Von Bangkok nach Guangzhou
Dreiviertel Sechs schrillt der Wecker. Wie hässlich.
Kurz vor halb sieben stehen wir abfahrbereit in der Lobby.
Planmäßig 6:35 Uhr verlässt der Airport-Shuttle das Hotelgelände. Eine Viertelstunde später stehen wir am Checkin.
Wir haben wieder LH Meilen investiert, um nun in der Royal Silk Class, der BC von Thai Airlines,
zu fliegen. Am Schalter des Checkin stehen gepolsterte Hocker. Zum Hinsetzen. Was für ein Service!
Der Fasttrack für diese Klasse ist wirklich „fast“.
Der hält uns kaum auf. So sind wir in NullkommaNix in der Lounge. Das Frühstück… na ja. Ist nicht ganz unsers. Rainers gewohnte Müsli
ist ziemlich grobstückig und besteht aus kleinen Küchelchen. Ich esse ein Löffel Eierreis. Dazu wollte ich Kaffee. Aber der schmeckt furchtbar.
Das frische Kokosnusswasser direkt aus der Kokosnuss 🥥, das ist dagegen lecker. Mal sehen was mein Darm dazu sagt.
Wir haben etwas Skepsis, was das Essen in China betrifft. Wir kennen es bisher nur aus Hongkong und Tibet.
Beide sind so verschieden. Das Chinesische in Singapore ist definitiv nicht unsers. Ich hoffe ja, dass mich ein Land der Nudelsuppen-Esser
erwartet. Nudelsuppen kann ich dreimal täglich essen. Aber Rainer - der ist Brotesser.
Die TG662 hebt fast pünktlich ab. Der Kapitän hat irgendetwas an den Reifen auszusetzen. Hab ich das richtig verstanden? 🙈
Der Flug ist ziemlich wacklig. Ich versuche ihn wegzuschlafen.
Nach einer Stunde lasse ich mich mit Lambchops verwöhnen. Aber irgendwie ist mein Magen halb Elf noch nicht ganz in Lunch-Stimmung.
Dafür ist der Port super. So ist auch der Wackelflug erträglicher.

Wir fliegen erst über die Insel Hainan. Und später dann, westlich an Hongkong vorbei.
Ich sitze auf Sitz K12. Also rechts. Der Blick auf HKG, Lantau und später Shenzhen ist leider nicht ganz wolkenfrei.
Beide Ziele sollten eigentlich in unser Programm. Aber trotz 62 Tagen - was sich viel anhört - mussten
sie aus dem ursprünglichen Plan wieder gestrichen werden. China ist halt groß. Unvorstellbar groß.
Vielleicht ein anderes Mal.



Die Immigration hätte ein Zwei-Minuten-Ding sein können. Schließlich ist man als BC-Passagier einer der ersten am Schalter.
Aber vollkommen überzeugt davon, dass ein Visum alles abdeckt, müssen wir wieder zurück und die EntryCard ausfüllen. Die macht man an einem
der vielen Pads oder am eigenen Handy, nachdem man vorher den QR Code gescannt hat. Na ja. Nun stellen wir uns wieder ganz hinten an 😐
Die Beamtin hat wohl alle Infos auf ihrem Bildschirm. Nur nicht, wo genau wir sein werden.
Das will sie noch wissen. Ich zeige ihr meine Numbers-Tabelle und höre nur:
„Cool - wow - cool …“ Es folgt ein: „Have fun in China“
Draußen wartet unser Fahrer, den wir bei trip.com schon von Zuhause bestellt haben. Das Namensschild klemmt an der Reling. Er nimmt uns zwei Koffer ab und wir folgen ihm zum Auto. Eine edle, lederbestuhlte Hightech- Sänfte, deren Sitze individueller eingestellt werden können als die Sitze im Flieger.

Eine Stunde brauchen wir bis zum Vaperse Hotel Das liegt im östlichen Stadtteil Tianhe.
Es ist das moderne Geschäftsviertel.
Nach dem professionellen Check-in bitten wir die Angestellte um Hilfe beim Einrichten von WeChat.
Noch immer hat Rainer ein Problem mit dieser App. Aber sie kriegen es auch nicht hin.


