Pandastisch 🐼
12. April ⋅ ☁️ 16 °C
Im Umland von Chengdu gibt es gleich zwei Möglichkeiten, Pandas zu sehen. Zum einen gibt es die
nahe Chengdu gelegene und deutlich bekanntere Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding.
Und zum anderen den etwas weiter entfernten Dujiangyan Panda Park.
Die Entscheidung fällt mir definitiv nicht leicht. Eigentlich tendiere ich zur Panda Base, bin mir aber noch unsicher.
Wir Berliner sind ja eh verwöhnt, wenn es ums Tieregucken geht. Schließlich haben wir einen Zoo und einen Tierpark.
Und in Berlin sind wir ganz klar Team Tierpark. Dort fühlt es sich eher wie ein weitläufiger Park an, in dem man ganz
nebenbei Tiere beobachten kann und nicht wie in einem klassischen Zoo.
Conny & Moritz, die wir vorgestern getroffen haben und die gestern selbst die Panda Base besucht haben, nimmt uns
die Entscheidung schließlich ungewollt ab. Ihre Nachricht auf WeChat besteht aus nur drei Wörtern:
„Es ist ein Zoo.“
Damit ist die Entscheidung gefallen. 😉
Gut eine Stunde dauert die Taxifahrt nach Dujiangyan. Während der Himmel unterwegs immer grauer wird, hoffen wir, dass es wenigstens trocken bleibt. Doch kurz vor der Ankunft setzt dann doch ein leichter Regen ein. Na wunderbar. 😶
Panda Valley
Der Dujiangyan Panda Park, offiziell Panda Valley, unterscheidet sich deutlich von der
bekannten Panda Base in Chengdu. Statt einer klassischen Zuchtstation steht hier vor allem der Schutz der Tiere im Mittelpunkt.
Auf einem rund 134 Hektar großen, bewaldeten Gelände werden Riesenpandas und Rote Pandas auf ein möglichst
selbstständiges Leben vorbereitet und – wenn möglich – später auch wieder ausgewildert.
Dass sich ein solches Zentrum ausgerechnet hier befindet, hat auch mit dem verheerenden Sichuan-Erdbeben
von 2008 zu tun. Das damalige Epizentrum lag nur wenige Kilometer entfernt. Im nahe gelegenen Wolong-Pandareservat wurden zahlreiche
Gehege zerstört, ein Panda kam ums Leben und große Teile des natürlichen Lebensraums wurden durch Erdrutsche verwüstet.
Der Wiederaufbau des Panda-Schutzprogramms führte unter anderem dazu, dass die Einrichtungen in Dujiangyan weiter ausgebaut wurden.
Es gibt noch einen weiteren Pluspunkt der für den Dujiangyan Panda Parks spricht.
Anders als bei der Panda Base in Chengdu ist hier weder ein vorheriger Ticketkauf noch eine Online-Reservierung erforderlich.
Genau das gefällt uns. Kein Festlegen auf einen bestimmten Tag. Einfach operativ vor Ort entscheiden.
Wir starten für unsere Verhältnisse ziemlich früh. Kurz nach Acht stehen wir in der Lobby. Hier gibt es eine Filiale des chinesischen
Coffee-Shops Luckin Coffee. Das ist natürlich super praktisch. So lasse ich mir einen Cappuccino to-go brühen,
während Rainer ein Didi - Taxi, das uns nach Dujiangyan bringen soll, ordert.
Gut eine Stunde später erreichen wir den Park.

Am Eingang ist bereits einiges los, doch das alles hält sich noch in Grenzen.
Für Seniors gibt es – wie so oft in China – eh eine eigene Spur.
Da wir ohnehin kostenlosen Eintritt erhalten, werden lediglich unsere Namen registriert. Die Mitarbeiter sind ausgesprochen freundlich
und empfehlen uns, einen der kostenlosen Regenschirme mitzunehmen. Eine gute Idee, denn draußen nieselt es noch immer.
Und dann kann es endlich losgehen!
Hinter dem Eingang öffnet sich eine grüne, leicht verwunschene Landschaft.
Verwunschen wirkt sie vor allem deshalb, weil feine Nebelschwaden über den Wasserflächen und Wiesen hängen
und der Parkanlage eine geheimnisvolle Atmosphäre verleihen.
Wir sind in China... und dennoch wirkt alles ruhig. Nichts ist hektisch. Nichts ist laut.
Das hat uns seit dem Tag, als wir in Guangzhou angekommen sind, sehr angenehm überrascht.
Haben wir doch auf früheren Reisen chinesische Touristen oft als sehr unangenehm, laut und manchmal auch der Natur gegenüber
sehr rücksichtslos erlebt, hat sich während unserer jetzigen Reise durch China dieses Bild grundlegend verändert.
Wir erleben die Menschen meist rücksichtsvoll, entspannt und angenehm zurückhaltend.
Da sieht man's wieder: Reisen bildet.
So schnell entstehen Vorurteile, die man nur allzu bereit ist, gleich auf ein ganzes Volk zu übertragen.
Die Parkanlage mit seiner riesigen Vielfalt an Sträuchern und Bäumen wirkt fast wie ein botanischer Garten. Es ist wirklich schön hier.
In dieser grünen Oase leben auch andere tierische Schönheiten.
Die einen bekommen wir zu Gesicht, die anderen bleiben von uns unentdeckt. In dem Fall ist das auch ganz gut so. Denn vor ihnen wird
unentwegt auf Tafeln gewarnt: Zwölf verschiedene Schlangenarten sind nämlich hier im Park unterwegs. Und die wollen alle nicht kuscheln 🥴

Zwischen all dem Grün stolziert ein großes Exemplar eines Pfaus durch die Anlage. Das ist die erste Überraschung.
Aber...

