Pushkar Lake,Rajastan,India,Indien

Pushkar

Eine lange Fahrt steht uns heute bevor.
Es geht etwa 300 km in den Norden, nach Pushkar. Wenn man sich die Strecke bei googlemaps anschaut, dann beträgt die Fahrzeit 4 Stunden und 40 Minuten.
Aber das ist nur Theorie.
Die Praxis sieht etwas anders aus...
Abgesehen davon, daß die Durchschnittsgeschwindigkeit gefühlte 30km/h beträgt, kann schon eine einzelne Kuh die Reisezeit um Etliches verlängern.
Auch sind wir nicht mit einem für diese langen Fahrten angemessenem Auto unterwegs. Ein Maruti-Suzuki ist ganz ok. für Stadtfahrten, aber nicht für diese Überlandfahrten. Der Beifahrersitz muß bei längeren Strecken nach vorn geklappt werden, damit Rainer keine Knieschäden erleidet. Auch haben wir Probleme mit der "Kaltpuste". Wir sind froh, daß es hier in Indien so angenehm warm ist. Der Fahrer allerdings holt uns mit einem eisekalten Auto ab. Er selbst sitzt auch die gesamte Zeit über im Dauerabkühlmodus.
So gibt es jeden Morgen die gleiche Bitte: den AC im Auto etwas wärmer zu stellen. Hm. Schade eigentlich, daß es immer wieder zu diesen Diskussionen kommen muß. Denn unser Fahrer ist eigentlich ein ganz Netter.

Es war meine Idee Pushkar in unsere Reiseliste aufzunehmen.
Bei der Vorbereitung auf die Reise habe ich von der Pilgerstadt gelesen und habe Bilder gesehen mit einem roten Brahma Tempel, mit einem riesigen See voller Ghats. Meine Yoga-Lehrerin erzählte, daß sie dort in einem Ashram einen Monat verbracht hat.
Das kann man doch nicht auslassen.
Außerdem habe ich darauf gehofft, daß es touristisch nicht so überlaufen ist.
Es bot sich außerdem gut an, als Zwischenstopp auf dem langen Weg zwischen Udaipur und der Hauptstadt Rajastans, Jaipur.

------------ Pushkar --------------------------------

Pushkar ist ein alter, hinduistischer Wallfahrtsort.
Es wird schon im 5.Jh. erwähnt als ein Ort am heiligen See, wo ganze Pilgerscharen aus ganz Indien anreisen.
Der Legende nach war der Schöpfer des Universums Brahma auf der Suche nach einem geeigneten Opferplatz. Dabei fiel ihm eine Lotusblüte (in hindi: pushp/pushpa für Blüte) aus der Hand (in hindi: kaar/kar für hand). An der Stelle, wo die Lotusblüte auf den Boden gefallen ist, entstand urplötzlich eine Quelle und ließ den heiligen See entstehen.

Pushkar gehört noch zum Gebiet der Wüste Thar.
So ist dieser See wie eine Art Oase mitten in der trockenen Wüste Rajastans.
Um den See wurden Häuser, unzählige kleine Tempel und Ghats errichtet.

Nach wie vor ist es ein Ort für Pilger aus ganz Indien. Es gibt sogar einen südindischen Tempel im Ort. Aber auch Aussteiger aus der westlichen Welt haben diesen Ort neben Goa, Puri und Rishikesh zu ihrem bevorzugten Ort ausgewählt.

Interessant dabei ist, daß diese Tatsache immer mehr die einheimische Bevölkerung verärgert. Denn die selbsternannten Aussteiger verwechseln die besondere Atmosphäre der Stadt mit uneingeschränkter Freizügigkeit. Die strikten Moralvorstellungen der Inder werden vielfach verletzt.

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Als wir in den Ort reinfahren...bin ich einfach geschockt.
Denn noch nie während unserer Reise hatte ich den Gedanken: hier gehe ich in kein Hotel rein, lieber schlafe ich im Auto!

Die Häuser verlottert... überall Dreck und Müll...die einzige befestigte Staße voller Löcher...
An die Kühe auf der Straße haben wir uns schon gewöhnt, aber hier rennen noch Wildschweine rum.
Nur das Wetter ist genial!



