Zhangjiajie
5. bis 9. Mai ⋅ ☀️ 24 °C
Mit der Aussprache dieses Ortsnamens haben wir uns anfangs ziemlich schwergetan.
Wenn man ihn aber einmal gehört hat, ist es eigentlich ganz einfach!
Das ist die phonetische Umschrift: dʒɑːŋ.dʒiː.ɑː.dʒiː.eɪ
Es besteht aus drei Silben: Zhāng – jiā – jiè.
Sowohl das „Zh“ als auch das „ji“ werden wie das dsch von Dschungel ausgesprochen.
Also in etwa so dschang-dschia-dschie.
Einfach oder?
Vier Nächte habe ich im „Flower Valley Hotel“ gebucht. Denn die Gegend hat mehr als „nur“ den Park zu bieten. Und regnen soll es hier auch sehr oft. Der Hotelverwalter bietet uns an, für uns ein "Vier-Tages-Ticket" zu buchen. Eins mit allem drum und dran. Das hat er uns empfohlen. Enthalten sind damit der Glasaufzug, alle Shuttlebusse im Park und die Seilbahnen. Nur der Zug im östlichen Teil kostet bei Bedarf extra.
Zhangjiajie National Forest Park
Zhangjiajie war für den Tourismus lange eine nahezu unentdeckte Welt.
Das änderte sich erst 1979, als der chinesische Fotograf Yang Fei rund 100 Tage in Zhangjiajie verbrachte und anschließend zahlreiche Aufnahmen
dieser sonderbaren Felspfeiler veröffentlichte. Im selben Jahr entdeckte auch der berühmte chinesische Maler Wu Guanzhong die Landschaft für sich.
Sein Anfang 1980 veröffentlichter Artikel über das damals noch weitgehend unbekannte Zhangjiajie sorgte schließlich landesweit für Aufmerksamkeit.
Nur zwei Jahre später, 1982, wurde Zhangjiajie zum ersten National Forest Park Chinas erklärt.
Aber den ganz großen internationalen Bekanntheitsschub bekam die Region allerdings viele Jahre später, als 2009 der Film Avatar in die Kinos kam.

Yuanjiajie Scenic Area
Am ersten Tag ist es mit 27 Grad sehr warm.
Die leichte Wolkendecke macht die Luft diesig und dunstig. Ein bisschen wie Waschküche.
Unser Hotelier bringt uns zum Südwest-Eingang.
Wie so oft in China sind die Tickets an den Ausweis (für uns Ausländer an den Reisepass) gekoppelt. Den müssen wir allerdings
nur am Eingang zum Park vorzeigen. Alle weiteren Kontrollen laufen anschließend per Gesichtserkennung. Das gefällt uns. Das hat nämlich
einen entscheidenden Vorteil: Die Schranken öffnen sich sofort. Ohne Ticketsuche oder Diskussionen. Innerhalb von Sekunden ist klar,
welche Attraktion bezahlt wurde und welche nicht. Nachkaufen kann man natürlich jederzeit.
Wir besitzen das Kombiticket. Da ist alles drin.
Hier am Eingang startet auch die perfekt organisierte Maschinerie im Zhangjiajie National Forest Park.
Kaum sind wir durch den Eingang, steht schon der erste Shuttlebus bereit, der uns zur ersten Station bringt.
Und so wird das übrigens den ganzen Tag weitergehen. Nirgendwo stehen wir lange an. Ständig warten genügend Busse
bereit und alles greift reibungslos ineinander.
Den Park einfach auf eigene Faust kreuz und quer zu erkunden, ist dabei gar nicht vorgesehen. Das mag den ein
oder anderen stören, aber bei der Größe sind wir froh, dass wir nicht alles erlaufen müssen.
Zwischen den einzelnen Bereichen verkehren die Shuttlebusse, die einen von einem Highlight zum nächsten bringen.
Bequemer kann man ein derart riesiges Gebiet kaum erkunden.
Es dauert nicht lange und schon fahren wir zwischen den imposanten Steinsäulen hindurch.
Ich bin hin und weg und fotografiere schon während der Busfahrt durch die Scheibe.
Immer nach dem Motto: Wer weiß, ob wir so etwas Schönes noch einmal sehen werden?
Aber ich kann schon mal spoilern: Nur eines dieser Fotos von der ersten Busfahrt wird es auf diese Website schaffen.
Nämlich dieses hier. Denn es folgt Grandioseres.