Das Zimmer in der 29. Etage ist sehr groß. Und obwohl die Einrichtung auf den ersten Blick etwas altbacken wirkt,
hat es sehr moderne Features. Da gibt es zum Beispiel gar keine traditionellen Schalter. Es gibt nur noch Drucktasten.
Auf der einen im Bad steht „Curtain“. Aber Curtains gibt es im Bad nicht. Es ist die voll verglaste Scheibe zum Hauptraum,
die plötzlich milchig wird.
Auch die Toilette ist intelligenter als unser japanisches Washlet zu Hause. Die spült gleich nach dem Geschäft.
Ich warte vorsichtshalber, ob da irgendwo noch ein Laborbericht erscheint - nein, so intelligent ist die Toilette dann doch noch nicht 😉
Schön finde ich auch das dezent positionierte Bündel an Kabeln zum Aufladen elektronischer Geräte.
Alles in allem gefällt es uns hier. Am besten natürlich die Aussicht.



Nach einer kleinen Ruhepause - ich frag mich jedesmal, was einen an solchen Tagen so müde macht - ist die Sonne schon untergegangen und die Wolkenkratzer nebst dem schlanken Canton Tower, dem Wahrzeichen der Stadt, werden bunt.
Wir brechen auf zu einem kurzen Erkundungsgang. Draußen erwarten uns um die 25 Grad.
Nur ein paar weniger als in BKK. Doch so viel angenehmer. Denn die Luft ist eher trocken.
Die Straße vor unserem Hotel ist sauber. Obwohl sie so gut befahren ist wie die heute früh noch in Bangkok, ist irgend etwas seltsam:
Es ist extrem ruhig. Fast wie in einem Stummfilm. Meine Watch meldet eine sehr gute Luftqualität.
Die Menschen auf der Straße, diese Menschen, die uns alle auf Reisen durch ihre aufdringlich laute Sprache und ihr Gehabe oft
zur Weißglut bringen, sprechen ruhig. Wahrscheinlich - das ist jetzt meine Theorie - sind sie unsere laute Umgebung nicht gewohnt.
Auf dem riesigen Huacheng Platz hört man sogar eine Katze miauen. Das ist fast schon gruselig.
Wir spazieren bis fast zum Pearl River, vorbei an modernen Gebäuden. Bis zur Opera.
Dann kehren wir um.
Wir sind total begeistert und irgendwie erschlagen von dem, was wir hier sehen.
So modern haben wir uns China nicht vorgestellt!












Gegenüber des Hotels haben wir uns ein kleines Restaurant ausgesucht. Ein Nudelsuppen-Restaurant.
Den QR zu scannen, um das Menü zu sehen, das kennt man ja. Hier macht man das gleich mit Alipay. Im QR-Code ist dann gleich die Tischnummer
implementiert. So ganz sicher sind wir uns nicht. Eine Angestellte sieht es und hilft ein wenig durch das Menü.
Also Suppe auswählen - in den Warenkorb tun - und bezahlen.
Fertig. Kostenpunkt: etwa 6€. Kurze Zeit später werden unsere Suppen serviert.
Was für ne Welt…

Tag 1 in Guangzhou
17. März in China ⋅ 🌤️ 28 °C
Zwei ganze Tage sind für diese 19-Millionen-Einwohner-Stadt eingeplant.
Das Frühstück gibt es in der 2.Etage. Am Eingang scannt man den Zimmerschlüssel. Kein suchen um Abhaken der Zimmernummer - auch der Name
muss nicht auf der ausgedruckten Liste gesucht werden. Nein. Die Zimmerkarte reicht.
Das Angebot ist riesig. Es gibt eine enorme Auswahl an Obst, Asiatischem und Westlichen. Dennoch fremdeln wir etwas im asiatischen Part.
Bekanntlich haben wir einen völlig unterschiedlichen Frühstücksgeschmack. Und so findet sich auf dem Tisch auch auch der typische Mix.

