hüpfburgen, Kletterwände. Also alles was Kinder gern spielen. Und in der 5. Etage befindet sich ein Rooftop. Natürlich ganz für die kleinen Kinder eingerichtet!

Kodomono Shiro,Tōkyō

# Shibuya

Nach insgesamt mehr als 3 km erreichen wir Shibuya.
Wir schnappen uns einen freien Platz in der ersten Etage am Fenster des "Starbucks" und beobachten die wohl berühmteste Kreuzung der Welt.

shibuya,Tōkyō
shibuya,Tōkyō

Von hier oben schaut man auf die Kreuzung und kann den Ablauf auf der Kreuzung immer wieder und wieder beobachten.
Während wir so rausschauen kommen wir auch mit anderen in's Gespräch, die -wie es der Zufall will- auch "Gestrandete" sind.

shibuya,Tōkyō
shibuya,Tōkyō
shibuya,Tōkyō

Bevor wir zum Abendbrot starten, geht es wieder in's Hotel. E-Mails checken.
Tatsächlich haben wir in unserer Abwesenheit folgende Mail von Lufthansa bekommen:

lufthansa,Eyjafjallajökull,Tōkyō

In der Lobby treffen wir dann ein anderes deutsches Ehepaar, das eigentlich zu spät zu der morgendlichen Besprechung kam. Sie erzählen uns, daß man ihnen angeboten hat, morgen in aller Frühe nach Nagoya mit dem Shinkansen zu fahren, um dort den einzigen in Japan stehenden LH-Flieger zu nehmen und damit sehr wahrscheinlich als erster das Land in Richtung Heimat verlassen zu können. Dies aber nur wenn der Luftraum wieder freigegeben wird.
Die Kosten für die Anfahrt muß man allerdings alleine tragen.
Hm.
Wir überlegen und entscheiden dann hier in Tōkyō zu bleiben.
Denn es kann auch sein, daß man dann im etwa 350 km südwestlich gelegenem Nagoya stecken bleibt. Und Nagoya ist nicht wirklich interessant für uns.

Wir spazieren wieder zur Roppongi in unser Lieblingsramen-Restaurant. Langsam werden wir hier zu Stammkunden. Aber der Ramen und die Gyozos sind einfach überragend gut hier. Im Hotel checken wir unser e-Mail-Fach nach neuen Nachrichten. Nichts.
In den TV-Nachrichten gibt es auch nix Neues. Der Eyjafjallajökull macht was er will. und hält alle, die fliegen wollen oder müssen, in Aufregung.

Ja, schlafen gehen wir auch. Aber der Laptop bleibt an.