Das erste Abenteuer beginnt am Bailong Elevator. Das ist der berühmte gläserne Aufzug, der uns direkt an einer steilen Felswand 326 Meter
hoch hinaufführt. Der untere Teil verläuft zunächst in einem Schacht innerhalb des Berges. Und als wir aus dem Fels herauskommen, beginnt ein
einheitliches Raunen. Das Ganze geht extrem schnell - nämlich nur etwas mehr als eine Minute. Eigentlich schade. Denn sobald die Kabine aus dem Berg
herauskommt, eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die Felspfeiler von Zhangjiajie. Aber hier müssen wir den Aufzug verlassen.
Den Aufzug gibt es hier seit 2002. Er hält übrigens den Guinness-Weltrekord als höchster Outdoor-Aufzug der Welt.

Oben angekommen, steigen wir aus dem Aufzug und stehen praktisch auf einem Plateau. Allerdings folgt ein Spaziergang, der uns ziemlich langweilig durch die grüne Landschaft führt ohne Sicht auf die Steinformationen. Da fragt man sich einfach, ob das schon alles war. Aber nein.
Wir sind jetzt im Yuanjiajie Scenic Area, einem der spektakulärsten Bereiche des Zhangjiajie National Forest Park. Der Rundweg führt bald direkt an der Abbruchkante entlang und verbindet auf etwa 3,5 Kilometern einige der berühmtesten Aussichtspunkte des Parks. Das einzig Lästige sind die Guides der Reisegruppen. Während sie an anderen touristischen Höhepunkten Chinas über kleine Mikrofone direkt in die Kopfhörer ihrer Gruppenmitglieder sprechen, setzt man hier auf eine deutlich "rustikalere Variante". Nämlich das Megafon. Mitten in dieser großartigen Natur. Das ist unglaublich nervig! Also bemühen wir uns fortan genau zwischen den Pulks zu laufen.
Vom ersten Moment geht es gleich unfassbar grandios los.
Vor uns ragen die schmalen Felstürme nahezu senkrecht aus dem dichten Grün.
Einer hinter dem anderen. Eine gewissen Ähnlichkeit mit den Säulen im
Chiricahua Monument ist vorhanden.
Nur hier sind die gewaltigen Säulen begrünt. Sie stehen da wie schmale, zerbrechliche Felsfinger.
Und dazwischen geht es immer wieder hunderte Meter tief hinunter.
Wir laufen einfach los, bleiben gefühlt alle paar Meter wieder stehen und können uns an dieser Landschaft kaum sattsehen.





Und weil der Chinese an sich natürlich auch beim Wandern zwischendurch gern etwas futtert, ist für ausreichend Verpflegung gesorgt. Unterwegs gibt es natüüürlich immer wieder kleine Stände mit allem, was sich irgendwie grillen, braten oder auf einen Spieß stecken lässt.

Und so geht es weiter. Aussichtspunkt folgt auf Aussichtspunkt und hinter jeder Kurve öffnet sich ein neuer Blick.

Mal stehen die Felspfeiler dicht gedrängt nebeneinander, mal ragt ein einzelner schmaler Fels wie eine Nadel aus dem tiefen Grün. Dazwischen liegen gewaltige Schluchten, deren Boden wir von hier oben teilweise durch das grüne Dickicht nur erahnen können.


Viele der Felsen und Aussichtspunkte hier oben haben übrigens eigene Namen.
Und obwohl wir Avatar nie gesehen haben, ist ziemlich schnell klar, wo wir besonders genau hinschauen sollten.
Wir müssen nämlich einfach nur da gucken, wo die eingefleischten Fans stehen bleiben. 😉
Wo sich die Menschen vor den Aussichtspunkten ein bisschen stauen, wartet garantiert der nächste spektakuläre Ausblick.
Da gibt es die Mihun Terrace, die auf Englisch gern etwas dramatisch als „Enchanted Terrace“ oder „Ecstasy Terrace“ bezeichnet wird, und natürlich den berühmten Qiankun Pillar. Letzterer wurde nach dem Erfolg des Films Avatar kurzerhand zum „Avatar Hallelujah Mountain“ erklärt und ist heute wohl der berühmteste einzelne Felspfeiler von Zhangjiajie.

Was uns wirklich gut gefällt, ist, dass der Weg immer entlang der Felskante entlang läuft. Das wurde wirklich gut gemacht.
Echte Anstrengungen sind dafür nicht nötig. Das schaffen auch Flachlandtiroler wie wir es sind.
Ein bisschen laufen, ein paar Stufen und schon wartet das nächste Panorama.