Den ersten Vormittag verbringen wir jedoch noch im Hotel. Während Rainer zwei Stunden mit NordVPN chattet - weil
die versprochene Leistung gleich null ist -, freunde ich mich mit den hier notwendigen Apps an.
Da wäre zuerst A-Map, das Pendant zu Google Maps. Also fast, nur eben ein wenig komfortabler und aussagekräftiger. Sucht man z. B. den Weg zu einem Bahnhof,
werden gleich die verschiedensten Eingänge gezeigt, aber auch der Ausgang oder eben, wo genau die Tickets gekauft werden können.
Natürlich kann man gleich mal das Taxi zum Ziel buchen.
Auch Didi ist interessant. Das ist die Taxi-App. Beim Einsatz sieht man, welche Farbe und welches
Nummernschild das Auto hat und wo es sich befindet. Aber auch, wenn der Fahrer noch an der Ampel steht
welche Ampelfarbe der Fahrer gerade sieht. Natürlich kann man auch noch Tage später die gefahrenen Strecken nebst gezahltem
Betrag abrufen, wie auf einem Kontoauszug. Das ist dann für uns - als „Dauer“-Nutzer - sehr praktisch, um nicht
durcheinander zu kommen. Auch gibt es eine sogenannte Wallet, in die man Gutscheine eingespielt bekommt, sei es
nach einer Fahrt oder in Verbindung mit einem Essen in einem Restaurant.
Es ist verrückt.
Das Einzige, was mir fehlt, ist so eine Google-Suchleiste. Dafür gibt es die Baidu-App, leider nur auf Chinesisch, und der Übersetzer ist langsam. Ein recht guter Ersatz ist dann eben Alipay, das eine KI-Taste hat. Damit kann man sich sehr gut behelfen. Natürlich kann man die Ergebnisse in der eingestellten Sprache sehen. Ich habe dann mal einen Vergleichstest angestellt und Google und die KI-Antwort von Alipay nach dem prozentualen Anteil der E- bzw. Hybrid-Autos auf der Straße gefragt. Die Antworten waren gleich, also nicht etwa geschönt auf der Alipay-Website. Denn nichts ist für mich momentan beeindruckender als die Ruhe auf den Straßen. Man hört die Mopeds nicht und auch von den Autos hört man nur Abrollgeräusche. Nun ist Guangzhou auch Chinas Vorreiter, was die Zulassungszahlen für E-Autos anbetrifft. Wir dürfen gespannt sein, wie es auf der weiteren Strecke unserer Reise aussehen wird.
Bevor wir das Hotel verlassen, machen wir einen Besichtigungsrundgang durch das Haus.
Das Spa interessiert uns. Eigentlich eine Massage oder etwas Ähnliches. Insgeheim erhoffen wir uns etwas preiswerteres als zu Hause. Dann verschlägt es uns
aber die Sprache, als wir uns die Preisliste zu Gemüte ziehen: umgerechnet 120€ für eine Anwendung!
Mit so viel haben wir nicht gerechnet.
Dafür sieht der Pool anständig aus. Das Wasser ist sehr frisch.
Und wir erfahren, dass wir eine Badekappe benötigen. Ohne ist die Nutzung verboten.

Im gleichen Areal befinden sich "Gaming Rooms". Was ist das denn? Einer ist gerade in Benutzung und wir verstehen sofort, welche Spiele hier gemeint sind:

Mittags erst starten wir Richtung des historischen Teils der Stadt. Ich habe keine Must-do-Liste erstellt.
Es gibt ein paar Punkte, die ich bei A-Map schon mal markiert habe, aber auf die vollständige Abarbeitung legen wir beide keinen Wert.
Yuexiu Park
Mit Didi lassen wir die Stadt auf uns wirken und fahren für 13,30 ¥ (1,70 €, etwa 9 km, Dauer 20 Minuten) zum Yuexiu Park, der mit einer picobello sauberen und extrem gepflegten Anlage glänzt. Gut besucht ist er. Hier wird nicht gejoggt, hier wird spaziert, Gymnastik gemacht oder aber auch einfach nur mit den Armen gekreist. Und natürlich auch auf den Bänken gesessen und den Enten zugeschaut. Das Highlight soll die 600 Jahre alte Stadtmauer und die „Fünf-Widder-Skulptur“ sein - eines der Wahrzeichen der Stadt. Unser Highlight ist eindeutig die Sauberkeit und das gepflegte Grün.





