Gedanken zur Reise

Es geht wieder los.
Gen Osten.
Und ich hör‘s bis hierher:
„Hä? Die sind doch gerade aus Oman&VAE zurückgekommen 🤔“
Ja das stimmt. Aber die Tickets für die kommende Reise haben schon viel länger auf ihren Einsatz gewartet. Genau seit Mai 2025.
Kurz bevor sich die Regelung für die Meilenflüge bei der LH in ein dynamisches System wandeln. Bevor man für eine jede BC-Reise meist viel mehr Meilen benötigt, buche ich BER-MUC-BKK und PVG-ZRH-BER.

Bangkok macht sich einfach gut als Hub. Wir mögen die Stadt zum Aufwärmen und zum Jetlag ausleben. Wie gut diese Entscheidung sein wird, wird sich aber erst neun Monate später erweisen.
Noch im Mai 2025 hatte ich nämlich einen Plan im Sinn:
Einige Wochen Kambodscha, anschließend eine Phở in Hà Nội schlürfen und den Rest der Zeit etwas China erobern.
Ein Plan, der bis Mitte Dezember im Schubfach liegt aber dann leider total geändert werden muss.
Denn in der Zwischenzeit eskaliert der langjährige Grenzkonflikt zwischen Kambodscha und Thailand soweit, dass im Dezember das AA vor Reisen in viele meiner gewählten Gebiete Kambodschas warnt.
Wirklich schweren Herzens streiche ich Ende Dezember also Kambodscha vom Plan. Und damit auch Hà Nội.

Ein neuer Plan muss her.
Sieben intensive Planungstage später steht Plan B:
Drei Nächte BKK und 62 China.
Die Routenfindung und die Hotelbuchung ist nicht anders als für andere Länder, die wir bereisen.
Anders ist aber, dass wir in China nur mit Zügen unterwegs sein werden.
Für zwei Streckenabschnitte allerdings buche ich einen Flug. Zu lang und zu zeitfressend wäre die Zugfahrt.

China mal so im geografischen Vergleich zur Deutschland gesehen:

China2026,born4travel.de

Die Feinplanung

Der Countdown startet am 25.Februar, als wir aus Dubai in Berlin einschweben.
Genau vierzehn Tage haben wir Zeit bis zur Abreise, um einen Berg an Vorbereitungen abzuarbeiten:

Da wäre das Wichtigste: Das Visum.
Schon Mitte Februar hat Rainer den Visa-Antrag online gestellt.
Gleich am nächsten Tag nach unserer Ankunft in Berlin geht’s ins chinesische Konsulat, um dort die Pässe abzugeben.
Eine Woche später sind diese dann abholbereit.
Es läuft…

Als Nächstes beginne ich Tickets auf meiner neuen Lieblings-Buchungsplattform Trip.com für die Bahn zu buchen.

Abgesehen davon, dass es unvorstellbar viele Verbindungen zwischen den einzelnen Orten gibt - da jeder Ort x verschiedene Bahnhöfe hat - gibt es zudem verschiedene Zugtypen.

Ich lerne:
G-Züge sind die super schnellen Hochgeschwindigkeits-Züge.
D-Züge sind „nur“ noch schnell.
K-Züge sind super langsam.
Dazwischen gibt es noch andere Kategorien, die für uns aber nicht relevant sind.
Verschiedene Züge haben zudem verschiedene Klassen im Angebot:
G-Züge haben eine Business Class. Das heisst sie haben Liegesitze wie im Flugzeug.
D-Züge bieten nur 1. und 2.Klasse. Und Stehplätze. Letztere gibt es wiederum in den G-Zügen nicht.

Zugtickets werden in China generell genau 14 Tage vor dem Termin zum Verkauf freigegeben. Bis dahin ist der Kauf immer nur eine Reservierung. So habe ich - am Tag der Abreise in Berlin - genau sechs Buchungen und nur ein gekauftes Ticket in der Tasche, zwei davon sind auf der Warteliste. All die anderen sind noch nicht im Verkauf.
Beruhigend klingt das nicht.
"Was ist, wenn wir kein Ticket bekommen?" fragt Rainer.
Schwer darauf jetzt schon eine Antwort zu haben. Aber irgendwie bin ich bin mir sicher, vor Ort eine Lösung zu finden.