Im Grunde genommen ändert sich die Landschaft kaum. Genau genommen sind es "nur" verschiedenste Säulen. Aber so überwältigend, dass es uns nicht langweilig wird.
Seit Dali habe ich übrigens ein neues, etwas eigenartiges Fotomotiv. Ich fotografiere Papierkörbe.
Die sind in China immer originell gestaltet. Einfach achtlos an ihnen vorbeizulaufen, wäre einfach schade.
Die Gestaltung ist aber immer anders. Immer gestaltet passend zum jeweiligen Ort, wo sie gerade stehen. Wie hier zum Beispiel.
Hier sind es riesige Pilze.
Keine Ahnung, wer sich all diese Konstruktionen ausdenkt. Aber inzwischen habe ich schon eine kleine Papierkorbsammlung,
die ich wahrscheinlich am Ende der Reise zusammenstellen werde.

Und dann erreichen wir eines der bekanntesten Ziele in Yuanjiajie: Die First Bridge Under Heaven.
Chinesisch Tianxia Diyi Qiao.
Auf den ersten Blick ist sie allerdings kaum zu erkennen. Alles ist so dicht bewachsen, dass sich die Brücke fast nahtlos in die Landschaft einfügt.
Jedenfalls geht es mir so. Ich muss mir von Rainer erst einmal zeigen lassen, wo die Brücke überhaupt ist. 😉

Die „Brücke“ ist nicht manmade, sondern komplett natürlichen Ursprungs. In den USA würde so etwas schlicht „Arch“ heißen.
Die First Bridge Under Heaven verbindet zwei dieser gewaltigen Felspfeiler miteinander. Je nach Quelle werden für die Höhe über dem Talgrund
Zahlen zwischen 300 und 400 Metern genannt. Ist aber eigentlich auch gar nicht so wichtig. Beim Blick nach unten sieht man schon,
wie extrem hoch wir hier sind.
Fast noch beeindruckender finde ich, wie sich die Natur diese Felsen erobert hat. Überall wuchert das Grün, klammert sich an die steilen Felswände und überzieht selbst die Brücke mit Bäumen und Sträuchern.


Und natürlich noch das obligatorische Beweisfoto: Wir waren tatsächlich da. 😉
Ich will aber ganz ehrlich sein: So menschenleer, wie es auf dem nächsten Foto aussieht, ist diese Brücke normalerweise nicht.
Ganz im Gegenteil. Eigentlich laufen hier ständig irgendwelche Gruppen über die Brücke.
Aber genau dieses fast schon unrealistische Foto wollte ich unbedingt haben. Und ich war nicht die Einzige. Ein anderer Besucher hatte offenbar dieselbe Idee.
Also stehen wir beide da und warten. Und warten. Bestimmt fünf Minuten lang ziehen immer wieder neue Gruppen über die Brücke. Und dann passiert das,
woran wir beide wahrscheinlich schon nicht mehr geglaubt haben: Für einen ganz kurzen Moment ist die letzte Gruppe verschwunden und die nächste noch nicht da.
Kein Mensch auf der Brücke! - Und das ganz ohne Wunschband.

Tausende rote Bänder hängen an den Geländern und sehen inmitten dieser Landschaft wirklich wunderschön aus.
Das leuchtende Rot bildet einen herrlichen Kontrast zu dem satten Dschungelgrün ringsherum.
Auf den Bändern stehen übrigens Wünsche und Segenssprüche, die Besucher hier hinterlassen haben. Es geht um Wünsche wie
Glück, Gesundheit, Liebe oder einfach für eine gute Zukunft.
Von Yuanjiajie geht es mit dem Shuttlebus weiter in einen anderen Bereich des Nationalparks: nach Yangjiajie.
Und obwohl wir inzwischen schon eine ganze Menge dieser unglaublichen Felslandschaft gesehen haben, sieht es hier schon wieder ein bisschen anders aus.
Die Felsen stehen teilweise wie Mauern nebeneinander. Nicht umsonst trägt einer der bekanntesten Aussichtspunkte hier den Namen Natural Great Wall.


Irgendwann hat der Weg ein Ende. Da wir uns oben auf einer höheren Ebene befinden, gehts nun wieder runter.
Nicht zu Fuß, sondern mit dem Yangjiajie Cableway.
Obwohl wir nun schon so viel schönes gesehen haben, ist die Fahrt mit der Gondel eine weitere Steigerung. Man schwebt praktisch mitten durch
diese fantastische Bergwelt. Und das gibt uns Blick wieder aus einer völlig neuen Perspektive.