Neben dem Park ist ein Grabmahl, das wir besuchen wollen. Wir finden jedoch den Eingang nicht.
Dafür ein wunderbares Ambiente in einem alten, echt chinesischen Wohnviertel. Vieles hat Gemeinsamkeit mit Japans kleinen Gassen.



Irgendwann ist der Eingang zum Grabmahl dann doch gefunden. Doch das Ganze entpuppt sich als hauptsächlich ägyptisches Museum. Dazu haben wir so gar keine Meinung und ordern einen Didi zum nächsten Ziel.

Ein für uns ungewöhnlicher Anblick:
Ständig und überall wird die Strasse gekehrt.

Shangxiajiu Pedestrian Street
Es geht zur Shangxiajiu Pedestrian Street.
Es ist eine der ältesten und berühmtesten Einkaufsstraßen in Guangzhou.
Zwei Straßen verlaufen parallel. In der einen wird geshoppt - in der anderen gebrutzelt. Gern würden wir etwas essen, aber was ist das alles genau?
Ich will irgendwas probieren. Die Kanton-Küche soll ja die beste sein. Die Auswahl ist nicht einfach, da ich absolut kein Seafood esse.



Irgendwann aber werden wir fündig, sitzen neben Reiskocher, einem Topf in XXXXL-Ausführung und einer Art Teppanyaki-Platte auf der anderen Seite. Das Essen ist genau meins: Wahrscheinlich ein gekochtes Eisbein in leckerer Soße und Reis sowie undefinierbares Grünzeug.

In der Nebenstraße wird geshoppt.
Eigentlich interessiert es uns nicht, aber wir haben unseren Alltagsrucksack vergessen mitzunehmen bzw. in die Koffer zu packen.
Und der ist sicher Made in China. Also wird es doch hier an der Quelle, möglich sein, etwas Brauchbares zu finden.
Im ersten Shop klebt die Verkäuferin an mir und labert mich zu. Wie ich das hasse! Ich sage ihr mehrfach, dass wir erst gucken wollen,
aber sie will es nicht akzeptieren. Da gibt es nur eine Lösung: Wir verlassen den Laden und nehmen den nächsten.
Hier ist die Ware bis hoch an die Decke gestapelt. Der Verkäufer sitzt fast unsichtbar in der Ecke und telefoniert.
Er lässt sich von uns Kunden nicht beirren. Wunderbar.
So können wir in Ruhe suchen und finden auch etwas.
„Wo ist die Kasse?“, deuten wir aus der Ferne gestikulierend an. Da zeigt er Richtung Eingang.
Hier müssen wir zum ersten Mal alles alleine machen:
Zuerst mit Alipay den QR-Code des Ladens scannen, Kaufsumme eingeben (die steht ja auf einem Schild) und den Betrag per Alipay senden.
Für umgerechnet 6 € kann man einfach nichts falsch machen. Oder?






Im Coffee Tao trinken wir Cappuccino. Der ist überraschend gut. Ach Quatsch! Der ist perfekt.
Das habe ich hier, im Teeland China so gar nicht erwartet.
Wir sitzen hier eine ganze Weile und beobachten das Treiben.
Es ist ja nicht unser erstes Mal Asien. Auch nicht unsere erste asiatische Metropole.
Dennoch erschlägt uns momentan alles ein wenig.
Ich muss mich wiederholen: So etwas habe ich hier nicht erwartet. Ich hatte keine direkte Vorstellung. Aber definitiv habe ich nicht diese Moderne,
diese Affinität zur Technik erwartet. Und diese Sauberkeit auf der Strasse, in der Passage - die ist verblüffend.
Dazu diese relative Ruhe, obwohl wir in der Nähe einer viel befahrenen Strasse sitzen.
Da werden wir noch ein paar Tage brauchen, um das alles als normal zu empfinden.
Anschließend geht's ins Hotel zurück.
Vorbei an vielen beeindruckenden 30- oder mehr Stöckern, die wie Punkthäuser nebeneinander stehen. Irgendwo müssen die 19 Millionen ja wohnen.