...einen weißen Pfau habe ich noch nie gesehen.
Schön wäre es natürlich, wenn er uns jetzt noch sein Pfauenrad zeigen würde. Aber diesen Gefallen tut er uns nicht. Schade eigentlich.

Und dies ist ein männlicher Goldfasan.
Er gehört zu den Hühnervögeln und ist in Zentral- und Westchina beheimatet.

Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass man hier drängeln muss, um etwas zu sehen.
Aber die Besucher verteilen sich sehr gut. Das obwohl es nur den einen definierten Weg gibt.
Die Riesenpandas
Nachdem wir die ersten Exemplare der Tierwelt gesehen haben, wird's spannend. Wir beide warten erwartungsvoll auf den Moment,
in dem endlich der erste Panda zu sehen ist.
Wie groß sind sie in natura?
Werden wir überhaupt welche sehen?
Haben sie bei dem Wetter vielleicht gar keine Lust, aus ihrem Gehege zu kommen?
Fragen über Fragen...
Und dann ist der erste Panda zu sehen. Groß. Flauschig. Und absolut im Chill-Modus.
Er hängt lässig über einem Balken, genießt ganz offensichtlich sein Panda-Leben. Ganz tiefenentspannt und völlig sorgenfrei.
Er schaut uns an. Wir schauen zurück und sind schockverliebt.
Wir machen Fotos. Wer weiß, wie lange er noch so entspannt abhängt.
Aber ja. Es ist ein Panda. Und die sind definitiv nicht hyperaktiv. Er bleibt vollkommen unbeeindruckt von den zwanzig oder dreißig Besuchern.
Absolut sympathisch.



Auch auf dem weiteren Weg bin froh, dass es auf den Plattformen kein Gedränge gibt. Jeder bekommt seinen Panda-Moment. Auch an den weiteren Terrassen gibt es kein Problem, aus der ersten Reihe seine Beobachtungen zu machen.

Es folgen weitere Plattformen, von denen wir die Tiere beobachten können.
An manchen Plattformen bleiben wir lange stehen und beobachten sie.
Ganz anders als der erste Panda benehmen sich die anderen erstaunlich busy. Sie haben voll zu tun.
Zur Freude aller klettern sie ein wenig oder hangeln sich auf einen Ast.
Andere schnappen sich ein paar Bambusstangen und zerteilen sie in mundgerechte Stücke.
Wahnsinn. Mit ihren dicken Patsche-Händchen wirken sie wie tollpatschige Kuscheltiere
und trotzdem hantieren sie erstaunlich geschickt mit dem Bambus.








Je länger wir die Pandas beobachten, desto faszinierender finden wir sie. Ein ausgewachsener Großer Panda wird etwa
1,20 bis 1,90 Meter lang und bringt – natürlich je nach Geschlecht – zwischen 70 und 125 Kilogramm auf die Waage. Trotz ihres kräftigen Körpers
sind sie ausgezeichnete Kletterer und erstaunlich geschickt, wenn es darum geht, Bambus mit ihren kräftigen Pfoten festzuhalten.




