Oslo bei Regen
Oslo im Februar 2024:
Wir sind auf dem Weg nach Australien über Singapore.
Seit Tagen regnet oder schneit es. Wir widmen der Stadt – auf der Durchreise – einen
ganzen Tag. Den einzigen sonnigen. Mit diesem dunkelblauen Himmel eines eisigen Wintertages.
Es ist Sonntag und viele Menschen sind unterwegs. Das alles gibt ein unheimlich schönes Bild.
Die Stadt gefällt uns auf Anhieb durch und durch.
Nur haben wir zu wenig Zeit. Zeit für Museen. Zeit für eine Besichtigung des Opernhauses im Inneren.
Oslo im Oktober 2025:
Vor drei Tagen ist „Amy“ vorbeigezogen – ein Sturm mit bis zu 125 km/h über Norwegen.
„Nicht nur die Flüge wurden abgesagt, über 170 Straßen mussten gesperrt werden.
So etwas haben wir zu Lebzeiten in dieser Intensität noch nie erlebt“, erzählt uns das Ehepaar am Nebentisch.
Wir erleben deshalb die letzte Schleppe des Sturms. Den letzten Regentag. Leider. Ab morgen soll es sonnig werden.
Ja, morgen – da sind wir nicht mehr hier. Nicht zu ändern.
Nach dem wunderbaren Frühstück mit einem Büfett, dasinsbesondere für Fischesser kaum Wünsche offen lässt, machen wir uns trotz Nieselregen und dick eingemummelt auf in die City. Der Zugang zur Station des Oslo Lufthavn, wo der Schnellzug Flytoget startet, befindet sich nur wenige Schritte vom Hotel entfernt. Die Tickets habe ich schon zu Hause online gekauft. Als Senior zahlt man nur die Hälfte. Also 22€ für das Hin- und Rückticket.
Der Flytoget Airport Express Train gilt als einer der schnellsten und zuverlässigsten Flughafentransfers Europas. Je nach Tageszeit fährt er im Zehn- bis Zwanzig-Minuten-Takt in die Innenstadt. Die Fahrt mit dem Flytoget 1 zum Oslo Sentralstasjon (Hauptbahnhof) hat keinen Zwischenstopp und dauert nur exakt 19 Minuten. Für deutsche Verhältnisse grenzt das fast an ein Wunder.

Es regnet auch in Oslo – halb so schlimm. Wir machen das Beste daraus und widmen uns Programmpunkten,
die perfekt zum Wetter passen: Museum und Oper.
Die Straßenbahnstrecke ist gerade im Bau, und bis wir die richtige Station finden, sind unsere Anoraks einmal fast komplett durchnässt.
Und dann stehen wir endlich in der Bahn und fragen uns: Wo bekommt man eigentlich ein Ticket?
Nirgends, wie wir später erfahren. Also fahren wir kurzerhand ohne Ticket, in der Hoffnung, dass die Kontrolleure
bei diesem Wetter keine Lust auf Außeneinsätze haben.
Zehn bange Minuten später erreichen wir unser erstes Ziel: das Friedensnobelpreis-Zentrum.
Nobel Peace Center

Das Nobel-Friedenszentrum in Oslo widmet sich dem Friedensnobelpreis und seinen Preisträgern.
Die Ausstellung ist modern gestaltet. Abschnittsweise mit interaktiven Wänden. Hier wird Alfred Nobels Leben
und seine Idee hinter dem Preis werden anschaulich erklärt.
Ganz gut gemacht. Wir lernen, warum der Friedensnobelpreis – als einziger
aller Nobelpreise – in Oslo verliehen wird.
Schließlich war Nobel ein Schwede, die anderen Preise werden nämlich in Stockholm überreicht.
Alfred Nobel hat in seinem Testament festgelegt, dass der Friedenspreis vom norwegischen Storting (Parlament)
vergeben werden soll, aber nicht exakt erklärt, warum. Man nimmt also fest an, dass er Oslo auswählte,
weil Schweden und Norwegen zu dieser Zeit zwar in Personalunion standen (unter König Oscar II.),
Norwegen jedoch eine eigenständige Regierung und ein eigenes Parlament besaß.
Und weil Nobel Pazifist war und dem schwedischen Militarismus kritisch gegenüber stand, wählte er bewusst
Norwegen, das als friedliebender galt. Es sollte eine symbolische Anerkennung Norwegens Eigenständigkeit
und friedenspolitischen Haltung sein.

