Von Guangzhou nach Yangshuo

19.–23. März ⋅ ☁️ 18 °C

Unsere erste Zugfahrt

Normalerweise ist eine Zugfahrt nicht erwähnenswert.
Aber eine Zugfahrt in China angeblich schon. Im Netz finde ich allerlei Infos. Je mehr ich finde, desto mehr habe ich Respekt vor dem Ablauf und von den Menschenmassen, vor dem Wirrwarr auf den Bahnhöfen.
Nichts davon wird sich allerdings bestätigen.

Bei der Planung brauche ich ne Weile um das System des Buchens, Reservierens und der Ticketausstellung zu kapieren. Man könnte auch sagen: Ich quäle mich durch die Materie.
Dabei stellen die Bahnhofsnamen das eigentliche Problem dar.
Guangzhou z.B., wäre einfach.
Aber da gibt es Guangzhoubaiyun, Guangzhounan, Guangzhoudong, Guangzhoubei… etc.
Sind das jetzt andere Orte, die nur ähnlich klingen? Oder Orte in einem völlig anderem Teil Chinas?
Es dauert ein wenig, bis ich in dem langen Buchstabensalat ein System erkenne:
Am Ende eines jeden Ortsnamens hängt einfach nur die Himmelsrichtung dran.
So sind meine ersten chinesischen Vokabeln nicht Guten Tag oder Danke sondern Himmelsrichtungen.
Bai, dong, nan und xi - stehen für Norden, Osten, Süden und Westen.
Damit wird alles klarer. Denn fast jede Stadt - die großen sowieso - hat mehrere Bahnhöfe.

Auch der Ticketverkauf läuft anders ab.
Auf den Buchungsportalen, wie 12306.cn oder trip.com kann man die Tickets schon vorab kaufen. Das Ticket selbst ist damit noch nicht ausgestellt. Das kann frühestens vierzehn Tage vor dem Datum ausgestellt werden.
Nicht alle meine gekauften Tickets, werden dann also ausgestellt.
Einige Käufe landen dann auf einer Warteliste.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Zu warten bis es doch noch ausgestellt wird, oder eine neue Verbindung rauszusuchen. Das Stornieren der vorhandenen Käufe ist kein Problem. Die vollständige Erstattung ist wenige Stunden später wieder auf dem Konto. Dennoch ist dieses Prozedere etwas nervig.

Entspannter dagegen ist es, gar keine Tickets vorab zu kaufen.
Frühestens erst, wenn sie auch ausgestellt werden können.
Denn was vollkommen unvorstellbar für uns ist: Es gibt unzählige andere Züge, die die gleiche Strecke fahren. Manchmal sind es schnellere - manchmal langsamere Verbindungen. Aber Verbindungen zwischen größeren Orten gibt es im Minutentakt. Also für die Zukunft heisst es: Nur keinen Streß.
Und ob ich nun 2:34 Stunden fahre oder 2:38 ist uns vollkommen schnuppe.


Eine halbe Stunde braucht unser Taxi vom Vaperse Hotel zum Bahnhof.
Noch einmal fahren wir vorbei an den vielen Hochhäusern, an Parks und architektonisch ausgefallen Bauten.
Guangzhou hat uns als Einstieg dieser ersten Chinareise sehr gut gefallen.

Guangzhou,China2026,born4travel.de

Die Bilder, die ich im Netz über die Größe eines „normalen“ Bahnhofs in China gesehen habe, waren dann doch keinesfalls übertrieben.
Das Bahnhofsgebäude zum Beispiel von Guangzhounan ist tatsächlich riesig und hat die Größe unseres BER's. Bevor man aber überhaupt in das Bahnhofsgebäude gelangen kann, wird der Pass kontrolliert. Das Ticket ist nämlich immer mit einer ID oder bei uns Ausländern eben mit dem Pass gekoppelt.
Wer also nicht mit dem Zug fahren wird, hat auf dem Bahnhof nichts zu suchen.
Das finden wir sogar prima.
Dann lungern auch keine komischen Gestalten rum. Das heißt, spätestens hier verabschiedet man seine Begleiter.