Am Ende des Tages sind wir ziemlich erledigt. So viel Input macht schlapp.
Aber eine Aufgabe, die wir heute erledigen wollten, ist noch offen. Wir benötigen eine SIM-Karte mit Festland-Telefonnummer,
um die Anmeldung für die Drohne machen zu können.
Zuerst vergewissern wir uns im DJI-Shop, ob das der richtige Weg ist, um zu einer Genehmigung für Drohnenflüge zu kommen.
Dann, wo genau man die SIM-Karte kaufen kann.
Ein China-Unicom-Shop befindet sich praktischerweise auf der anderen Straßenseite.
Die jungen Berater sind sehr engagiert, aber es gibt irgendwie ein Sprachproblem. Kurz vor Vertragsabschluss erfahren wir erst,
dass deren Aussagen völlig falsch waren. Wir verzichten und versuchen einen anderen Anbieter zu finden.
Aber es ist schon 21 Uhr. Das ist so die Zeit, wo auch hier langsam Schichtschluss ist.
Auch die Restaurants schließen nach und nach.
Große Auswahl haben wir nicht mehr. Also wird es wieder eine große Schüssel Nudelsuppe. Dieses Mal habe ich mich vertan.
Da stand „spicy“ - ja. Aber ich habe ja nicht geahnt, dass eine Suppe so spicy sein kann 🌶️🌶️ 🔥
Tag 2 in Guangzhou
18. März in China ⋅ 🌤️ 28 °C
Den zweiten Tag hier in Guangzhou starten wir nachdem Rainer von MobileChina zurückkommt. Vergeblich versucht er, eine SIM mit einer chinesischer Mobilfunknummer zu bekommen. Aber dieses Vorhaben gestaltet sich weitaus schwieriger als gedacht.
Wir wohnen ja im modernen Teil der Stadt, wo sich eben auch das Geschäftsviertel befindet.
Mittendrin umringt von modernsten Bauten, liegt die Huacheng Plaza - was übersetzt Blumenstadt heißt.
Der Name bezieht sich dabei auf die Tatsache, dass Guangzhou ganzjährig für blühende Pflanzen bekannt ist.
Diesen Platz haben wir uns am ersten Abend angeschaut. Nun wollen wir mal bei Tageslicht all die Architektur sehen.
Auf dem Weg dahin geht es vorbei an einigen Straßenhändlern, die kleine niedliche Tiere verkaufen.
Die dann folgende Kreuzung ist riesig. Aber hier gibt es eine clevere Lösung für Fußgänger. Ja Tunnel gibt es auch anderswo auf der Welt. Aber diese mit in der Mitte offenen Lösung finde ich weitaus angenehmer.



Und dann entdecken wir noch etwas Neues:
Diese gelben Kästen. Das sind Ausleihstationen für Powerbanks. Wie praktisch!

Huacheng Plaza
Wir laufen die Plaza vom Norden bis nach Süden ab.
Mitten zwischen den modernen Gebäuden herrscht ein absolut futuristisches Ambiente.
So, als wenn wir Teil in einem computeranimierten Video eines Städteplaners sind.
Die Wege sind definiert und doch verworren. Wir bewegen uns inmitten unvorstellbar vieler Grünflächen. Und das ist nicht „nur“ Wiese.
Das sind gepflegte Gärten mit blühenden Bäumen und Sträuchern. Mittendrin genügend Sitzgelegenheiten. Als Bänke. Oder auch als Sitzsteine.
Über die Sauberkeit werde ich nicht müde zu schreiben.


Es sind Hunderte unterwegs. Wahrscheinlich haben sie Mittagspause. Und dennoch wirkt alles so ruhespendend.
Wir schauen uns in der „Unterwelt“ um. Hier also befinden sich die vielen Restaurants die "oben" beworben werden.
Die Auswahl ist schier unendlich. Gut besucht sind alle. Aber es gibt auch vollverglaste, moderne und gut besuchte
Fitnessstudios. Hier trainiert man also während der Mittagspause.



Dafür finden wir draußen keine Cafés.
Das wäre so schön, auf diese Weise dem Ganzen hier zu zuschauen.
Aber vermutlich macht das keinen Sinn, weil es hier die meisten Monate über sehr heiß ist. Selbst heute - Mitte März - sind es mittags knapp 30 Grad.
Weiter südlich stehen auch die architektonisch markanten Gebäude wie das Guangzhou Opera House, Guangdong Museum, Guangzhou Library.

