Tokyo, Hakone & Fuji im Herbst zur Laubf├Ąrbung ­čŹü

Reisezeit: 22.November bis 30.November 2013

- Prolog-

Tokyo stand erst f├╝r 2020 auf der Reiseliste. Schlie├člich haben wir uns irgendwann geeinigt alle zehn Jahre Tokyo zu besuchen und der letzte Besuch war 2010 . Als jedoch unsere Tochter nebst Schwiegersohn so begeistert von ihrer Hochzeitsreise auf den Inseln der Okinawa Pr├Ąfektur zur├╝ckkamen, wurden wir praktisch angesteckt vom Japanfieber.

Sechs Tage Jahresurlaub sind ja auch noch irgendwie unterzubringen!
Ein Werbeangebot bei Facebook mit ANA nach Tokyo in der Premium Economy zu fliegen, war einfach zu verlockend. Und Rainer zu ├╝berzeugen nach Tokyo zu fliegen ist ein Kinderspiel.
Ach ja, und einen neuen Winter-Yukata brauchte ich auch wieder...

Doch wollte ich dieses Mal nicht nur in Tokyo bleiben. Acht Tage netto ist zwar nicht viel.
"Koyo", also die herbstliche Bl├Ątterf├Ąrbung zu beobachten wird mindesten genau so zelebriert wie Sakura. Diverse Websites geben Auskunft ├╝ber den Stand der Bl├Ątterf├Ąrbung in den jeweiligen Regionen.
Auf alle F├Ąlle sollte dieses Mal die Hakone Gegend bereist werden (2010 hatten wir grottenschlechtes Wetter und haben einen Tagesausflug nicht mal in Erw├Ągung gezogen). Auch den Fuji aus der N├Ąhe zu betrachten war mein Plan.
Die Minirundreise sollte unbedingt mit einem Mietauto durchgef├╝hrt werden. Und so buchte ich eine Nacht in Yokohama und zwei N├Ąchte in Kawaguchiko. Die restliche Zeit sollte f├╝r Tokyo reserviert sein.
Letztendlich war meine Vorbereitung ziemlich liederlich. Irgendwie f├╝hlen wir uns in Japan so heimisch, da├č wir uns keine wesentlichen Gedanken gemacht haben.
Die einzige Vorbereitung: Rainer lernt auf die Schnelle 107 Katakana Zeichen und deren Kombinationen.

- Anreise -

Unser Flug startet 18 Uhr ab Berlin und geht nach M├╝nchen.
Die Maschine ist knackevoll und so sitzen Rainer und ich in verschieden Reihen hintereinander.
Wir sind gut gelaunt. Der Purser (ich nehme an es ist immer der Purser, der die Ansagen macht) scheint auch gut gelaunt zu sein. Oder aber er will erreichen, da├č endlich mal alle zuh├Âren. Ich gebe ja gern zu, da├č ich zu denen geh├Âre, die weder hingucken noch zuh├Âren.
Schlie├člich ist das hier mein 298. Flug.
Aber seine Ansagen sind anders. Locker und flockig oder doch ├╝bertrieben lustig?
Zitat:

"Bei einem pl├Âtzlichen Druckverlust in der Kabine fallen automatisch die Sauerstoffmasken runter. H├Âren sie auf zu schreien und ziehen Sie die Maske zu sich, setzen sie auf und danach versorgen sie die die sich so benehmen."
"Wie Sie sicher schon gemerkt haben sinken wir... aber kontrolliert."

Wie nicht anders zu erwarten, kommen wir sp├Ąter als geplant an. 25 Minuten m├╝ssen einfach mal zum umsteigen reichen.
Aber was soll's. Wir k├Ânnen ja froh sein, dass die LH sich nicht den heutigen Tag f├╝r ihren angesagten Streik ausgesucht hat.

Am Gate wo unsere ANA Maschine steht, beginnt gerade das Boarding.
Die meisten Mitarbeiter hier sind Japaner. Und dementsprechend sind die Ansagen erst in japanisch und dann in deutsch. Irgendwie f├╝hlen wir uns schon wie in Japan.
Beim Boarden verbeugt sich das Personal, wie man das aus Japan kennt.

Mit ANA sind wir schon ewig nicht mehr geflogen.
Die Sitze in der Premium Economy sind etwas schmaler als die der Lufthansa.
Vor allem die Mittellehne ist viel kleiner und bietet weniger Abstellplatz.