Großzügig gestaltet ist der erste Sicherheitscheck für Gepäck und Mensch:

Train,China2026,born4travel.de

Am gleichen Schalter wird das Gepäck gescannt. Genau wie am Airport.
In einem unserer Koffer scheint etwas gefunden worden zu sein. Es geht an die Scheren und Messer. Die haben wir in einer Tasche in unserem Campingbesteck. Jede einzelne Klinge wird abgemessen. Drei Messer haben eine Klinge, die länger ist, als das erlaubte Maß, nämlich 6 Zentimeter.
Das heißt, sie dürfen nicht mit. Wir müssen sie hier abgeben.
Mein über 25 Jahre altes Schnippelmesser und zwei Zackenmesser für’s Grillgut😢.
Letztendlich ist es meine Schuld. Ich hätte mich mit den Beförderungshinweisen befassen müssen.
Nun haben wir den Salat.

Yangshuo,China2026,born4travel.de

Die Beamtin hat ein gutes Herz und schlägt vor, sie per Express-Sendung zum nächsten Hotel zu transportieren. Aber für uns, die noch sehr oft mit dem Zug fahren werden, ist das keine Lösung.
Die Idee greifen wir aber auf und lassen die Messer zum Airporthotel Shanghai in Pudong senden, wo wir Mitte Mai sein werden. Die nächste Frage: Was kostet das überhaupt? Lohnt es sich?
Das weiß niemand. Dann aber erscheint der Expressbote und kassiert 16¥ ab, was so was wie 1.94€ sind.
Die Angestellte und ich tauschen unsere WeChat-Kontakte aus. Kurze Zeit später erhalte ich ein Foto von der Sendung.

Als nächstes muss das Airport-Hotel in Shanghai-Pudong kontaktiert werden.
Dabei wird man mir im nächsten Hotel, in Yangshuo behilflich sein.
Wieder läuft alles über WeChat ab. Ich sende das Foto - und nun?
Nun sind wir gespannt, ob diese Aktion ein gutes Ende haben wird.

Ok. Nun gilt es herauszufinden, wie es weiter mit unserer ersten Zugfahrt geht.
Als erstes steht eins fest: Wir sind viel zu früh da.
Es gibt wie schon erwähnt keine Papiertickets.
Alles was man vorerst wissen muss, ist die Zugnummer.
Auf größeren Bahnhöfen, mit mehreren Zugängen zum Zug ist auch die Bahnsteignummer wichtig.
Die riesige Tafel, die von der Decke hängt, listet alles wunderbar auf.
Die wichtigen Info's sind hier in Guangzhou zum Beispiel auch in Englisch lesbar.

Anzeige in Guangzhou:

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An kleineren Bahnhöfen - hier zum Beispiel die Anzeige in Yangshuo - einem kleineren Stadtbahnhof, muss man sich mit einem Übersetzer behelfen. Was aber absolut kein Problem ist.
Auf dieser Tafel lesen wir auch ab, welche Farbe für den kommenden Zug, den G2244, der uns nach Guilin bringen wird, gilt. Es ist Gelb.
Das zur Theorie.

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Der Wartebereich hier in Guangzhou ist gut besucht.
An den Seiten verkaufen Restaurants Snacks und allerhand Speisen. Denn Chinesen essen gefühlt immer.
Unser heutiges Gate ist 27A.
Diese Info bekam ich vor Eintritt in das Bahnhofsgebäude von trip.com, wo ich die Tickets gebucht habe.
Aktualisierungen werden natürlich zeitgleich nachgeschoben.
Der Zugang zum Bahnsteig ist für uns noch gesperrt. Da dürfen wir erst etwa zehn Minuten vor Abfahrt hin.

Train,China2026,born4travel.de
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Bei Lichte gesehen ist das eine clevere Vorgehensweise.
Auf dem Bahnsteig selbst befinden sich nur die Passagiere, die mit dem einschiessenden Zug fahren werden.
Kein Drängeln. Kein Behindern. Kein Durcheinander.
Alle stehen in der Reihe an, wo auch die gebuchte Wagontür sich öffnen wird.
Wo genau man stehen muss, das steht an der Bahnsteigkante.
Die entsprechende Farbmarkierung stand ja an der Tafel im Wartebereich.
Der Pfeil zeigt an, in welche Richtung der Zug fährt.
Auch ohne jegliche Chinesisch-Kenntnisse kann man nichts falsch machen.

Train,China2026,born4travel.de
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Eine Zugbegleiterin empfängt uns beim Einsteigen und fragt nach den gebuchten Sitzen.
Im Inneren ist alles sauber. Selbst die Toiletten. Während jeder Fahrt erleben wir es, dass noch zwischendrin der Boden kurz durchgewischt wird. In der 1.Klasse erhält man noch eine Snackbox und ein kostenloses Getränk.
Das nenne ich Zugfahren.

