Der Steinwald in ShiLin
27. März ⋅ ☀️ 27 °C
Elf Uhr steht ein VW Passat nebst Fahrer für uns bereit.
Für 700¥ (knapp 90€) bringt er uns nach Shilin, wartet so lange vor Ort, bis wir mit unserem Parkbesuch fertig sind - unabhängig von der benötigten Zeit -
um uns dann wieder am Hotel abzusetzen. Eigentlich könnte man Shilin's Steinwald auch viel preiswerter mit dem Zug/Bus erreichen. Beim genauen Hinsehen
wählen wir allerdings diese Variante ab. Sie ist zu zeitintensiv. Sicherlich super, wenn man gleich in der Nähe des Perks übernachtet.
Für einen Tagesbesuch ist die Taxi-Variante aber effektiver.
Seit Fahrstil würde ich als ruppig bezeichnen. Jeden Spurwechsel spürt man ganz deutlich.
Und dann das ständige Gas geben, um kurz darauf wieder abzubremsen - das nervt🙄
So eine Fahrweise hatten wir bisher noch nie erleben müssen.
Aber ich seh‘s positiv. Statt die prophezeiten anderthalb Stunden Fahrt sind wir schon in knapp einer Stunde am Ziel.
Er bringt uns dann noch zum sehr versteckten Kassenhaus. Wir sind ihm sehr dankbar dafür. Wahrscheinlich hätten wir dafür viel Zeit verloren. Bevor wir uns verabschieden, geben wir ihm unsere Tasche mit der Drohne. Denn wir erhalten keine Genehmigung zum fliegen.
Der Eintritt für uns beide Senioren kostet 178¥ (22.45€). Und dass wir Senioren sind, müssen wir nicht einmal sagen. Man muss sich hier eh überall ausweisen. Dann wird automatisch darauf geachtet.
Shinlin
Shilin ist der berühmte „Steinwald“ in der chinesischen Provinz Yunnan. Auf dieses Reiseziel aufmerksam geworden bin ich – wie so oft – durch Instagram. Ein beeindruckendes Foto von bizarren Steinsäulen, die aus dem Wasser ragen, weckte sofort mein Interesse. Die außergewöhnlichen Felsformationen wirkten fast surreal und so kam dieses Ziel sofort auf meine China-Wunschliste.

Es wird geschrieben, dass der Steinwald zu den beeindruckendsten Naturwundern Chinas zählt. Ob wir das bestätigen können, wissen wir zu diesem
Zeitpunkt noch nicht. Aber eines ist bereits am Eingang, wo die ersten Felssäulen stehen, klar: Solche Formationen haben wir tatsächlich noch nie gesehen.
Ich behaupte ja gern, dass sich die Natur auf den verschiedenen Kontinenten immer wiederholt. Das kann ich in diesem Fall jedoch nicht bestätigen.
Die bizarren Felsformationen wirken einzigartig.
Was sich allerdings wiederholt, ist die Geschichte ihrer Entstehung:
Wasser und Wind haben über Millionen von Jahren den Kalkstein geformt und diese außergewöhnliche Landschaft erschaffen.
In dieser Hinsicht also nichts Neues.
Zum ersten Mal erleben wir chinesische Reisegruppen en masse. Es ist eigentlich nicht das Laute, das etwas aufdringlich ist. Schließlich sind auch wir
manchmal als Gruppe unterwegs. Und auch wir sind laut.
Nein. Es ist das Drängeln. Je älter desto schlimmer. Da denke ich, der alte Opi neben mir ist so alt, der fällt gleich um - von ihm geht keine Gefahr aus.
Und dann, als die Schranke geöffnet wird, drängelt er, als ob es kein Morgen gäbe.
Aber so sind sie und wir wollen ja sehen wie das Land tickt.
Mit einem ersten Shuttle fahren wir erst an den eigentlichen Eingang des Parks. Ab hier spazieren wir einen Kilometer entlang eines See’s und hoffen,
nun einen Buggy zu bekommen - der übrigens zusätzlich gekauft werden muss.
Dieser soll uns weit weg vom hustle & bustle bringen soll. So der Plan.
Aber Nix ist.
Niemand versteht uns und einen Shuttleservice, wie er auf der Map eingezeichnet ist, gibt es nicht.
Wir irren also etwas lost hin und her.
Der eine sagt, wir sollen da oder da gehen… Boa. Ich bin bedient.
Das ist nicht, was ich im Park sehen und erleben wollte.
Eine Frau zeigt mir einen riesigen Stein und sagt im perfekten Englisch:
„I advise you to see this Stone“ dass wir da unbedingt hin müssen.
Der Stein ist beschriftet. So kam der wohl vor Millionen Jahren nicht aus der Erde geschossen… Näääh
Wie nicht anders zu erwarten, gibt es hier auch Verkaufsstände.
Und... Ja genau: Kleider zum Ausleihen für Fotosessions. Aber auch nur so zum Spazieren gehen und schön auszusehen.
Kinder werden da nicht ausgespart. Aber ich hab auch kein Kind gesehen, dass die Kleidung doof fand. Sie mögen es einfach.
Alle Chinesen scheinen es zu lieben sich zu fotografieren. Das haben wir schon gelernt.
Der Vorteil dabei ist, sie freuen sich, wenn ich sie fotografieren möchte. Kein Jammern über Privatsphäre. Nein. Sie bringen sich sofort in Stellung.
Letztendlich scheint es für sie wie ein Lob zu sein.
Und so reicht meine Andeutung mit dem Handy und schon wird das Kind in die Mitte geschoben,
die etwas Ältere weiss eh wie man post und so entstehen diese Aufnahmen.
Alles kann also auch einfach sein.




