Von Guilin nach DongFenYun

23.–25. März ⋅ ☀️ 24 °C

Es ist Fünf Uhr in der Frühe, als der Wecker klingelt. Kurz vor Sechs stehen wir an der Rezi. Das Frühstücksbüffet ist noch nicht eröffnet. Das wussten wir. Das hat man uns gestern gesagt. Deshalb bekommen wir eine kleine Tüte mit einer Frühstücksbox für den Weg. Die hat alles, was wir brauchen könnten.

Draußen regnet es immer noch Bindfäden.
Das erste Taxi kriegt unser Gepäck nicht unter. Schade. Keine Wunder aber auch. Die Hälfte seines Kofferraums ist mit verschiedenen Dingen schon belegt. Na klasse.
Gern hätten wir ein XL-Auto bestellt. Aber das gibt es in Guilin um diese Zeit nicht. Das zweite Auto hat die gleiche Größe und ich sehe schon den Zug abfahren, weil wir hier einfach nicht vom Fleck kommen. Aber der Fahrer ist pfiffig, die Cabin Trolleys legen wir auf den Beifahrersitz. Als wir den Bahnhof erreichen, offeriert er uns, dass die Fahrt nun wegen Übergepäck teurer wird. Darauf lassen wir uns nicht ein.

7.11 Uhr startet der Zug.
Leider gab es um diese Zeit nur einen D-Zug.
D-Züge sind die drittschnellsten Bullettrains, deren Höchstgeschwindigkeit die 250 km/h-Marke nicht überschreiten kann.
In der hiesigen 1.Klasse gibt es keine dieser neckischen Snackboxen nebst Wasser. Aber wir sind heute Selbstversorger.
Die Sitze sind breit, aber nicht so bequem wie die in den G-Zügen.
Ganze 6:25h dauert dann die Fahrt bis Mile. Schliesslich sind knapp 700 Kilometer zu fahren.
Schon während der Fahrt beschließe ich deshalb, die gekauften Tickets für weitere Fahrten unserer Reise zu prüfen und gegebenenfalls gegen G-Züge einzutauschen.

Guilin-Mile,China2026,born4travel.de

Yunnan

Mit dieser Fahrt verlassen wir die autonome Region Guangxi und beginnen unsere Entdeckungsreise durch die Provinz Yunnan, die sich westlich von Guangxi befindet.
Mit einer Fläche von rund 394.000 Quadratkilometern ist die Provinz Yunnan sogar etwas größer als Deutschland. Hier leben etwa 47 Millionen Menschen. Das macht Yunnan zur 8. größten Provinz Chinas.

Yunnan gilt wegen so unterschiedlicher Landschaften und Kulturen als Chinas vielfältigste Provinz.
Von den 56 offiziell anerkannten Ethnien des Landes, haben 25 hier ihr Zuhause. Dazu gehören unter anderem die Yi, Bai, Naxi, Dai, Hani, Miao, Lisu und Tibetaner. Rund ein Drittel der Bevölkerung gehört einer ethnischen Minderheit an.

Die Provinz erstreckt sich vom Rand des Himalayas bis in die tropischen Regionen Südostasiens. Schneebedeckte Berge, tiefe Schluchten, gewaltige Flusstäler, Reisterrassen, Seen, Hochplateaus und subtropische Wälder liegen oft nur wenige Fahrstunden voneinander entfernt. Kaum eine andere Region Chinas bietet eine vergleichbare landschaftliche Vielfalt.

Guilin-Mile,China2026,born4travel.de

Historisch war Yunnan ein wichtiger Knotenpunkt auf der legendären Tee-Pferde-Straße.
Über Jahrhunderte wurden hier Tee, Salz und andere Waren zwischen China, Tibet und Südostasien gehandelt.
Die Lage an den Grenzen mehrerer Länder machte die Provinz zu einem Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen und Einflüsse.

Keiner anderen Provinz unserer China-Reise werden wir so viel Zeit widmen wie Yunnan.
Insgesamt werden wir drei Wochen hier unterwegs sein.
Unsere Reise beginnt in Mi'Le, bevor es weiter nach Kunming, Dali und Shaxi geht. Von dort folgen spektakulären Bilderbuchlandschaften rund um Shangri-La und die Tiger Leaping Gorge. Anschließend wird es nach Lijiang gehen.

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Die Provinz hat aber auch eine Besonderheit:
Yunnan grenzt an die Provinzen Sichuan, Guizhou, Guangxi, Tibet sowie an die Länder Myanmar, Laos und Vietnam. Die Ländergrenzen stellen die Provinz und natürlich China vor eine große „Herausforderung“ - wie es hier genannt wird. Wir würden schlicht und ergreifend sagen: Es gibt ein großes Problem. Denn am „Goldenen Dreieck“ kämpft man mit Drogenschmuggel, illegaler Migration und grenzüberschreitender Kriminalität. Aber davon werden wir in den kommenden drei Wochen so gar nichts wahrnehmen.