Besonders beeindruckend ist der Raum im Obergeschoss.
Hier werden die Porträts aller Preisträgerinnen und Preisträger gezeigt.
Der Raum ist bewusst stark abgedunkelt, sodass die beleuchteten Porträts eine besondere Wirkung entfalten.
Diese interaktive Bildschirme kann man bedienen und so zu jedem Porträt den Namen sowie den Grund für die jeweilige
Auszeichnung erfahren.



Ausgestellt ist auch diese begehrteste Auszeichnung der Welt. Die originale Friedensnobel-Medaille. Sie besteht aus 18-karätigem Gold, misst rund 6,6 Zentimeter im Durchmesser und wiegt etwa 196 Gramm. Auf der Vorderseite ist das Porträt von Alfred Nobel mit seinem Namen und den Jahreszahlen seiner Geburt und seines Todes geprägt. Die Rückseite zeigt drei Männer, die sich umarmen. E Symbol für die Brüderlichkeit der Nationen. Darunter steht der lateinische Schriftzug „Pro pace et fraternitate gentium“, was „Für Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern“ bedeutet.

Das Rathaus von Oslo, Oslo Rådhus, hat nicht nur eine interessante Geschichte, hier findet die jährlich Verleihung des Friedensnobelpreises statt.

Anschließend geht’s zum Oslo Opernhaus.
Dieses Mal erkundigen wir uns schon im Museum wie man ein Ticket für Bus und Bahn kauft.
Die Lösung ist ganz einfach. Hätte man sich aber für das moderne Norwegen auch denken können.
Die Tickets kauft man per Ruter App.
An der Station in der Nähe des Opernhauses steigen wir aus. Hier befinden wir uns im modernen Stadtteil Bjørvika.
Hier steht auch das Munch Museum. Das ist dieses das aussieht als ob die oberen Etagen abgeknickt wären.
(Edvard Munch war norwegischer Maler. The Scream - Der Schrei ist wohl sein bekanntestes Werk.)
Leider schaffen wir es auch dieses Mal nicht das Museum zu besuchen.


Es pieselt immer noch, und wir suchen jede Möglichkeit, unter einem Vordach zu laufen.
Dabei kommen wir an vielen großen Schaufenstern vorbei.
Erst beim zweiten Blick erkennen wir, dass dies hier die Schneiderei des Opernhauses ist.
Im Netz finde ich später die Info, dass hier etwa 40 Schneiderinnen und Schneider arbeiten und
die aufwändigen Bühnenoutfits für Opern und Ballette gestalten. Jedes Teil ist Maßarbeit, gefertigt nach den
Entwürfen der Kostümdesigner. Faszinierend, dass man hier einfach so reinschauen kann.

Direkt vor dem Opernhaus schwimmt seit 2010 diese Skulptur, namens „She Lies“ von Monica Bonvicini. Das ist ein Kunstwerk aus Edelstahl und Glasplatten. Es dreht sich langsam mit Wind und Strömung. Es ist ungefähr 12 Meter hoch und rund 17 Meter breit. Selbst bei diesem bescheidenen Wetter reflektiert die Skulptur aus wechselnden Blickwinkeln immer etwas anders.

Operahuset - Oslo Opernhaus
Zuerst lockt uns das Dach des Opernhauses. Steht man am Fuße ist nicht nur riesig und wie eine Aussichtsplattform in mehreren Eben gestaltet,
sondern auch sehr spektakulär.
Letzten Februar durften wir es wegen Vereisung nicht betreten. Dieses Mal ist es offen. Zum Glück.
Zugegeben habe ich bei diesem Steinbelag etwas Kopfkino. Obwohl die Oberfläche durch den Regen nass ist und sehr rutschig aussieht,
ist er wie aufgeraut und extrem stumpf.
Wir gehen zuerst bis ganz oben. Von hier schaut man auf des Munch Museum und die Barcode Häuser.
Letztere ist ein Konglomerat aus zwölf Gebäuden unterschiedlicher Breite und Höhe. Es ist die Gestaltung der unterschiedlich
aussehenden Fassaden, die von Weitem einem Barcode ähneln.

Der weitere Rundumblick ist genauso genial. Auch ohne Sonne.
Auf dem Dach stehend, habe ich echte Schwierigkeiten herauszufinden welche Ebene die gerade ist. Alles ist irgendwie schräg
und dennoch wirkt es harmonisch. Eine echt schöner Ort.





Irgendjemand füttert die Seemöwen. Und Hunderte von ihnen flattern aufgeregt in der Luft und drehen ihre Kreise. Wir schauen dem Spektakel ein wenig zu.