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Yangshuo,China2026,born4travel.de

Die Fahrt selbst ist sehr ruhig.
Die 280 und mehr km/h sind nicht zu spüren.
Bequemer kann man nicht reisen. Auch nicht kostengünstiger.
Für die Strecke von Guangzhounan nach Yangshuo zahlen wir 38€ pro Person.
2:03h braucht der Zug für 379 Kilometer mit vier Stationen.
Genau fünf Minuten bevor unsere Station erreicht ist, erhalte ich auf meiner Watch den entsprechenden Hinweis.
Technik die begeistert.

Dass die Züge pünktlich sind, ist in China selbstverständlich. Was sonst?
Die Schienen sind ja schon da und der Plan tagtäglich der Gleiche 🤷‍♀️

Ein schönes Gimmick von Trip.com - also wenn man dort das Ticket gekauft hat - ist die Info dass man in 5 Minuten das Ziel erreicht.


Guangxi

Die Guangxi Zhuang Autonome Region liegt im Süden Chinas an der Grenze zu Vietnam. Auf einer Fläche von rund 236.000 Quadratkilometern leben rund 50 Millionen Menschen. Damit ist Guangxi etwa zwei Drittel so groß wie Deutschland. Nanning heisst die Hauptstadt und ist das wirtschaftliche und politische Zentrum der Region. Weitere bekannte Städte sind unter anderem Guilin und Yangshuo. Beide Orte stehen auf unserem Plan.

Guangxi,China2026,born4travel.de

Guangxi ist keine gewöhnliche Provinz, sondern eine sogenannte Autonome Region.
Autonome Regionen sind höchste Ebenen ethnischer Selbstverwaltung in China und bieten besondere Rechte, in denen besonders viele ethnische Minderheiten leben. Eine Autonome Region ist direkt der Zentralregierung unterstellt. Genau wie Provinzen. Guangxi ist erst seit 1958 eine Autonome Region.

Yangshuo,China2026,born4travel.de

Die Zhuang sind mit rund 16 bis 18 Millionen Angehörigen die größte ethnische Minderheit Chinas. Sie stellen etwa ein Drittel der Bevölkerung Guangxis und prägen die Kultur der Region bis heute.
Neben den Zhuang leben zahlreiche weitere Volksgruppen in Guangxi. Dazu gehören die Yao, Miao, Dong, Mulao, Maonan, Hui und Yi.
Insgesamt gehören mehr als 18 Millionen Einwohner einer ethnischen Minderheit an.
Damit weist Guangxi einen der höchsten Anteile ethnischer Minderheiten in ganz China auf.
Viele dieser Gruppen verfügen über eigene Sprachen, traditionelle Trachten, Musik- und Tanzformen sowie jahrhundertealte Bräuche, die bis heute gepflegt werden.

Historisch war Guangxi lange Zeit eine wichtige Verbindungsregion zwischen China und Südostasien.
Die Nähe zu Vietnam sowie die Lage an alten Handelswegen führten dazu, dass sich hier unterschiedliche Kulturen und Traditionen vermischten. Noch heute unterscheidet sich Guangxi kulturell deutlich von den großen Metropolen an der Ostküste Chinas.

Weltweit bekannt ist die Region vor allem durch ihre außergewöhnliche Landschaft. Die berühmten Karstberge entlang des Li-Flusses zwischen Guilin und Yangshuo gehören zu den bekanntesten Naturwundern Chinas. Über Millionen von Jahren formte die Erosion aus gewaltigen Kalksteinablagerungen jene bizarren Bergformationen, die heute auf zahllosen Gemälden, Fotografien und sogar auf chinesischen Banknoten zu sehen sind.

Neben den Karstbergen prägen aber auch Reisfelder, Flusstäler, subtropische Wälder und traditionelle Dörfer das Landschaftsbild. Teilweise wähnen wir uns sogar in Vietnam.
Guangxi wirkt auf uns sehr ursprünglich.

