Markttag in Shaxi

3. März ⋅ ⛅ 6 °C

Heute heißt es Abschied nehmen von Shaxi. Doch bevor wir weiterreisen, wartet noch ein echtes Highlight auf uns. Es ist Freitag. Und freitags findet schon seit Jahrhunderten der berühmte „Friday Market“ statt. Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit der alten Tea-Horse-Road zurück, als Shaxi ein bedeutender Handelsplatz zwischen Yunnan und Tibet war. Noch heute kommen vor allem Angehörige der Bai- und Yi-Minderheit aus den umliegenden Dörfern hierher, um ihre Waren anzubieten. Genau deshalb gilt der Markt bis heute als einer der authentischsten der Region.

Nachdem ich schon so viel über diesen Markt gelesen habe, können wir ihn uns eigentlich nicht entgehen lassen. Er erinnert mich ein wenig an den Dienstagsmarkt in Silvia in Kolumbien, für dessen Besuch wir extra einen langen Umweg in Kauf genommen haben. Auch dort waren es Angehörige einer indigenen Minderheit in ihren Kostümen, die dem Markt seinen ganz besonderen Charakter verliehen. Damals wurden wir nicht enttäuscht – und genau das erhoffe ich mir heute auch von Shaxi.

Entsprechend früh müssen wir aufstehen. Jedenfalls für unsere Verhältnisse.
Bereits um 7:30 Uhr klingelt der Wecker.
Shaxi schläft noch. Die schmalen Gassen der Altstadt gehören uns fast allein.
Eine bessere Stimmung für einen letzten Spaziergang könnte es kaum geben.

Shaxi Friday Market, Yunnan, China2026,born4travel.de
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Eine seltsame Formation bekommen wir erst zu Gesicht, als wir uns auf eine kleine Erhöhung am Rand des blickdichten Zaunes stellen. Auf den ersten Blick halten wir das Ganze für bizarre Felsformationen. Es bedarf dann im Nachhinein einer tieferen Recherche, bis klar ist, um was es sich hier handelt.
Tatsächlich stellt diese Aufnahme eine archäologische Ausgrabungsstätte dar. Hier wurden Überreste der historischen Siedlung von Sideng freigelegt. Fundamente ehemaliger Wohnhäuser, Straßen und Hofanlagen entlang der legendären Tea Horse Road.
Wow. Was für eine Entdeckung. Und das nur, weil unsere Neugier so groß ist.

Shaxi Friday Market, Yunnan, China2026,born4travel.de
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Entlang der Anhöhe Richtung Marktplatz geht es an bewohnten Häusern vorbei.
Nichts ist geschönt. Da steht eben auch ein altes Sofa rum.

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Und die Hauptstraße wird schon zu dieser Stunde gekehrt.
Da wundert es nicht, dass es überall so sauber ist. Da liegen eben keine verwelkten Blätter und kein Abfall auf dem Boden. Ja in China gibt es noch den Job eines Straßenkehrers.

Shaxi Friday Market, Yunnan, China2026,born4travel.de
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Auf dem weiteren Weg gibt es frisch Gekochtes für die ersten, frühen Händler.

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Shaxi Friday Market on the Tea Horse Road - damals

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Die Tea Horse Road, die die südliche Route zwischen Tibet und Südchina verband, ist weniger bekannt als zum Beispiel als die Seidenstraße. Doch beide existierten bereits in der Tang-Dynastie (7. bis 10. Jahrhundert) und wurden bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts genutzt. Auch die Tee-Pferde-Straße wurde nicht nur für den Handel mit Tee genutzt, sondern auch mit anderen Waren aber auch für die Verbreitung von Religionen, Überzeugungen und Kulturen. Die Tea Horse Road wurde zu einer Handelsroute, mit der sich viele Kulturen und Völker vermischen.

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Es wird angenommen, dass Tee vor mehreren Jahrtausenden zum ersten Mal in der Gegend von Yunnan getrunken wurde, von wo aus es sich zum am häufigsten konsumierten Getränk der Welt verbreitete. Es wird aus den Blättern der Camellia sinensis gebraut, und wurde in dieser klassischer Pu Erh Tee Ziegel, aus dem Tiefland von Yunnan und Sichuan über Bergstraßen und Hochpässe in das Hochland Tibets transportiert. Im Gegenzug machte das härteste tibetische Pony für das kaiserliche Militär in China die umgekehrte Reise.