Die nächste Herausforderung ist das Einrichten der richtigen Apps.
China ist digitalisiert - heisst es.
Alles - so heisst es weiter - macht man per App.
Bargeld hat keine Bedeutung mehr. Das ist was wir mögen. Das entspricht unserem Reiseverhalten. Wir lieben es bargeldlos unterwegs zu sein.

Die wichtigsten Apps sind Alipay und WeChat.
Mit Alipay - das klingt schon logisch - kann man zahlen. Aber so einfach sind chinesische Apps nicht gestrickt. Alipay vereint wiederum andere Apps. Zum Beispiel Trip.com zum Buchen von Hotels und Zugtickets. Zum Buchen von Attraktionen. Und Didi. Eine App mit der man Taxis ordert. Und dann ist da noch eine Übersetzungs-App inkludiert… und vieles mehr, mit dem wir noch nichts anzufangen wissen.
WeChat ist das Pendant zu WhatsApp. Aber auch diese App ist weitaus hilfreicher, als zum zwischenmenschlichen Labern. Mit WeChat kann man auch Zahlungen vornehmen. Und Taxis ordern.
Zum Ganzen habe ich noch die TripApp. Zum Buchen der Hotels, Flüge, Zugtickets und Attraktionen.
Und dann wäre die A-Map App. Diese App ist praktisch das Pendant zu GoogleMaps. Nur dass man auch mit dieser App Taxis bestellen kann.
Einiges überschneidet sich und wirkt momentan noch etwas verwirrend.
Aber kompliziert? Nein. Eher erwartungsvoll und aufregend.

china app,China2026,born4travel.de

Viel komplizierter gestaltet sich die Recherche nach der besten eSIM. Denn nicht mit jeder eSIM funktioniert der Zugang zu unseren gewohnten Apps wie Google, WhatsApp und all den sozialen Medien. Hier bedarf es eines VPN, die die chinesische Firewall durchbrechen - so lesen wir es im Netz.
Ich darf hier schon mal vorgreifen: Es ist alles viel einfacher als erwartet.

Wir beide sind gefühlt rund um die Uhr am stöbern und recherchieren.
Zuletzt entscheiden wir uns für eine "eSIM für das chinesische Festland" von Trip.com. Diese findet man übrigens in der App unter der Rubrik Attraktionen und Touren. Für sensationelle 8.57€ erhält man 20GB für 90 Tage. Zusätzlich installieren wir das NordVPN.
Ob das alles so funktioniert, wie wir uns das denken, wissen wir zu dieser Zeit noch nicht. Es bleibt also spannend.

Zwei Tage vor Abflug wissen wir aber auch noch nicht, ob unsere Abreise überhaupt stattfinden wird.
Die Piloten-Gewerkschaft beschließt zu streiken. Und wir sind betroffen.
Nun ist guter Rat und viel innere Ruhe gefragt. Sollen wir umbuchen oder nicht?
Der Anruf im Servicecenter einen Tag vor dem Abflug - übrigens bei einer Wartezeit von etwa einer halben Minute - ist ernüchternd.
Eine Umbuchung sei möglich. Kostenlos - ja. Aber für den 12.3. sind schon alle möglichen Flüge ausgebucht.
Wir könnten am 13.3. über Wien mit Austrian fliegen.
Andere Verbindungen, z.B. mit Thai dürfen momentan nicht angeboten werden, solange der Flug nicht annulliert wurde.
Hm. Was also tun?
Fast bin ich schon geneigt, den ersten Flug von BER nach MUC gegen eine Zugfahrt zu tauschen.
Denn ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man eine A380 ausfallen lässt.
Tut man dann auch nicht.
Aber den wahren Grund erfahren wir erst, während wir schon in der Luft sind.
Am späten Nachmittag des Vortages erhalten wir eine Umbuchung unseres Zubringerfluges nach München. Für uns absolut ohne merkliche Änderung. Dieser Abschnitt wird nämlich von der Discover Airlines geflogen werden.
Discover Airlines - auch zu LH gehörend - ist am Streik nicht beteiligt.