Nach dieser netten Erfahrung bleibt das Problem ungelöst, wie wir hier wegkommen. Hier, wo gefühlt viele Busladungen voller Menschen unterwegs sind.
Wir geben es also auf, den richtigen Shuttle zu nehmen und entscheiden jetzt in irgendeinen Shuttle zu steigen.
Nichts wie weg hier.
Wir fahren erst zu weit. Anscheinend sehen wir so bemitleidenswert aus, dass die Shuttlefahrerin uns an eine Station
wieder zurück fährt, wo der Wanderweg, den ich ihr immer wieder auf der Map zeige, beginnt.
Den hilflosen Ausländern muss doch geholfen werden😉

Es ist Station 2. Hier sind wir die Einzigen und wandern los. Aber das Ziel der Begierde ist in Natura viel zu weit weg. Allein der anfängliche Weg
ist einfach langweilig. Von den typischen Steinen keine Spur. Nur am Horizont ist etwas zu sehen. Auf der stilisierten Karte sah das aber alles
viel machbarer aus.
Also kehren wir zum Hauptweg zurück und gehen den zu Fuß.
Die erste Aussichts-Plattform ist nicht schlecht. Aber noch immer bin ich nicht zufrieden. Noch immer habe ich das Bild aus dem Netz im Sinn. Da werde ich wohl nicht einem KI-Foto auf den Leim gegangen sein. Aber nein.




Als wir Station 3 erreichen, schlägt Rainer vor, auf den nächsten Shuttle aufzuspringen.
Das kann ich jetzt nicht glauben. Ich fahr doch nicht auf Allerweltsstrecken.
Ich laufe!
The Sword Peak Pond
Ein schmal gepflasterter Weg - ganz ohne Hinweisschild - führt Richtung einer Ansammlung von Steinsäulen. Hier ist fast niemand. Auf dem folgenden
Weg begegnen wir nur nur noch drei weiteren Paaren. Das kann nur gut werden.
Wir laufen ganz nah und dann auch mitten zwischen den Säulen. Das ist es, was ich erleben wollte. Die Formationen werden immer interessanter.
Endlich kommt eine Beschilderung.
„Pond“ steht da. Klingt nach dem, was ich im Netz gelesen habe.




Der endgültige Zugang ist etwas versteckt. Aber durch die Wegführung kann man sich kaum noch verlaufen. Und das Erste, das wir sehen, ist genau das, was ich
gesucht habe: Säulen - bis zu 30 Metern hoch - ragen aus dem grünen Wasser.
Es erwartet uns mein besonderer Teil des Parkbesuchs.