Yangshuo

Eine der Hauptattraktion Guangxi‘s ist „Fenglin“.
Fenglin heißt übersetzt Gipfelwald. So werden diese isoliert stehenden Karstberge hier genannt.
Wer kennt nicht das Bild des Fischers auf einem Bambusfloß der einen Kormoran hält und im Hintergrund ragen diese Karststeine aus der Erde?
Für uns ist es der vierte Anlauf die Dramatik der Karstberge einzufangen.
Zwei Mal waren wir schon bei Nebel und Regen in Vietnams Tam Coc. Hier wo diese Landschaft die südliche Flanke bildet. Und bei schönstem Wetter waren wir dann im April 2025 in Bản Giốc. Das liegt direkt an der chinesischen Grenze. Und schon damals war mir klar: Ich will die chinesischen Karstberge auch sehen.
So kam der Ort Yangshuo ins Spiel. Ein Hotel so mittendrin ist auch schnell gefunden.

Der kleine Ort Yangshuo ist unser heutiges Ziel.

Während uns also Guangzhou noch bei kuschelig warmen Temperaturen verabschiedet, empfängt uns zwei Stunden später, Yangshuo bei knallharten 16 Grad. Das Wetter ist mies.
In meinen Sandalettchen und T-Shirt stehe ich temperaturtechnisch praktisch am Nordpol.
Das Taxi ist leider nicht mehr so komfortabel wie in der Großstadt.
Und da chinesische Taxifahrer keinen Schmerz damit haben, ihr Auto vollzurauchen und den Gast dann bei offenen Fenstern durch die Gegend zu kutschieren, bin ich schon unterwegs total durchgefroren.

Beim Blick aus dem fahrenden Auto fühlen wir uns beide nach Vietnam versetzt. Es sieht keinen Deut anders aus. Es sind die flachen stilistisch gleichen Häuser mitten zwischen den Feldern, die genauso aussehen.
Nur die Karststeinsäulen - die sind hier anders. Dichter beieinander und deutlich höher.

Unser 1Q84 Yijia Homestay ist definitiv ein Glücksgriff.
Unser Zimmer Nr. 508 ist für mich der Inbegriff für Japanische Raumkunst.
Die Aussicht durch vollverglaste Wände zu zwei Seiten entschädigt für die Anfahrt.
Es ist ein Traum. Wir befinden uns mitten zwischen riesigen Karststeinen.

Die Ausstattung, die auf den ersten Blick eher sehr basic wirkt, lässt keine Wünsche offen.
Die Dusche ist riesig, die Toilette natürlich "intelligent". Die Badewanne vor dem Fenster ist nicht nur gigantisch, nein. Am Beckenrand steht Badesalz und eine Folie zum Auskleiden der Badewanne zur Verfügung. So badet man definitiv keimfrei 😉
Zur Ausstattung gehören natürlich Badelatschen (in Folie eingeschweisst) und Hausschuhe. Ausserdem gibt es Flüssigwaschpulver, für die kleine Handwäsche.
Auf dem Tisch steht eine Schale mit zuckersüßen Mandarinen und ebensolchen Erdbeeren.
Da kann man sich doch nur wohlfühlen!

1Q84 Yijia Homestay in Yangshuo,China2026,born4travel.de
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1Q84 Yijia Homestay in Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Das Frühstück, das hier angeboten wird, ist im Zimmerpreis inkludiert.
Das Abendessen nicht. Wir zahlen zusammen weniger als zehn Euro. Es ist sehr lecker.

1Q84 Yijia Homestay in Yangshuo,China2026,born4travel.de

Diese schönen Täubchen kamen täglich an unser Fensterbrett. Sie sind auch gar nicht schreckhaft. Obwohl ich mich hinter der Scheibe sehr nah ran geschlichen habe, bleiben sie sitzen. Sie sehen schon etwas ungewöhnlich aus.
Es ist ein Altorientalisches Mövchen. Diese Rasse hat ihren Ursprung in Kleinasien, insbesondere im Osmanischen Reich wo sie über Jahrhunderte für den Hof der Sultane gezüchtet wurde. Der Name "Mövchen" irritiert ein wenig. Es ist nämlich keine Möwe, sondern eine Taubenrasse. Der Name entstand, weil diese Tauben durch ihren kurzen Schnabel, die runde Kopfform und den kleinen Federkragen an der Brust etwas an Möwen erinnern.
Wieder 'was dazugelernt.

Altorientalisches Mövchen in Yangshuo,China2026,born4travel.de

Eine heiße Dusche später ist dann auch klar: Ich habe eine Erkältung.
Und so bleiben wir den nächsten Tag, der eh total verregnet ist, im Zimmer. Beziehungsweise im Hotel. Es ist sowieso viel zu schön um es zu verlassen.