Guangzhou Libery

Provinz Guangzhou Museum




Dieses 110.4 Meter hohe, sehr dominante aber nur 27 Etagen hohe Gebäude ist das -
Guangzhou Poly National Bureau Building.
Es wurde im Zuge der extrem rasanten Entwicklung dieser Stadt und dieses neuen Geschäftsviertels namens Pazhou errichtet.
Der angedeutete Rahmen soll ein Tor darstellen. Das Tor zur Welt.

Die Liede Bridge verbindet die Stadtbezirke Tianhe (wo unser Hotel steht) und Haizhu. Sie
hat eine Länge von 4.3 Kilometern, überspannt den Perlfluss aber nur 480 Meter. Dieser ist übrigens der
drittgrößte Strom Chinas, wenn man die transportierte Wassermenge als Maß betrachtet.
Am besten sieht das Bauwerk natürlich am Abend aus. Dann, wenn die Brücke illuminiert wird.

Am Perl River angekommen, soll’s mit Didi wieder in den historischen Teil gehen. Da wo wir gestern waren.
In die Beijing Street. Was wir allerdings nicht wissen, dass die Bezeichnung "Beijing Street" ein Gebiet und nicht eine einzelne Strasse bezeichnet.
Die Bestellung des Taxis gestaltet sich deshalb schwierig, um nicht zu sagen nervenaufreibend. Denn diesen Namen kann Rainer natürlich nicht finden.
Das manuelle Suchen dagegen gestaltet sich bei dieser hellen und dazu gleissenden Sonne absolut schwierig.
Der Schweiß läuft - Rainers Handy mittlerweile glühend - ich genervt…
Na wie das manchmal so ist. Also übernehme ich die Aufgabe. Und et voila - das Taxi kommt.
Millennium-Street
Diese Fußgängerzone wurde bereits 214 v. Chr., also während der Qin-Dynastie angelegt. Die Qin-Dynastie ist die erste Dynastie Chinas,
dessen Herrscher Qin Shihuangdi China überhaupt vereinte. Seinen Namen werden wir auf der weiteren Reise nochmals begegnen. Aber hier,
in Guangzhou, bin ich mit den Namen der Dynastien noch vollkommen überfordert.
Damals war die Straße Teil der antiken Nord-Süd-Achse der Stadt.
Ein Teil des einstigen Weges ist heute unter Glasplatten, so dass man die Beschaffenheit der damaligen mittlerweile Jahrhunderte alten Strasse sehen kann.
Zudem sind auch Abschnitte der Tang-, Ming- und Qin-Dynastie sichtbar, weshalb sie auch „Millennium-Street“ genannt wird.



Uns gefällt die Promenade noch besser als die Gestrige. Sie ist wesentlich lebendiger.
Dafür auch lauter. Aus jedem Laden dröhnt entweder Werbung oder Musik. China live eben.




Zwischendrin müssen wir in eine Parallelstrasse flüchten.
Und schon gibt es himmlische Ruhe.
Hier wohnen Einheimische. Hier sitzen sie auf (unbequemen) Stühlen, gönnen sich ein Nickerchen.
Hier fühlt man sich so absolut mittendrin. Überall zieren Pflanztöpfe die kargen Wände.
Hier stehen ihre Mopeds und zwischendrin hängt auch Wäsche.



In der ruhigen Parallelstraße finden wir auch ein sonnengeschütztes Café.
Und wieder bin ich begeistert von der Qualität des Cappuccino's.
Ganz ehrlich? Das hätte ich Chinesen nicht zugetraut.



Noch einmal gehen wir zur Promenade und fotografieren die Häuser, die noch den Schmuck vom Neujahrsfest tragen. Dieses Jahr ist das Jahr des Feuerpferdes. Überall klebt oder steht Schmuck zum Thema Pferd. Natürlich im China-Look. Also grellbunt oder im Comicstyle.