Der lange Weg nach Bangkok

12. März in Deutschland ⋅ ⛅ 7 °C

China2026,born4travel.de

Am Abflugtag, dem ersten Streiktag gilt der erste Blick dem Handy. Gibt es etwas Neues? Wird der Flug nun doch noch in letzter Minute abgesagt? Nein. Wird er nicht.

Kurz nach 4pm geht’s zum BER.
Unsere Tochter bringt uns zum Airport, um gleich anschließend unseren Santa Fe für die Zeit unserer Abwesenheit zu nutzen und zu betreuen.
Denn Hybrid-Autos sind nichts für Langzeitreisende. Nach spätestens drei Wochen ist die Batterie leer. Aber das hat uns beim Kauf niemand gesagt 😐
So ist diese Ausleihe eine Win-Win-Situation - für beide.

Eigentlich habe ich am Airport Streikende erwartet. So wie ich das 2019 schon mal erlebt habe. Aber am Flughafen ist alles eher normal bis ruhig. Wahrscheinlich werden heutzutage auch Streiks im Homeoffice ausgelebt.
Der Duty Free Shop liegt natürlich - wie so oft auf den Airports dieser Welt - genau auf dem Weg zum Gate.
Ich kaufe da eigentlich nie ein. Das Konzept der preiswerteren Schnäppchen kann ich seit Jahren schon nicht mehr erkennen. Aber das scheint ausgerechnet heute ganz anders zu sein. Es herrscht fast gähnende Leere. Wahrscheinlich aufgrund der vielen gestrichenen Flüge will man irgendwie Umsatz machen und verteilt 20%-ige Rabattkarten. Etwas gelangweilt schauen wir uns um und ich lasse mich tatsächlich verführen, um in die Kosmetikindustrie zu investieren 😉
So geht das Geldausgeben schon los, bevor wir das Land verlassen.

Der Flug mit Discover Airlines ist mit galaktischer Geschwindigkeit nach München unterwegs.
46 Minuten - so lange braucht man eigentlich nach Frankfurt. Nach München fliegt man gewöhnlich eine reichliche Stunde.
Die beiden Flugbegleiter arbeiten trotz der kurzen Zeit sehr professionell. So bleibt auch ein Minütchen für einen kurzen Schwatz, bei dem wir ein paar Insides über die Airline und deren teilweise zukünftigen Flugstrecken erfahren.

BER-MUC mit Discovery,China2026,born4travel.de

Beim Umsteigen in München sind wir voll die Profis.
Sind wir doch genau die gleiche Strecke gerade vor zwei Wochen gelaufen, als wir aus Dubai hier zwischengelandet sind.
Nur umgekehrt.

Die BC-Lounge ist geschlossen. Wir "müssen" in die Senator Lounge.
Die ist aber bis fast auf den letzten Platz belegt. Wäre ich Senator, würde ich mich beschweren.
Na ja. Viel Zeit bleibt eh nicht.
Zwei Prickelwasser später flitzen wir zum Gate und sind echt happy, als wir im Flieger sitzen.
Dieses Mal auf Platz 12A&C. Also auf der linken Seite. Da hab ich beim Reservieren wohl geschlafen. Eigentlich bin ich ja Rechts-Sitzer. Aber das ist das einzige, das auf diesem Flug „stört“.

Die Crew arbeitet nämlich hochprofessionell. Es macht eine Freude, das erleben zu dürfen.
Kurz nach dem Start falle ich in den Tiefschlaf und werde erst wach, als alle anderen schon längst fertig mit Dinieren sind. Das ist so gar kein Problem. Mein Essen - ich habe mich für Kalbsbäckchen entschieden - wird für mich eben später zubereitet. Am Ende werde nicht nur ich sondern auch Rainer vom leckeren Essen schwärmen.