Auf der gleichen Etage befindet sich ein Café.
Es scheint ein In-Café zu sein. Jedenfalls lungern hier Gäste, denen die bestellte Speise nebst Getränk vollkommen egal sind. Es geht nur um das gelungene Foto.
Das Foto vom Essen - das Foto mit dem Essen - oder auch nur ein Selfie mit dem Hintergrund, das sich hinter den verglasten Scheiben befindet. Damit kann man sich Stunden beschäftigen.
Und wir beobachten, wie all die schönen Fotos von kleinen Chinesinnen entstehen.
Da kann man echt noch etwas lernen. Da spielt der Kaffee im niedlichen Becher so keine Rolle.
Da wird auch mal die Deko im Café verschoben, damit das Bild genial aussieht. Und es stört die Cafébetreiber so gar nicht. Hier geht es um - zugegeben - schöne Aufnahmen.
Zu Zeiten als ein Film noch 36 Bilder hatte, wären wohl viele Filme draufgegangen.

1Q84 Yijia Homestay in Yangshuo,China2026,born4travel.de

Nachdem wir gestern Abend im Hotel diniert haben, geht's am zweiten Abend in das angesagte "Cave Restaurant". Das liegt direkt in einem dieser Karststeine. Es ist ziemlich groß und ich will ganz ehrlich sein: So ganz wohl ist es mir in so einer Höhle nicht.
Das Geschirr auf unserem Platz ist eingeschweißt und wir fragen uns, ob das gerade gekauft wurde.
Nein - ist es nicht. Da ist ein Klebchen drauf, dass und wann es desinfiziert wurde. Abgesehen, dass das Personal total lustlos unterwegs ist, wird erst die Reservierung angenommen, um uns eine Viertelstunde später mitzuteilen, dass diese Speise ausgegangen ist. Für diesen „Wechsel“ stehen dann auf der Rechnung 10¥ Mehrpreis.
Das im Netz gelobte „lokale Essen“ kommt nach und nach. Der Reis wird vollkommen vergessen aber nach viel Winken nach einem Kellner wird der doch noch nachgeliefert.
Eine Speise ist dann doch wieder etwas anderes… also nee. Leute!

1Q84 Yijia Homestay in Yangshuo,China2026,born4travel.de

An der Kasse müssen wir die Rechnung etwas modifizieren lassen. Und dann haben wir noch etwas mehr Spaß mit dem Übersetzter. Denn man berechnet uns das Geschirr. What???
Als Rainer dann fragt, ob wir das dann mitnehmen dürfen, kriegen sie einen Lachkrampf.
Na ja. So ist das mit den Grenzen einer KI.
Wahrscheinlich ist diese Gebühr so etwas wie dieses „coperto“ in Italien bzw. in Frankreich.


Am folgenden - unserem letzten Tag hier in Yangshuo - ist es nur noch bewölkt.
Wir leihen uns ein Moped aus und fahren in den Ort Yangshuo.
Unterwegs tangieren wir den Guilin Romance Park, an dessen Eingang diese monumentale Statue von Liu Sanjie, der legendären „Singenden Fee“ aus Guangxi steht. Der Überlieferung nach war sie für ihre wunderschöne Stimme und ihre schlagfertigen Gesänge bekannt. Sie gilt als Symbol der Kultur und Volksmusik Südchinas.
Eigentlich hatte ich ja geplant, hier an einer Vorstellung teilzunehmen. Denn im Park findet allabendlich die aufwändig gestaltete Show „Romance of Guilin“ statt. Ich wollte die Tickets aber wetterabhängig kaufen. Das war eine gute Entscheidung. Denn an keinem unserer Abende hier möchte ich draußen sitzen. Es ist nicht nur saukalt sondern auch noch regnerisch.

Yangshuo,China2026,born4travel.de

Yangshuo

Mit seinen 300.000 Einwohnern gilt Yangshuo für chinesische Verhältnisse als Dorf.
Hier lebt man vom Tourismus.
Dabei sind nicht wir Ausländer gemeint. Westliche Besucher kann man - uns eingerechnet - an einer Hand abzählen. Es geht um Landsleute.
Hier leiht man sich Trachten der Minderheiten aus und macht natürlich Aufnahmen von sich selbst. Die gefühlten Minusgrade spielen keine Rolle. Die Mädels sind tough und stehen auch Modell in einem Nichts an Kleidung.

Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Hier hängen die typische Pekingenten.
Die unten im Körbchen sind noch quicklebendig.

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Das war auch echter Zufall, dass ich diese Marktfrau erst beim Verkauf am Vormittag fotografiert habe. Viele Stunden später, auf unserem Rückweg Richtung Unterkunft haben wir sie nochmals gesehen. Für sie war der Arbeitstag dann beendet.

Yangshuo,China2026,born4travel.de

Wir drehen eine Runde auf dem Gelände und entscheiden, mit dem Taxi weiterzufahren. Unser anvisiertes Ziel wäre einfach zu weit, um es mit dem Moped zu erreichen. Ausserdem habe ich heute früh feststellen müssen, dass ich dieses Mal ziemlich kopflos gepackt habe und keine einzige Jacke eingepackt habe 😐

Ruyi Cable Car Scenic Area

Yangshuo,China2026,born4travel.de

Didi bringt uns in die etwa vierzig Minuten von Yangshuo entfernte Ruyi Cable Car Scenic Area. Ein Naturgebiet, das sich über eine weitläufige Karstlandschaft mit mehreren Berggipfeln und Tälern erstreckt.
Unterwegs gibt es schon mal die ein oder andere schöne Formation. Hier zum Beispiel eine mit einem Loch. Ein ähnliches Exemplar haben wir schon im letzten Jahr geographisch gesehen ganz in der Nähe gesehen. Das war in Vietnam und nannte sich God's Eye.

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de

Was uns jetzt schon in China gefällt, dass man hier einfach so ankommen kann und nicht vor elend langen Warteschlangen steht. Dabei ist diese Attraktion eine der wichtigsten der Region und der Provinz. Auch der Eintrittspreis ist sehr moderat. Dazu kommt, dass wir über 60Jährigen nur die Hälfte zahlen. Also etwa 12.50€ pro Person. Das ist, wenn man bedenkt, was wir nun geboten bekommen, wirklich wenig.

Die Erkundung beginnt mit einer Seilbahnfahrt. Es gibt eine Warteschlange. Die wird zügig abgearbeitet. Dennoch schleust man uns durch eine Schnellreihe. Wahrscheinlich weil wir die einzigen Ausländer hier sind. Alle anderen Besucher sind Einheimische.

Die Seilbahnfahrt ist etwa 2 Kilometer lang (2.012 m) und überwindet einen Höhenunterschied von etwa 240 Metern.
Der Ausblick auf die bizarren Kalksteinberge, ist einfach sensationell.
Es geht nicht nur zwischen sondern teilweise über einige Karststeine.
Ein Augenschmaus!

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Die Fahrt endet am Yuanbao Peak, dem Nachbarn des Namensgebers, dem eigentlichen Ruyi Peak. Auf einem 400 Meter hohen Stein ist Endstation. Es folgt ein kleiner Hike auf gut präpariertem Weg. Am Ende erwartet uns die erste Hängebrücke. Die führt zum eigentlichen Ruyi Peak.
Der Berg verdankt übrigens seinen Namen seiner geschwungenen Silhouette, die an ein „Ruyi“ erinnert. Das ist ein traditionelles chinesisches Glückssymbol, das für Wohlstand und die Erfüllung von Wünschen steht.

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Auf der anderen Seite angekommen, erklimmt Rainer noch den Berg, während ich mich schon auf den weiteren Weg mache. Richtung einer weiteren, nun aber teilweise verglasten Brücke.
Für das Betreten gibt es gleich am Anfang ein Paar Schuhschoner.

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Die gesamte Brückenkonstruktion ist tiefer gelegen als die Station der Seilbahn und so folgt ein ordentlich straffer Aufstieg.
Noch sind wir neu in China und wundern uns ein wenig über die vielen Imbissstände auf dem doch relativ kleinen Abschnitt des Spaziergangs. Tatsächlich werden wir im Laufe der Reise noch "lernen", dass Chinesen ständig und überall essen müssen. Wahrscheinlich kann man deshalb überall und ständig Gegrilltes und Gekochtes kaufen. Die Verkäufer müssen also auch keine Angst haben, dass sie auf ihrem Essen sitzenbleiben. Denn es wird immer gut konsumiert.