P├╝nktlich 20 Uhr docken wir vom Terminal ab und nur Minuten sp├Ąter sind wir in der Luft.
Den Dreamliner, also die Boeing 787, den haben wir schon diesen Sommer auf den Fl├╝gen zwischen Bangkok und Perth lieben gelernt. Er ist sehr leise, die Fenster sind wesentlich gr├Â├čer. Au├čerdem gibt es hier kein Lid das man zum Schutz vor der Sonne runterziehen mu├č. Die Verdunklung erfolgt ├╝ber Fl├╝ssigkristalle im Glas. So kann jeder den Abdunklungsgrad seines Fensters individuell und entsprechend regulieren.
Das Beste daran ist: wenn man rausschaut sieht man trotzdem die Landschaft und ist nicht verblendet.
Und noch etwas ist ganz speziell beim Dreamliner. Es ist das einzige Flugzeug auf der Welt, das die Atemluft ├╝ber die am Rumpf angebrachte D├╝sen eingespeist bekommt. Das hei├čt also, es gibt keine Treibstoff Ger├╝che, keine ausgetrocknete Nase. Die Luft ist wesentlich vertr├Ąglicher.

ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de

Ansonsten ist der Flug eher unauff├Ąllig.
Es gibt keine Amenity-Bag. Eine Flugbegleiterin kommt vorbei und jeder nimmt sich, was er ben├Âtigt: Zahnb├╝rste, Mundmaske, Ohrst├Âpsel, Haarb├╝rste...
Auch gibt es keine Speisekarte.
Auf einem eingeschwei├čten Blatt sind die Gerichte abgebildet. So w├Ąhlt jeder sein Gericht aus.
Hm. Wir sind erstaunt. Sollte Japan ├Âkologisch geworden sein?
Nicht ganz. Denn w├Ąhrend jede andere Fluggesellschaft hei├čfeuchte und wohltuende T├╝cher am Anfang des Fluges verteilt, gibt es bei ANA ein kaltes eingeschwei├čtes Desinfektionst├╝chlein.

Kurz vor dem Anflug auf Tokyo sehe ich in weiter Ferne einen Bergkegel aus der Wolkendecke luken.
Hallo Fuji-san. Wir kommen!

ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de
ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de
ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de
ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de

Als wir diese Armada an Putzkolonne sehen, sind wir schon etwas ├╝berrascht, wie viele Menschen so ein kleines Flugzeug s├Ąubern.

ANA MUC nach HND,sylwiabuch.de

Die Immigration ist innerhalb von wenigen Minuten erledigt.
Keine Ahnung wie die es schaffen die Massen so schnell abzuarbeiten. Denn wir sind nicht der einzige Flieger der gerade gelandet ist.
Steht man doch in den USA meist mindestens 30 Minuten an. Manchmal auch mehr.

Unsere Koffer haben schon in Berlin ein Priority Anh├Ąnger bekommen. Das ist echt praktisch so kommen die auch zu allererst auf dem Band an.

Nun sind wir endlich da!

Monorail  HND - Hammatsucho,sylwiabuch.de

W├Ąhrend Rainer ein paar Tickets f├╝r die Monorail kauft, schaue ich mich nach Kartenmaterial um.

Mit der Monorail fahren wir nach Hammamatsucho.
Wir stehen genau hinter dem Fahrer und haben den unverstellten Blick in Fahrtrichtung.
Die Monorail ist die schnellste Verbindung zu unserem Ziel. Sie f├╝hrt zwischen gigantischen Hochh├Ąusern die manchmal gef├╝hlte zwei Meter von der Bahn stehen, ├╝ber Kan├Ąle. Die Sonne ist schon fast untergegangen und die Werbelichter sind schon angegangen. Und alles sieht so aus, wie wir das noch in Erinnerung haben.

Monorail  HND - Hammatsucho,sylwiabuch.de

Vor der Reise haben wir uns ├╝berlegt, wie wir in unsere erste Bleibe kommen.
Eine ideale Verbindung nach Akasaka gibt es nicht. Man m├╝├čte nicht nur mehrfach umsteigen, sondern dann auch noch mit dem Gep├Ąck laufen.
Um das Ganzen zu umgehen, haben wir uns f├╝r eine Taxifahrt direkt vor's Haus entschieden.
Der erste Taxifahrer gibt aber auf, obwohl wir ihm die Adresse in japanisch zeigen. Und so wechseln wir das Taxi. Der n├Ąchste Fahrer hat so gar kein Problem. Und eigentlich kennen wir weitestgehend den Weg nach Akasaka.
Wir wissen nur nicht genau, in welcher Stra├če sich die angemietete Wohnung befindet. In Japan haben die Stra├čen keine Namen. Nur die ganz gro├čen. Und die tragen erst seit 1964 einen Namen. Damals hat man es eingef├╝hrt als die Welt zu Gast in Tokyo zur Olympiade war.