Kurz vor Mile stabilisiert sich endlich das Wetter in die richtige Richtung: Sonne mit etwas über 25 Grad. Mile liegt auf 1.400 Metern Höhe. Hier beginnen wir auch unsere langsame Höhenanpassung. Denn in elf Tagen werden wir in 3.500 Metern sein.
Aber erst einmal geht es nach DongFengYun.

Am Bahnhof angekommen gilt es, sich durch eine Armada der aufdringlichen Taxifahrer zu kämpfen. Alle wollen uns als Gäste haben. Das wollen wir wiederum nicht. Wir wollen ein bei Didi geordertes Auto. Didi's, als die Uber Chinas, haben den bekannten Vorteil, dass wir schon vor der Fahrt wissen, wieviel die Fahrt uns kosten wird und dass wir genau da ankommen, wohin wir wollen.

Mi'Le & DongFengYun

Mi'Le, eine kreisfreie Stadt im Süden der Provinz Yunnan, befindet in der Honghe Hani und Yi Autonomous Prefecture. Also einem autonomen Bezirk in einer Provinz. Langsam wird’s also kompliziert 😉 Die Stadt hat rund 500.000 bis 600.000 Einwohner und ist vor allem für Landwirtschaft, Tabakanbau, Weinanbau, Thermalquellen und die Kultur der Yi-Minderheit bekannt.

DongFengYun wiederum ist kein Dorf und kein Stadtteil, sondern ein groß angelegter Kunst-, Kultur- und Freizeitpark am Stadtrand von Mile. Das Gelände wurde rund um die außergewöhnlichen Backsteinbauten vom Künstler und Architekt Luo Xu entwickelt.
Dieses ist erst in den letzten Jahren zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden.
Social Media macht's möglich.
Und zugegeben... hätte ich nicht ein entsprechendes Foto bei Instagram gesehen, wären auch wir nicht hier.

Wir wohnen etwa eine Viertelstunde vom Bahnhof entfernt. Wir steigen im DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection ab. Ein AllAccor Hotel. Die Hotelanlage ist die einzige, die zum Kunst-Komplex gehört. Alle anderen Unterkünfte befinden sich außerhalb.

Der Zugang zum Hotel ist schon sensationell. Es führt uns durch eine Art Kuppel-Gewölbe, das an der Decke einen kreisrunden Ausschnitt hat. In der Mitte ist eine Wasserinstallation. Die Akustik gleicht der in Singapore‘s Rain Oculus.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Die Eingangskuppel ist nicht nur am Tag ein ganz besonderes Schmuckstück.
Auch am Abend, wenn es dunkel ist, macht sie was her.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Den benötigen wir glücklicherweise nicht!

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

An der Rezeption stehen drei Angestellte, die mit ihren dünnen Michael-Jackson-Nasen alle drei fast gleich aussehen.
"Sind die überhaupt echt?", frage ich mich.
Ja sind sie. Denn Roboter würden besser englisch sprechen.
Nur eine kann uns einweisen. Muss aber ständig dabei kichern, weil sie merkt, wie furchtbar ihr Englisch ist.
Nun. In einer weltweit vertretenen Kette habe ich einerseits erwartet, dass man Englisch beherrscht.
Andererseits will ich nicht so streng sein. Denn abgesehen davon, dass Mile eh weit ab von typischen Touristenpfaden liegt, kommt hier wohl sehr selten ein Ausländer her. Jedenfalls bleiben wir während des gesamten Aufenthaltes die einzigen "Langnasen".

Unser Zimmer ist sehr groß.
Es ist modern eingerichtet, es gibt viele Ablagen und auch sonst gibt es Nix zu meckern. Na ja vielleicht doch. Die Toilette ist nicht intelligent. So werden übrigens hier die Washlets genannt.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Nichts in diesem Hotelbau ist dem Zufall überlassen.
Schon der Gang von der Rezi zum Zimmer bietet unendlich viele Fotomotive:

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Und am Abend sieht es noch spektakulärer aus:

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Vom Balkon haben wir den Blick auf das gesamte Gelände. Es sind rote Ziegelbauten mit einer einzigartigen Architektur.
Die sonderbaren Formen, die Weinflaschen gleichen, die - wie mir Alipay’s KI verrät - ganz ohne Stahl und ohne Nägel gebaut wurden, sind extrem interessant anzusehen. Das gesamte Gelände ist voller dieser aussergewöhnlichen Bauten. So etwas habe ich in China nicht erwartet.