Wir fahren an eine Art geöffnete Garage. Darin sitzen ein paar Männer. In der Mitte steht ein "Kaltpuster".
Sie unterhalten sich.
Mein erster Gedanke:...ist etwas mit unserem Auto?
Nein.
Das ist das Reisebüro des hiesigen Veranstalters.
Oha...
Alle sind überfreundlich und man fragt uns, ob wir nach der langen Anfahrt einen Tee haben wollen.
Na klar...Tee geht immer!
Dann rennt einer der Männer auf die andere Straßenseite und nach kurzer Zeit kommt er zurück mit einem Tablett. Auf dem Tablett sind viele kleine Pappbecher in einer Größe von ca. 2cm Höhe und ebensolchem Durchmesser. Zu Hause würde ich sagen es sind Becherchen für Supermini-Brownies.
Ich schaue zu unserem Fahrer...aber er gibt kein Entwarnugszeichen...also trinke ich auch.
Und was auch immer es für ein Tee war...dieser hier weckt wirklich langgeglaubte Tote auf.
Mein Blutdruck muß doch ungeahnte Höhen erreicht haben...Ich bin hellwach.
Ich hoffe nur, hier waren keine Drogen drin...

Unser Guide für diesen Ort ist deutsch sprechend.
Und nicht nur, daß mir dieser Ort etwas suspekt ist, ist der Guide furchtbar aufdringlich und betoucht mich ständig am Arm oder am Rücken.
Außerdem versucht er die gesamte Zeit uns zu bevormunden wo und wann wir fotografieren sollen oder was es wert ist aufgenommen zu werden.
Wir drängeln uns durch engste Hausdurchgänge damit wir einen ganz kleinen Blick auf den heiligen See erhaschen können. Und immer wieder betont der Guide welch' super Insiderwissen er hat.
Ich bin echt angewidert von seinem Verhalten.
Der wahre Blick auf den See bleibt uns verwehrt. Denn angeblich gibt es nirgendwo die Möglichkeit zu einem Ghat oder direkt zum See zu gelangen.
Na gut. Das glauben wir natürlich nicht und heben uns diese Aktion für heute Abend oder morgen früh, wenn wir alleine sind, auf.

Endlich gehen wir zu diesem roten Brahma Tempel. Was für eine Farbe! Der Tempel in seiner heutigen Form wurde 1809 von einem Minister des Maharajas von Gwalior errichtet.



Von der oberen Etage, entlang der Mauern hat man einen guten Ausblick auf die Umgebung Pushkars.
Ich halte natürlich auch Ausschau, in welchem Hotel wir wohl übernachten werden. Bisher kann ich nur Low-Budget-Unterkünfte erkennen.



Bei der Verabschiedung vom Guide gibt es für seine schlechte Arbeit nur ein minimales Trinkgeld. Ohnehin hatten wir beide den Eindruck, daß er durch die ständige Betonung seines wahninnigen Insiderwissens ein höheres Trinkgeld erwartet hat. Sorry, wir sind zwar zum ersten Mal in Indien aber nicht doof!

Am frühen Abend geht es endlich zur unserer Übernachtung.
Unser Fahrer deutet schon an, daß es etwas außerhalb sein wird.
Ich ahne Schlimmes...außerhalb kann es nur noch schlechter sein als im Dorf...oder?

Nein es ist viel besser als erwartet, denn wir werden zu einem Resort gefahren, das nicht mehr an Indien erinnert...außer die unendliche Freundlichkeit der Angestellten.
Das Anwesen könnte sich genau so auch in einem Edelresort in der Gegend von Palm Springs befinden.
Perfekt geschnittener Rasen...Weitläufigkeit...gepflegte Blumenhecken... ein riesiger Pool...

Unsere "Übernachtung" ist ein sauberer und gut eingerichteter Steinbungalow.
Außer einer anderen Familie, irgendwo weit weg, scheinen nur noch wir die einzigen Gäste zu sein.
Wir essen draußen, trinken Bier...und die Bedienung, so etwas kennen wir nur aus sehr gehobenen Hotels in Asien, weiß schon Sekunden vorher, was ich als nächstes wünsche.







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