Zum Abschluss geht’s noch ins Foyer. Leider werden heute keine Führungen durch die Säle angeboten. Wir begnügen uns mit der sonderbaren Gestaltung im Inneren. Auch hier ist irgendwie nichts gerade und dennoch wirkt es sehr harmonisch.


Es ist kurz nach vier. Uns reicht es für heute an Eindrücken, und ein bisschen sind wir auch durchgefroren. Die Lust auf weitere Erkundungen hält sich in Grenzen, also entscheiden wir, den Rückweg anzutreten. Natürlich nicht, ohne ein letztes Foto der Oper zu machen.

Die Architektur Oslos ist wirklich beeindruckend. Mal sehen, ob wir es irgendwann schaffen, der Stadt mehrere Tage zu widmen.
So geht es weiter
Am nächsten Morgen holt uns um halb fünf der Wecker aus dem Tiefschlaf.
Zu so früher Stunde läuft bei uns alles ein wenig im Halbschlaf ab. Frühstücken, die Koffer zum Airport schieben,
einchecken und dann gleich zum Gate gehen. Den Besuch der Lounge sparen wir uns dieses Mal. Die hatte
uns schon im letzten Jahr enttäuscht.
Das Gate ist luftig, sprich extrem kalt. Bei klaren sechs Grad verlassen wir, dick in Anoraks eingemummelt, Oslo in
Richtung München. Fast unwirklich ist der wunderschöne Ausblick aus dem Flugzeugfenster auf die Landschaft
irgendwo in Norwegen. Auch dieser Flug verläuft absolut ruhig.



Das Frühstück mit dem leckeren heissen Tee tut gut und wärmt auf.
Ich hoffe, ab jetzt werden wir nur noch in wärmeren Gefilden unterwegs sein.

Und hier sind wir schon kurz vor der Landung in München. Hier erwartet uns recht sonniges Wetter. Auch diese Aussicht ist wie eine Aussicht auf eine Puppenwelt.

In Münchens Lounge packen wir zwei originale Brezen für Sohnemann ein.
Und dann geht’s schon weiter mit dem A380 nach Denver.



Auch dieser Flug verläuft ruhig. Zu sehen gibt es unterwegs nichts, selbst Grönland liegt tief verhüllt.
Mit der Business Class in der A380 haben wir eigentlich immer so unsere Probleme.
Wir haben ja keine gesteigerten Wünsche. Uns gefällt einfach diese
Massenabfertigung nicht. Bisher erlebten wir immer völlig überforderte Flugbegleiter.
Doch dieses Mal ist das anders.
Unsere Reihen werden von einer außergewöhnlich netten Flugbegleiterin betreut.
Etwas enttäuscht bin ich über die angebotenen Speisen. Natürlich ist das jetzt Jammern auf ganz hohen Niveau.
Aber abgesehen davon, dass mein Filet ein Tennisball ist, ist das restliche Menü exakt das Gleiche das wir schon auf dem Rückflug aus
Singapore im April des Jahres hatten.
Na ja. Fotogen ist es trotzdem 😉

Die geschlossene Wolkendecke endet erst kurz vor der Landung.
Wir drehen eine wunderbare Runde um Denver mit Blick auf das Zentrum der Stadt.

Aufgrund meines momentanen Gesundheitszustandes habe ich für mich einen Wheelchair-Service bei der LH gebucht. Dieser Service klappt wunderbar auch in Denver. Wir werden auf kürzestem Weg zur Immigration gebracht. Und keine Zehn Minuten später ist diese Geschichte. Entgegen der vielen negativen Berichte über die Einreise in die USA können wir keinen Unterschied zu früheren Einreisen feststellen.

In Denver erwarten uns trockene, sehr angenehme 25 Grad.
Die Anmietung unseres Autos für die nächsten acht Wochen dauert etwas länger.
Beim ersten Wagen, einem Denali von GMC, hängt vorn eine Leiste herunter. Man sagt uns, wir sollen ein
Foto machen und dann die Leiste … ja was? Abreißen?
Na ja. Auf den Deal gehen wir lieber nicht ein und bitten um ein anderes Auto.
Der Neue gefällt uns sogar besser: Es ist ein metallic-hellgrauer Ford Expedition EL Max Platinum, mit einem riesigem
Glasdach und gerade einmal neuntausend Meilen auf dem Buckel.
Der hat Platz für sieben Personen. So viel brauchen wir eigentlich nicht für uns zwei. Aber für die Zeit in Denver
wird uns dieser Platz noch sehr dienlich sein. Am besten aber gefällt uns das große elektrisch verschließbare Fach,
das sich unter der Lehne befindet.