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de

Im letzten Abschnitt gibt es eine weitere interessante Attraktion:
Wer will, kann ein Stück auf einem Glasbodensteg entlang des steilen Karstfelsens laufen.
Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen!

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de
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Natürlich wäre es schöner - wenn das Wetter schon so mies sein muss - wenn der Himmel irgendwie dramatischer wäre.
Von mir aus mit deutlichen Wolkenkonturen. Oder Nebelschwaden. Aber dieser Matschepampen-Himmel macht die Bilder langweilig. Dennoch werden wir am Ende des Tages happy über den Besuch sein und letztendlich wird dieser Tag zum Highlight des gesamten Aufenthaltes hier.

Mit Didi geht es wieder zurück.
In Yangshuo wartet schon unser Moped auf uns. Beim Bäcker holen wir uns kleine Küchelchen, die überraschend lecker sind. Wer hat denn gedacht, dass Chinesen auch Kuchen können. Und was für einen!

Ruyi Cable Car Scenic Area,Yangshuo,China2026,born4travel.de

Nach drei Nächten in diesem schönen Homestay verabschieden wir uns auch von unserer liebevollen Rezi-Dame, die uns als China-Neulinge in vielerlei Fragen helfen konnte. Zum Abschied gibt es noch mehr als ein Kilo frisch- und selbstgepflückte Mandarinen aus den Bergen.
Schön war’s !

Mit einer Zugfahrt - sozusagen in Lichtgeschwindigkeit von zwanzig Minuten für 80 Kilometer - fahren wir mit dem Zug nach Guilin. Das Ganze bei einem Kostenpunkt von knapp 8€ pro Person.

Leider ist das Wetter in Guilin noch mieser. Es regnet - zeitweise sogar Bindfäden.
Dafür ist das Hotel dagegen toll.
Gleich vier Empfangsdamen kümmern sich um uns. Nur eine von ihnen kann etwas (sehr schlecht) englisch. Die anderen dagegen sprechen kein Wort. Sie alle verständigen sich mit uns über den Übersetzer auf dem Handy. Was ich hier noch nicht weiss: Das heisst in China "englischsprachiges Personal" 🤣
Sie alle sind aber so um unser Wohl bemüht. Man kann ihnen gar nicht böse sein.

Wir bekommen ein Zimmer mit einer wunderbaren Aussicht auf den Fluss. Nur dass man wegen dem Wetter nur bis auf die gegenüberliegende Seite der Straße schauen kann. Aber dafür kann ja hier keiner. Die Ausstattung ist etwas für Technikverliebte. Wir kommen aus dem Staunen nicht raus.
Hier stehen Sachen drin - da fragen wir uns: Was ist das? Wofür wird es benutzt?
Alle Getränke im Kühlschrank - es sind Softdrinks - sind kostenlos.

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Der Raum selbst ist ganz asiatisch eingerichtet. Ich würde sagen Japanisch. Aber vielleicht sind auch Chinesen so eingerichtet. Der Teil, wo unsere Betten stehen, befindet sich auf einem Podest. Da tritt man niemals mit Schuhen drauf. Leider vergesse ich die Stufe und stürze der Länge nach ziemlich unglücklich auf den 15 Zentimeter tieferen Boden.
Ob die Stunde chinesische Massage die Blessuren irgendwie ausbügeln kann - wird sich morgen erst zeigen.

Rainer macht sich nochmals auf in einen offiziellen DJI Shop. Noch immer versucht er eine Genehmigung für's Drohne fliegen zu bekommen. Aber auch hier wird er enttäuscht. Trotz größtem Engagement des Verkäufers wird das nix. Ausländer erhalten momentan keine Genehmigung.

Wir essen im Hotelrestaurant zu Abend. Das typische Gericht Guilings, den Beerfish gibt es für Hotelbewohner kostenlos. Ich muss mir etwas anderes suchen, da ich kein Seafood esse.
Als wir aus dem Aufzug aussteigen huschelt ein Servierroboter an uns vorbei und „steigt“ in den Fahrstuhl, um eine Bestellung aufs Zimmer zu bringen. Ok. spätestens jetzt fühle ich mich wie aus der Vergangenheit in die Zukunft katapultiert.


So geht es weiter

Am nächsten Morgen ziehen wir weiter.
Es wird nicht nur wieder herrlich warm - wir landen in einem Stadtteil, dessen Bauten unwirklicher kaum sein könnten.