Eigentlich soll jetzt Schluss sein und wieder zurück gehen.
Als wir aber nach dem kürzesten Weg zur Straße suchen, entdecken wir ein chinesisches Tor.
Dafo Temple - The Big Buddha Temple
Vollkommen übersehbar zwischen Häusern eingepfercht. Keine Ahnung was uns angetrieben hat, uns dem Tor anzunähern. Jedenfalls könnte die Überraschung größer nicht sein, als sich hinter diesem unscheinbaren Tor eine 1.200 m² große Fläche eröffnet, auf dem sich der Dafo Temple (Big Buddha Temple) befindet.

Dieser ist unglaubliche über 1.000 Jahre alt und im Laufe der Zeit einfach von normalen Wohnhäusern umbaut worden.
Was für ein Monstrum an Tempel!
Wunderschön und beeindruckend zugleich.







Nun geht es wirklich zurück.
Am Ende der Promenade sind wir nicht die Einzigen, die auf ein Taxi warten. Es ist generell ziemlich trubelig hier.
Und ich muss unwillkürlich an die in Deutschland gezeigten Reportagen aus China denken, in denen uns berichtet wird,
wie hart man Menschen für Vergehen aller Art bestraft. Jedes Vergehen bedeutet Verlust ihres Sozial-Scores. Ein Vergehen ist da
zum Beispiel bei Rot über die Straße zu gehen. Alles ist möglich, durch die intensive Kameraüberwachung.
Hm. Jetzt, wo ich hier stehe, frage ich mich, ob das wirklich so ist.
Ich sehe laufend Verkehrssünder. Menschen, die bei Rot die Straße überqueren, Mopedfahrer die verkehrswidrig unterwegs sind usw.
Riskieren sie wirklich alle ihren Sozial-Score?
Ich recherchiere etwas und finde heraus, dass es dieses System bisher nur in einer Stadt, in Rongcheng, in der Erprobungsphase
gibt. Und es geht dabei um schwere Verstöße und Verbrechen. Nicht um solche Kleinstvergehen. Übrigens gibt es auch in Deutschland
solche Erprobungsphasen für Überwachungstechnologien an Kreuzungen, insbesondere zur Erkennung von Verkehrsverstößen.
Ein Beispiel ist das Pilotprojekt mit „Monocam“-Kameras in Mainz, die Handynutzung am Steuer erfassen und
automatisch an die Polizei melden. Diese KI- gestützte Technologie wurde zuvor in den Niederlanden erfolgreich getestet.
Ein weiteres gibt es in Berlin. Und natürlich in einigen anderen Städten.
Canton Tower
Für den Abend habe ich Tickets für den Canton Tower gekauft.
Wir wollen auf die höchste Aussichtsplattform der Welt. Die befindet sich in einer Höhe von 488 Metern und übertrifft
um 36 Meter die Plattform auf dem Burj Khalifa in Dubai.

Oben angekommen, bin ich eigentlich total enttäuscht. Denn die Aussicht von der 107.Etage ist stark eingeschränkt durch die „Rippen“ des Baus. In der 108.Etage befindet sich die Freiluft-Plattform. Hier steht das weltweit höchste Fahrgeschäft. Gondeln umkreisen den Turm. Leider sind die gerade „under maintainance“. Ein weitläufiger freier Blick ist deshalb auch hier nicht möglich. Die Enttäuschung wird getoppt von der Tatsache, dass es nur zwei Aufzüge gibt, die jeweils nur zwölf Besucher aufnehmen. Auch wenn die Abfahrt nur 1:38 Minuten dauert - eigenhändig gestoppt 😉 - stehen wir gefühlt ewig an.







Das ist Liede Bridge am Abend.
Die Seile und Verbindungen der Brücke, dienen am Abend als Projektionsfläche und werden zum LED-Netzbildschirm .

Ein letzter Blick vom Fuße des Towers:

Ewig warten wir auch auf das Taxi. Weil: klar - auch hier sind wir nicht allein unterwegs. So kommen wir viel zu spät zum ausgesuchten Restaurant, das „schon“ um Neun schließt. Verhungern müssen wir dennoch nicht. Wir finden um die Ecke ein anderes. Später als geplant sind wir wieder im Zimmer. Das Packen verschieben wir auf morgen früh.
So geht es weiter
Morgen erwartet uns eine weitere Herausforderung: Checkin am Bahnhof.