Wir haben kein Programm für die Zeit hier in DongFengYun und lassen uns am ersten Abend einfach nur von der Umgebung unterhalten. Da wäre zum Beispiel die Hotelanlage. Die ist riesig.
Laut Flyer hat die Poolfläche eine Größe von 1.200 Quadratmetern. Nicht schlecht. Schlecht ist nur, dass man vergessen hat, den kaskadenartigen Pool beheizbar zu gestalten. Bei 19 Grad (so steht es auf der Tafel) gehen selbst Badenixen wie Rainer nicht ins Wasser. Dafür sind sie fotogen - die Pools.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Fotogen ist übrigens alles hier.
Auch das Frühstück. Das bietet Beides. Westliches und Asiatisches.
Das passt perfekt zu uns Beiden.
Während ich Nudelsuppe mit allerlei Grünem mag, freut sich Rainer über all die typisch westlichen Speisen. Wir sind begeistert. Man spürt eben, dass dieses Hotel zu einer weltweit vertretenen, internationalen Kette gehört.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

Danach machen wir uns auf den Weg, die Bauwerke zu erkunden, die wir bereits vom Hotelfenster aus gesehen haben und die in der Ferne fast unwirklich wirken.

Vom Hotel bringt uns ein Shuttle auf die andere Seite des Sees. Dort erwartet uns ein weitläufiges Areal, das eher an einen Erlebnispark als an eine klassische Sehenswürdigkeit erinnert. Tagesbesucher zahlen für die einzelnen Attraktionen Eintritt, für Hotelgäste ist dagegen alles inklusive. Museen, Gartenanlagen und verschiedene Ausstellungen können wir kostenlos besuchen.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

Das bekannteste Motiv ist das Gebäude des Kaleidoscope Kunstmuseums mit den unzähligen Weinflaschen in der Fassade. Der Zugang zur mittleren Passage ist etwas versteckt, doch schließlich finden auch wir ihn. Insgesamt sind nur wenige Besucher unterwegs.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Einige Frauen tragen traditionelle Gewänder. Allerdings handelt es sich nicht um ihre eigene Festtagstracht. Die Kleidung kann hier ausgeliehen werden, um vor den Attraktionen für Fotos zu posieren. So haben alle ihren Spaß: Die einen beim Fotografieren, wir beim Zuschauen wie sich die Hobby-Models mit bewundernswerter Geduld und Hingabe in Pose räkeln und verbiegen, um möglichst spektakulär auf den Bildern auszusehen. Dabei scheint keine Haltung zu ausgefallen oder zu peinlich zu sein.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Da haben wir es viel einfacher: Hinstellen - Kamera ausrichten - lächeln - fertig 😎

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

Und so sieht es im Inneren des Flaschenhauses aus:

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de
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Gegenüber, im nächsten Haus befindet sich eine Ausstellung über die neuere Geschichte China's.
Eigentlich richtig gut gemacht und sicher auch interessant. Leider sind alle Beschriftungen im feinsten Chinesisch. Anfangs behelfen wir uns mit dem Übersetzer. Aber irgendwann ist uns das zu viel und wir übersetzten nur noch die Teile, deren Bild interessant aussieht.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

Anschließend fahren wir mit dem Shuttle bis zum anderen Ende der Dongfengyun Art Town.
Auch hier steht ein Gebäude mit diesen fließenden, kegel- und flaschenartigen Strukturen, die eine Hommage an die Gegend darstellen soll.

Mile, DongFengYun,China2026,born4travel.de

Im Nachbargebäude befindet sich eine Verkaufsausstellung mit Produkten aus dieser Weinregion.
Die Auswahl ist riesig. Wir könnten sogar an einer Verkostung teilnehmen, doch dafür ist es uns heute einfach zu warm.

Trotzdem staunen wir nicht schlecht, als wir entdecken, dass hier in China auch Whisky und Brandy hergestellt werden.
Am Ausgang ist es dann offensichtlich, dass wir zu den wenigen Besuchern gehören, die die Ausstellung ohne schwere Einkaufstüten verlassen.

Für Erstaunen sorgt auch die ungewöhnliche Art, die Flaschen zu lagern.
Plötzlich ergibt die Gestaltung im Innenhof unseres Hotels Sinn.
Die dort aufgestellten Gebilde stellen tatsächlich auf dem Kopf stehende Weinflaschen dar.

Mile, DongFengYun,China2026,born4travel.de
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Wir machen uns auf den Rückweg, schlendern am See vorbei. Hier gäbe es verschiedene Boote zum ausleihen. Nur eben nicht jetzt im März. Da ist die Saison noch nicht eröffnet. Deshalb sind die Blumenfelder auch noch nicht in voller Blüte. Aber die Bäume tragen genügend davon. Es ist schön hier. Und wir entscheiden uns, zu Fuß bis zur nächsten Attraktion zu laufen. Was für eine blöde Idee. Wir haben die Entfernung, die wir vorhin ganz bequem mit dem Shuttle gefahren worden sind, etwas unterschätzt. Es fahren zwar in kurzen Abständen Shuttles vorbei, aber keine ist gewillt stehen zu bleiben. Die meisten sind eh voll. Und die anderen, die noch Platz hätten, verweisen uns auf die kommende Station. Ordnung muss eben sein. Zuletzt erbarmt sich doch einer uns mitzunehmen. Und wir sind echt dankbar dafür.