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Die Städte entlang dieser Route blühten und florierten und verloren an Bedeutung als die Route ausstarb.
Einige Abschnitte der ursprünglichen Wege existieren immer noch, obwohl sie durch moderne Verkehrsmittel verdrängt wurden. Yunnans Shaxi ist der einzige Ort auf der Tea Horse Road der überlebt hat, ganz ohne, dass es jemals an das Bahnsystem angeschlossen wurde.

Überlebt hat auch die Tradition des Warenaustausches in Shaxi, die etwa 700 n. Chr. als Markthandelsstadt auf halben Weg zwischen Dali und Lijiang an der Tea Horse Road gegründet wurde. Seit etwa 600 Jahren gibt es diesen Freitagsmarkt. Ursprünglich auf dem Hauptplatz der Altstadt, wuchs der Markt über die Grenzen des Platzes hinaus und musste in die Hauptstraße der Stadt, verlegt werden.

Shaxi Friday Market - heute

Kurz vor Acht kann man die nur guckenden Besucher an einer Hand abzählen. Wir inbegriffen.
Das rege Treiben ist aber schon in vollem Gange. Die meisten haben solche Körbe auf den Rücken geschnallt. Manche sind schon voll mit Waren gefüllt. Manche tragen noch zusätzlich Tüten in den Händen.

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Tatsächlich besteht die Handelsware nicht aus irgendwelchen kitschigen Andenken. Hier gibt es Ware aus der Region. Alles, aber auch wirklich alles ist superfrisch. Die geschlachteten Tiere haben wahrscheinlich gestern Abend noch gelebt. Das Gemüse, die Wurzeln und Sprossen oder was auch immer das alles ist, natürlich auch. Sie lassen mich all ihre Ware fotografieren und wundern sich vielleicht, was da so besonderes an dem, was ich anvisiere, sein soll. Aber vieles kennen wir tatsächlich nicht. Vor allem wenn es in irgendeinem Sud eingelegt ist.

Shaxi Friday Market, Yunnan, China2026,born4travel.de
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Wie eigentlich schon seit Jahrhunderten, sind es ältere Matriarchinnen aus den ethnischen Minderheiten, hauptsächlich die Yi und die Bai, die geduldig am Straßenrand sitzen und verkaufen. Meist ist es eine vielfältige Auswahl an Trockenfutter, Säcke mit verschiedenen Pilzen, knorrigen Nüssen, Samen und Kräutern. Einige der Pilze, wie der wertvolle Matsutake, werden für Tausende von Yuan pro Kilogramm verkauft.
Sie dulden es auch, dass ich sie fotografiere. Einer Asiatin - nicht weit von mir stehend - verbieten sie es wiederum.

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Wir schauen zu, wie lebende Karpfen aus einem riesigen Tanker mit einem Kescher geholt werden. Wie fertiggegarte Klöße aus dem Topf. Im neuen Behälter sind die Fische aufgeregt. Es sieht aus als brodele das Wasser. Andere lebende Tiere, die gehandelt werden könnten, sind heute nicht zu sehen.

Aber wir sehen, wie das Fleisch hier verarbeitet und verkauft wird.
Das ganze Prozedere ist schon anders als wir es kennen. Es ist wieder einmal ein Overkill für die Augen. Definitiv nicht für die Nase. Denn es wird der geruchloseste Markt, den wir jemals besucht haben. Und ich hab definitiv eine sehr sensible Nase. Andernorts haben wir nicht nur einmal die Marktrunde abkürzen müssen, weil ich den Geruch nicht ertragen konnte. Ganz anders hier. Hier ist alles so frisch. Hier würde ich bedenkenlos auch Fleisch kaufen.

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Es ist kurz nach Neun, als wir uns vom äußersten Ende des Marktes auf den Rückweg machen. Da wollte ich eigentlich schon wieder im Hotel sein. Aber das hier ist viel faszinierender. Was für ein Bild! Was für ein Erlebnis!

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Am Ende der Runde sind wir uns einig: Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.


So geht es weiter

Als wir zurück vom Markt kommen, verputzen wir noch schnell unser Frühstück und dann geht’s schon zum Treffpunkt, wo uns ein Taxi abholen wird. Denn Shaxi hat ja keinen Bahnhof. Es liegt weit weg von sonstigen Routen.
Unser nächster Ziel ist Shangri-La.
Es gibt wenig Möglichkeiten, um es zu erreichen, wenn man - wie wir - nicht mit dem Bus reisen will.
Bis zum nächsten Ort würde die Autofahrt etwa vier Stunden dauern. Mit einem bequemen Gefährt, wäre es ok. Aber das gibt es hier in Shaxi nicht...