Die Seilbahn ist knapp zwei Kilometer lang und wir überwinden dabei mehr als 500 Höhenmeter.
Aber Zahlen sind hier eigentlich völlig nebensächlich.
Viel spannender ist das, was direkt vor den Fenstern vorbeizieht.


Leider ziehen diese dunklen Wolken auf.
Zusammen mit den grünen Bergen und den rötlichen Felsen sieht das aber auch wieder interessant aus. Ziemlich dramatisch eben. Fast ein bisschen unwirklich.
Fotogen wäre jetzt eine weisse Wolken dazwischen. Aber diesen Gefallen macht mir niemand.
Und auf dem einen Foto sieht es sogar so aus, als hätte einer der Felspfeiler einen Heiligenschein. 😉
Mit uns sitzt ein junges Paar aus Frankreich in der Gondel. Die beiden sind von dieser Fahrt genauso begeistert wie wir und natürlich kommen wir
schnell ins Gespräch. Wir erzählen von unserer Reise und davon, wie lange wir uns für China Zeit nehmen. Ein bisschen neidisch sind sie schon.
Sie selbst haben nur zwei Wochen und deshalb haben sie, wie sie sagen, die „typische Route“ gewählt.
Typische Route?... Verstehe ich nicht.
„Na, die zwischen Shanghai und Chongqing. Und dazwischen eben Zhangjiajie.“
Echt?
Im ersten Moment frage ich noch völlig unbedarft nach. Und dann rattert es in meinem Kopf. Shanghai. Zhangjiajie. Chongqing.
Moment mal…
Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe bei unserer Reiseplanung einen monumentalen Fehler gemacht!
Wir waren doch gerade erst in Chongqing. Zhangjiajie hätten wir direkt danach einplanen müssen. Stattdessen sind wir von Chongqing weiter quer durchs
Land bis nach Beijing gereist, nur um jetzt von dort wieder den ganzen langen Weg zurück nach Zhangjiajie zu fliegen. Wie konnte mir das passieren?
Ab diesem Moment ist es mit meiner guten Laune erst einmal vorbei. Ich ärgere mich maßlos über mich selbst. Rainer versucht mich zu beruhigen und meint,
ich hätte diese ganze lange Reise so gut geplant, da sei so etwas doch wirklich nicht schlimm.
Hilft aber nicht.
Mich wurmt dieser Fehler. Und zwar gewaltig.
Unten angekommen, geht es für uns wieder ein ganzes Stück bergab.
Wobei „bergab“ irgendwie nach Wanderweg klingt. Und den gibt es hier nicht. Stattdessen führt ein scheinbar endloser Treppengang aus Holz durch den Wald.
Da freuen sich natürlich alle Naturschützer. Wir laufen praktisch über der Natur, statt mitten durch sie hindurch, und richten so vermutlich deutlich
weniger Schaden an.
Unterwegs gehen wir an einer Affenkolonie vorbei, die hier wild lebt.
Es sind Rhesusaffen. Sie sitzen auf den Geländern, flitzen über die Holzstege, verschwinden oben im im Geäst und tauchen ein paar Meter weiter wieder
zwischen den Bäumen auf. Andere sitzen ganz entspannt auf den Geländern und beobachten uns, das vorbeiziehende Menschenvolk mindestens genauso neugierig
wie wir sie.
Besonders süß sind natürlich die Mütter mit ihren winzigen Babys.
Die Kleinen klammern sich am Bauch fest, lugen vorsichtig unter Mamas Arm hervor und schauen mit riesigen Augen in die Welt.
So niedlich vor allem die Mütter mit ihren winzigen Babys aussehen, ganz geheuer ist uns die Sache trotzdem nicht. Rhesusaffen sind schließlich
wilde Tiere und können ziemlich ungemütlich werden, wenn sie sich bedrängt fühlen oder irgendwo Futter wittern. Deshalb halten wir lieber ein bisschen Abstand.
Da wird nämlich ziemlich genau beobachtet, wer etwas in der Hand hält und wo vielleicht eine Tüte knistert. Leider greifen sie vermutlich auch zu
den Mülltonnen. Es liegen einige aufgerissene Mülltüten in der Landschaft, deren Inhalt von den Affen nach Essbaren durchstöbert wurde.
Irgendwie schade. Ich finde nämlich, man gibt sich in China so viel Mühe, um alles sauber zu halten.
Huangshizhai Scenic Area
Dieser nächste Rundgang beginnt mit einer Fahrt einer weiteren Kabinenseilbahn. Wir fahren auf eine Art Inselfelsen.
Es geht hinauf auf ein Plateau im Huangshizhai Scenic Area. Im südlichen Teil des Nationalparks.
Als wir oben aussteigen, befinden wir uns mitten in den tief hängenden Schlechtwetterwolken. Es nieselt. Und von einer schönen Fernsicht sind wir weit entfernt.
Wir spazieren lediglich zur Platform, von wo man den Six Wonders Pavilion sehen kann und drehen wieder um und fahren zurück ins Tal.