„Unsere“ Flugbegleiterin ist eine der zwei Purser an Deck. Freundlich drauf und gesprächig zudem.
So erzählt sie uns, dass im Cockpit gleich zwei Kapitäne sitzen und nur ein First-Officer. Beide sind zudem Flottenkapitäne.
Flottenkapitäne sind verantwortlich für die spezifische Flugzeugflotte. In unserem Fall zur Flotte der A380. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Überwachung des luftfahrtrechtlich einwandfreien Zustands der Flotte, die Wartung, die Abnahme neuer Flugzeuge und die Weiterentwicklung der Flotte. Sie gehören zur Geschäftsleitung und streiken ist für sie kein Thema.
Und auf die Frage, warum ausgerechnet unser Flug nicht bestreikt wird, gibt es eine Antwort, mit der wir nicht gerechnet haben: Haben wir alle nur von Luftraumsperrungen in der Golfregion gehört, musste auch der Luftraum über wichtigen Routen Richtung Asien – insbesondere über Iran, Irak, Israel, Kuwait, Syrien und den Golfstaaten wie Qatar und Bahrain – für zivilen Flugverkehr weitgehend gesperrt werden. Das begann am 28.2. und dauerte etwa vier bis fünf Tage. Tausende gestrandete Passagiere in Asien und im Süden Afrikas werden seit dem kontinuierlich nach Hause gebracht. Noch immer warten rund 300 Passagiere in Bangkok auf ihren Heimflug. Deshalb KANN die Lufthansa auf diesen Strecken keinen Flug ausfallen lassen. An beiden Tagen sind insbesondere Verbindungen nach Nord- und Südamerika betroffen.

Mit all diesem Wissen habe ich für diese Aktionen der Gewerkschaft so gar kein Verständnis!
Wir hatten also echt Glück.

Der Flug ist insgesamt sehr, sehr ruhig. Was ja auf den Strecken Richtung Südostasien nicht immer der Fall ist.
Dafür landen wir 8.809 Kilometer später ziemlich holprig - gefühlt wie auf einer Offroadpiste - am Suvarnabhumi Airport (auch Suvarnabhumi International Airport).

MUC-BKK LH772,China2026,born4travel.de

Die Immigration erfolgt sehr zügig.
Die Koffer rödeln bei unserem Eintreffen auch schon auf dem Band, da bleibt nun noch der Weg ins Hotel.
Als wir das Flughafengebäude verlassen, werden wir von 31 tropischen Grad eingelullt. Das fühlt sich vollkommen anders an als die 31 Grad in den Emiraten.
Wir ordern - wie die gefühlt anderen tausend Passagiere - bei Grab ein Auto. Der Uber Asiens.
Besaß Grab noch im letzten Jahr eher eine Einfahrt, gibt es in diesem Jahr vier Abholpunkte, die so in der App anwählbar sind. Das ganze Geschehen der Zu- und Abfahrt wird von vielen Grab-Mitarbeitern gemanaged. So müssen wir nicht einmal selbst die Koffer ins Auto wuchten.

Die Fahrt zum Hotel gestaltet sich um diese Zeit etwas lang.
Die Impressionen aus dem Auto sind jedoch aufmunternd. Wir kennen das schon. Dennoch staunt man über all diese Gebäude, dieses "hustle&bustle". Bangkok ist schon eine pulsierende Stadt. Anders kann man es nicht nennen.

MUC-BKK LH772,China2026,born4travel.de

Ein Statu folgt dem anderen.
Und am Ende sind wir anderthalb Stunden unterwegs, bevor wir das Hotel erreichen.

MUC-BKK LH772,China2026,born4travel.de

So geht es weiter

Bangkok ist keine Stadt, die man selbst nach einem Langstreckenflug links liegen lassen kann. Eine Dusche und ein Kaffee später stürzen wir uns in die wohltuenden Temperaturen. Genießen das Ambiente und eine Massage...