Mile, DongFengYun,China2026,born4travel.de
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Wir lassen uns am Art Center absetzen.
Die Ausstellung hier ist nichts-sagend. Viele interessanter ist der Bau. Wir spazieren einmal um das gesamte Gebäude. Denn keine Seite ist gleich. Aus jeder Perspektive wieder mal ein Hingucker.

Mile, DongFengYun,China2026,born4travel.de
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Gegenüber der Art Gallery befindet sich wieder ein Gebäude in aussergewöhnlicher Optik. Hier machen wir endlich Pause und gönnen uns unser neues Lieblingsgetränk: Frische Passionsfrucht als Getränk.

Mile, DongFengYun,China2026,born4travel.de

Am späten Nachmittag erst erreichen wir das Hotel.
So ein Bad in einem dieser wunderschönen Pools wäre ein Träumchen. Aber abgesehen davon, dass wir noch immer keine Badekappe besitzen - in China ist Poolbenutzung nur mit Badekappe erlaubt - ist das Wasser einfach zu kalt. Auch von einer Spa-Anwendung nehmen wir Abstand, nachdem wir die Preise gecheckt haben. Seltsam. Irgendwie passt das nicht zum sonstigen Preisniveau in diesem Haus.


Erwähnen muss ich zuletzt noch das riesige Doppelrestaurant.
Offiziell soll ein Bereich die asiatischen Gäste bedienen, der andere die westlichen. Tatsächlich bekommt man jedoch überall die gleiche Speisekarte. Die Auswahl ist nicht besonders groß. Vor allem deshalb, weil man unter „westlich“ hauptsächlich Burger versteht. Und das ist so gar nicht unser Ding.

Am ersten Abend esse ich asiatisch, Rainer bestellt Lachs. Den Salat, den wir eigentlich gerne gehabt hätten, gibt es nicht. „Out“, heißt es kurz und knapp.

Am nächsten Abend versuchen wir es erneut. Der Salat ist wieder „out“. Das Filet, das ich mir ausgesucht habe, leider ebenfalls. Also bestellen wir beide das Ribeye. Dem Restaurantmanager ist die Situation sichtlich unangenehm. Zudem mangelt es auch ihm an guten Englischkenntnissen. Auch dafür entschuldigt er sich. Aber wir haben ja tagsüber gesehen, dass hier keine internationalen Gäste unterwegs sind. Deshalb haben wir volles Verständnis. Wer hier arbeitet, der braucht Englisch praktisch nie.
Kurze Zeit später aber erscheint er mit einer Flasche Rotwein. Als er erfährt, dass wir lieber Weißwein trinken, verschwindet er sofort und kommt mit einer anderen Flasche zurück. Ein Geschenk des Hauses.
Während wir beide innerlich bereits mit einer süßen Plörre rechnen, werden wir positiv überrascht. Der Wein wäre zwar nicht unbedingt unsere erste Wahl für einen gemütlichen Abend gewesen, zum Essen passt er aber hervorragend. Fast so, als wäre er eigens dafür ausgesucht worden.

Mile, DongFengYun Hotel Mi'Le - MGallery Collection, China2026,born4travel.de

Doch die eigentliche Überraschung folgt wenig später. Mitten während des Essens erscheint der Chefkoch persönlich an unserem Tisch – und stellt den Salat vor uns ab. Genau den Salat, der gestern und heute noch „out“ gewesen war.
Der Grund für die Misere war schnell erklärt: Es fehlte an Avocados.
Und nun waren plötzlich welche da.
Wir sind bis heute überzeugt, dass man in ganz Mile telefoniert hat, um irgendwo noch eine Avocado aufzutreiben.
Ob das nun wirklich so war, werden wir nie erfahren. Berührt hat uns diese Geste aber allemal. Es ist eine kleine Begebenheit, die die Aufmerksamkeit des Personals so unvergesslich macht.

So geht es weiter

Nach zwei Nächten in einer Gegend, die wir so in China ganz sicher nicht erwartet hätten, heißt es für uns Abschied nehmen. Die Weinberge, die weitläufigen Anlagen und die fast mediterrane Atmosphäre haben einen Eindruck hinterlassen, der so gar nicht zu dem Bild passt, das wir von China im Kopf haben.

Nun geht unsere Reise weiter. Unser nächstes Ziel ist Kunming, die Millionenmetropole im Herzen Yunnans. Die Hauptstadt der Provinz Yunnan.