Es ist unser erstes Mal, da├č wir eine Wohnung ├╝ber AirBnB angemietet haben. Die Vermieterin hat uns allerlei Fotos zugeschickt, sowie Instruktionen wo wir die Wohnungsschl├╝ssel vorfinden.
Ich erkenne den Hauseingang und bin auch froh, da├č wir uns f├╝r die Fahrt entschieden haben. Denn wir zahlen f├╝r die bequeme Anreise 1450 Yen, das sind etwa 12.20 Euro (Stand: Nov 2016)

Die Wohnung ist genau wie bei AirBnB beschrieben.
Sie ist sehr nett ausgestattet und sehr sauber. Das Zimmer hat etwa 30qm und es steht ein kleines Doppelbett, eine Liege, ein Tisch und eine Kitchenette mit allem ausgestattet was man braucht zur Verf├╝gung. Ein kleiner Nebenraum bietet gen├╝gend Platz f├╝r Koffer. Dort stehen noch Regale sowie Staubsauger, B├╝gelbrett etc.
Auch das Bad bietet gen├╝gend Abstellfl├Ąche.
Der Knaller ist nat├╝rlich die Toilette.
Bekanntlich greifen Japaner von uns erfundene Sachen auf und entwickeln sie dann zur Perfektion.
So ist es auch mit japanischen Toiletten.
Dass die Sitzfl├Ąche in Japan immer beheizbar ist, hat sich ja wohl weltweit rumgesprochen.
Dass man da allerlei Einstellungen zum Sp├╝len ├Ąhnlich wie in einem Bidet hat, das wissen wohl die wenigsten.
Unsere Toilette hier die registriert noch mehr. Denn wenn ich mich der Toilette n├Ąhere, geht der Deckel auf. Nach getanem Gesch├Ąft sp├╝lt sie alleine und schlie├čt den Deckel nat├╝rlich.
Es ist der Wahnsinn. Und wem es langweilig w├Ąhrend der Sitzung wird, der braucht weder Zeitung noch Smartphone, der braucht nur dieses Tableau

Condo Aksasaka, sylwiabuch.de

Es ist kurz nach 5pm und f├╝r ein kurzes Schl├Ąfchen ist es viel zu sp├Ąt.
Au├čerdem sind wir viel zu aufgeregt und wollen sofort auf die Stra├če um Tokyo zu genie├čen.
Das Licht, den Trubel, die Ger├╝che!
Yoshinoya Aksasaka, sylwiabuch.de Es sind knapp zehn Minuten nach Akasaka Mitsuke.
Heute ist Freitag und bekanntlich der Tag, an dem hier am meisten los ist. Denn Akasaka ist auch eine Gesch├Ąftsgegend. Eine teure dazu. Wer hier wohnt geh├Ârt zu den Besserverdienern. Am Abend str├Âmen die Gesch├Ąftsleute in ihrer Businesskleidung in die Bars. Trotzdem finden wir, da├č hier fr├╝her - als wir hier noch gearbeitet haben - noch mehr los war.
Egal. Wir freuen uns trotzdem an dem, was wir sehen.
Wir kehren in einen Yoshinoya ein. Eine Art japanischer Schnellimbiss.
Als die T├╝r aufgeht kriege ich G├Ąnsehaut.
Wir sitzen noch nicht ganz, da werden schon zwei Becher mit hei├čem, gr├╝nen Tee serviert.
"Namichu!", "domo arigato" , "irasshaimasee", "dozo"... all die W├Ârter, die wenigen, die auch wir kennen sind zu h├Âren.
Irgendwie ├╝berkommt uns beide das Gef├╝hl: wir sind zu Hause. Und Nichts ist uns fremd!

Unser "Namichu" steht in k├╝rzester Zeit auf unserem Platz.
Zusammen mit eingelegtem Ingwer schaufeln wir wortlos unsere "Beefbowl" rein.
Es folgt noch ein Becher gr├╝nen Tees und zwanzig Minuten sp├Ąter verlassen wir ges├Ąttigt den Laden.

Aksasaka, sylwiabuch.de

Die Farben, die Deko, die Schaufensterauslagen sind extrem bunt.
Ich nehme es auf. Noch heute. Denn man gew├Âhnt sich so schnell daran und findet es schon nach ein paar Tagen so v├Âllig normal.

Die zwei unteren Stra├čen von "Mitsuke" laufen wir noch ab, bevor wir noch "schnell" der Roppongi Crossing "Hallo" sagen. Und was uns beiden sofort auff├Ąllt, ist die relative Ruhe auf der Stra├če. Es herrscht nicht so ein Dauerl├Ąrm durch den Verkehr.
Ganz offensichtlich sind viele Autos Hybridfahrzeuge.

Roppongi, sylwiabuch.de

Dann geht's vorbei an unserem fr├╝heren Mietshaus, das ganz pl├Âtzlich nicht mehr "Ciro Akasaka" sondern "Cotoh├Ąus" hei├čt.

Im "Yoshike"-Supermarket holen wir uns noch ein paar Flaschen Wasser, Bier und einige fluffige Snacks.
Hier hat sich in den letzten drei Jahrzehnten so gar nichts ge├Ąndert.
Die Auswahl ist riesig und Alles ist wie fr├╝her.

Roppongi, sylwiabuch.de

In Deutschland ist es vierzehn Uhr. Wir sind also, wenn man die wenigen Stunden Schlaf im Flieger vernachl├Ąssigt, schon seit 31 Stunden unterwegs. Da wird es Zeit den Tag zu beenden.