Das Wasser stammt hauptsächlich aus natürlichen Quellen und dem unterirdischen Karst-Wassersystem. Der Steinwald besteht aus Kalkstein, der über Millionen von Jahren von Regenwasser aufgelöst wurde. Dabei entstanden nicht nur die markanten Felsformationen, sondern auch ein weit verzweigtes Netz aus unterirdischen Wasserläufen. Das Regenwasser versickert in diesem porösen Kalkstein, sammelt sich in Hohlräumen und tritt an tiefer gelegenen Stellen wieder als Quelle aus. Der Sword Peak Pond wird von diesem natürlichen Wasserkreislauf gespeist, wobei das Wasserniveau zusätzlich von den saisonalen Niederschlägen beeinflusst wird.




Es gibt einen Rundweg mit Geländer. Sensationell.
Auf Fotos einfach schwer darstellbar. Das muss man mit den eigenen Augen sehen.
Wir sind nicht ganz allein hier. Es sind nur wenige Besucher hier. So bleibt das Wasser spiegelglatt.






Dann gehts zurück. Der Weg bringt uns wieder zur Station 2.
Der Shuttle bringt uns zur Endstation. Beziehungsweise zur Endstation des Shuttleservice. Der eigentliche Ausgang ist noch etwa zwei Kilometer entfernt.

Und während wir unterschiedlicher Meinung darüber sind, ob nun alle Wege zum Pond führen, steht da eine Tafel mit einem Wegeplan. Nee. Nicht alle Wege
führen zum Pond.
Ziemlich verwundert sind wir aber, dass dies hier ist der Zugang zu einer weiteren Sensation ist. Die Bilder sehen vielversprechend aus.
Werden wir wohl die noch schaffen?
Wir gehen einfach los und lassen es drauf ankommen.
Wieder sehen wir wunderbare Steinformationen. Wieder fühlt man sich von der Schönheit wie eingesogen und geht weiter.
The Orchid Gorge
Die Orchid Gorge gehört dann neben dem Pond wohl auch noch zu den eindrucksvollsten Bereichen des Shilin-Steinwaldes. Der schmale Felsspalt ist 70 Meter lang, fünf bis acht Meter breit und die Wände ragen etwa zwanzig Meter nach oben.



Wieder geht es treppauf und treppab.
Mein linkes Knie will nicht mehr. Aber es muss hier durch.
Ich will den tiefsten Slot wenigstens sehen.
Und am Ende sehe ich ihn. Aber die vielen Treppen nach unten und wieder hoch schafft nur Rainer.





Langsam gehe ich schon zurück und entdecke wieder Neues.
Wieder Fotogenes.





Jetzt tut es mir schon leid, keine wirklich gute Karte gehabt zu haben. Die Zeit wird knapp. Sicher gibt es hier im Gebiet noch das ein oder andere Schmankerl.



Am Ende sind wir wirklich fix und foxy - Aber absolut glücklich.

Wir zahlen nochmals 30¥ (etwa 3.80€), um nicht mehr laufen zu müssen.
Dafür fahren wir in einem blumengeschmückten „Zug“ zur Shuttle Station, wo uns der Shuttle zum Ausgang bringt.

Unser Fahrer bringt uns wieder in Lichtgeschwindigkeit nach Kunming. Schön war‘s. Aber zu kurz. Man hätte am Park übernachten können, um das Areal intensiver zu nutzen. Na ja. Beim nächsten Mal.
Am Abend gehen wir nochmals Richtung Jinbin Plaza.
An einem Gemüsestand kaufen wir dann noch Vitamine in Form von Weintrauben. Also wenn das welche sind 🤷♀️
Denn eine Traube hat einen Durchmesser einer 2-Euro - Münze…

Beim Vietnamesen gibt es eine leckere Pho.
Und… zwei Dosen gezuckerte vietnamesische Kondensmilch. Meine mitgebrachte neigt sich nämlich dem Ende.
Und dann schlendern wir zum letzten Mal durch die Seitengassen der Fußgängerzone.
Ein letztes Foto widme ich dem schön und dezent beleuchteten Jinma-Tor bevor es zurück geht ins Hotel.



So geht es weiter
Schön war's in Kunming.
Hier hat mir alles gefallen. Ich frage mich, ob das überhaupt noch zu toppen ist.
Morgen gehts weiter. Nach Dali. Es ist die erste von vielen Stationen in Orten mit einer noch intakten Altstadt. Ancient City heissen die hier. Ich bin gespannt was uns erwartet.