Ein Panda verbringt den größten Teil seines Tages mit Fressen.
Rund zehn bis sechzehn Stunden täglich sind sie damit beschäftigt, Bambus zu kauen.
Dabei verschlingt ein erwachsenes Tier je nach Jahreszeit und Bambusart etwa 20 bis 40 Kilogramm pro Tag. Da Bambus aber nur wenig Energie
liefert, bleibt den gemütlichen Bären in Freiheit gar nichts anderes übrig, als einen Großteil des Tages mit Futtersuche, Fressen und Ausruhen
zu verbringen.
Im Dujiangyan Panda Park leben überwiegend erwachsene Pandas, die auf ein Leben in geschützter Umgebung vorbereitet oder nach
medizinischer Behandlung betreut werden. Viele Tiere tragen Namen, die ihnen bei ihrer Geburt gegeben wurden.
In der Nähe des jeweiligen Geheges hängen dann immer Schilder mit Infos über das Tier. Und das sieht so aus:
Hier zum Beispiel ist Zhen Zhen zu Hause. Geboren am 4.Aug 2011
Mutter: Qui Zhen
Da die Pandas jedoch regelmäßig zwischen den verschiedenen Einrichtungen des China Conservation and Research Center for the Giant Panda wechseln,
kann sich die Zusammensetzung der Bewohner von Zeit zu Zeit ändern.
Die Roten Pandas
Nach den Riesenpandas führt uns der Weg zu ihren deutlich kleineren Verwandten. Den Roten Pandas.
Mit einer Körperlänge von etwa 50 bis 65 Zentimetern und einem Gewicht von nur 3 bis 6 Kilogramm wirken die kleinen Kletterkünstler
fast zierlich. Ihr buschiger, geringelter Schwanz, den sie zum Gleichgewicht halten benötigen, kann noch einmal bis zu 50 Zentimeter lang werden.
Die meiste Zeit verbringen sie hoch oben in den Bäumen.
Neu für uns ist, dass der Name Panda irritiert. Sie fressen zwar wie ihre großen Namens-Verwandten Bambus, sind aber mit den Riesenpandas
gar nicht verwandt. Sie gehören zu einer eigenen Tierfamilie und gelten als die einzigen heute noch lebenden Vertreter der
Familie Ailuridae. Also der Familie der Katzenbären.
Sie fressen neben Bambus und je nach Jahreszeit auch Beeren, Früchte, Blätter. Aber gelegentlich auch Insekten oder Vogeleier.
Im Panda Valley haben die Roten Pandas ein großzügiges, bewaldetes Gehege, das ihrem natürlichen Lebensraum nahekommt. Wir werden
über Stege auf eine Anhöhe geleitet. Hier wird alles streng kontrolliert. Und das ist auch notwendig. Denn die Tiere sollen sich trotz der
Besucher frei fühlen. Als wir eine obere Ebene erreichen, will ein Panda gerade ausbüxen. Ein Ranger beobachtet sein Verhalten und sperrt
unseren weiteren Gang großzügig ab. Niemand soll in die Versuchung kommen ein Tier anzufassen. Wir schauen 'ne Weile zu. So lange, bis er
wieder zu seinen Freunden findet. Es bleibt ihm aber auch nichts anderes übrig. Irgendwann verschwindet er kurzzeitig und erscheint
hoch oben auf einem Ast.





Sansheng Tempel
Am Ende des Rundgangs kann man direkt zurück gehen oder einen kleinen Aufstieg machen. Hier befindet sich nämlich ein Tempel.
Der ist sehr mystisch gelegen. Versteckt zwischen Bambus, Bäumen und der grünen Landschaft des Panda Valley.
Es ist eine sehr kleine Anlage. Nebenan befinden sich Wasserbecken. Alles ist liebevoll gepflegt und perfekt manikürt.
Der Sansheng Tempel, übersetzt heisst es "Tempel der Drei Heiligen", fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und ist ein Ort
der Ruhe und Besinnung. Den leichten Nebel finde ich ausnahmsweise absolut passend.
Es ist ein buddhistisch geprägter Tempel der zur traditionellen chinesischen Kultur gehört. Ein genaues Baujahr ist nicht auszumachen.
Ich finde aber auch - nicht wie üblich - keinerlei Informationen am Tempel.






Zum Abschluss geht es diesen Weg Richtung Rundkurs entlang.





Bevor wir den Park endgültig verlassen, essen wir noch einen Happen im Park.
Hier gibt es mehrere Verkaufskioske. Verständlich aber auch. Schließlich muss der durchschnittliche Chinese öfter essen 😉
Und wie nicht anders zu erwarten, hat jede Speise irgendetwas mit Pandas zu tun.
Wir essen eine Wurst. Ich hoffe doch nicht aus Pandafleisch.
Der Panda kommt dann mit Rainers Eis 🐼

Der Ort Dujiangyan selbst hätte noch mehr zu bieten.
Zum Beispiel das jahrtausendealte Bewässerungssystem.
Das stand auch auf der Liste. Aber das Wetter ist absolut gräßlich. Und so haben wir beide keine Lust, im Regen noch an einen anderen Ort zu fahren.
Außerdem sind wir beide mit dem Erlebten so happy. Das reicht einfach für den heutigen Tag an Input.
Vielleicht beim nächsten Mal.
Wir nehmen einen Didi und fahren zurück nach Chengdu, essen bei Yoshinoya (einem japanischen Schnellrestaurant) eine Beef Bowl,
ruhen uns danach kurz aus und fahren am späten Nachmittag zu Walmart.
Ja, in China gibt es viele Filialen der US-Supermarktkette.
Walmart ist allerdings kein Neuling im Reich der Mitte. Bereits seit 1996 gibt es die Märkte hier, die erste Filiale eröffnete damals in Shenzhen.
Seitdem hat Walmart sein Netz in China stark ausgebaut.
Es ist unser erster Besuch eines Walmarts in China und zugegeben fühlt es sich ein wenig seltsam an. Im Großen und Ganzen ist er aber so aufgebaut,
wie wir ihn aus den USA kennen. Es gibt gibt sogar diese Eigenmarke für die preiswertere Schiene Great Value für viele Lebensmittel
und Produkte des täglichen Bedarfs.
Eigentlich wollten wir eine Flasche Febreze und Shampoo kaufen. Aber das können wir hier nicht finden.
Dafür decken wir uns mit Cereals, Joghurt und reichlich Obst ein.