Unten angekommen, spazieren wir durch einen wunderschön angelegten Park in Richtung Süd-Ausgang. Zwischen üppigem Grün und leuchtend roten Fächerahornen
ragen noch einmal die gewaltigen Felstürme von Zhangjiajie auf. Und auch ein paar Affen hangeln sich hier von Ast zu Ast.
Das ist ein schöner Abschluss des Tages. Trotz des miesen Wetters am Ende.
Wir verlassen den Nationalpark über das Westtor und fahren mit Didi zurück zur Unterkunft.

Tag zwei ist ziemlich schnell erzählt: Es regnet ununterbrochen. Und zwar nicht zu knapp. Besonders traurig sind wir darüber allerdings nicht. Nach den vielen Eindrücken der vergangenen Tage kommt uns ein Tag Pause sogar ganz gelegen.
Am Abend sieht es wettertechnisch fast schon hoffnungsvoll aus.
Vielleicht kommt morgen die Sonne wieder raus...

An unserem letzten Tag soll das Wetter endlich umschlagen. Zumindest ist das die Theorie.
Die Realität sieht allerdings anders aus. Feiner Nieselregen liegt über den Bergen und es ist spürbar kälter geworden.
Also kleiden wir uns regendicht ein und machen uns trotzdem noch einmal auf den Weg in den Südost-Teil des Parks.
Suoxiyu Scenic Area
Im Regen wirkt die Landschaft beinahe noch mystischer.
Nur die erhofften fotogenen Nebelschwaden bleiben leider aus. Dennoch besitzt dieser letzte Ausflug zwischen den mächtigen
Felstürmen eine ganz besondere Stimmung.

Unser nächstes Ziel ist die Ten-Mile Gallery.
Dorthin bringt uns eine kleine Sightseeing-Bahn. Die Fahrt ist nicht in unserem Viertages-Ticket enthalten, aber die geringe Zuzahlung
ist es uns heute wert. Man kann die Strecke zwar auch auf einem Wanderweg zurücklegen. Bei trockenem Wetter und Sonnenschein bestimmt wunderschön.
Aber heute ist es eben saukalt und alles fühlt sich ziemlich klamm an.
Die Züge tragen am ersten Wagen jeweils ein anderes Tiergesicht. Hat etwas von Disney-Land.

An der Endstation erwartet uns eine ganze Armada von Andenkenkiosken. Nur Käufer sind weit und breit nicht zu sehen.
Wir laufen an den verlassenen Ständen vorbei und ein Stück weiter in das Tal hinein. Vom Flussbett hat man einen schönen Blick
die Three Sisters Peaks. Die drei schlanken Felstürme sollen - wie der Name schon sagt - drei nebeneinanderstehende Schwestern darstellen.

Nach der Rückfahrt mit einem Giraffenzug bringt uns ein Shuttlebus zur Talstation der Tianzi-Mountain-Seilbahn.
Also steigen wir noch einmal in eine Gondel und lassen uns hinauf auf den Berg tragen.
Oben eröffnet sich der Blick über dicht bewaldete Felsgipfel und ein scheinbar endloses Meer aus Bergketten.
Dazwischen steigen tatsächlich einige Nebelschwaden auf. Wenn auch nicht ganz so spektakulär, wie wir es uns erhofft hatten.









Am Ende ist die Fahrt mit der Gondel der schönste Teil unseres heutigen Parkbesuchs.
Dennoch bleiben wir diesmal nicht so lange unterwegs wie an unserem ersten Tag. Als der Regen noch kräftiger wird, treten wir den Rückweg an.

Am Wulingyuan-Osteingang verabschiedet uns das mächtige Wulingyuan Landmark Gate.
Auch wenn es so aussieht, der mehrstöckige Torturm ist kein historisches Bauwerk, sondern ein modernes Empfangsgebäude im traditionellen Tujia-Stil.
Durch seine Eingangshalle verlassen wir den Park und damit endgültig die faszinierende Felsenwelt von Zhangjiajie.
Zum Warmwerden essen wir eine heisse Nudelsuppe. Und dann tuen wir etwas, was wir auf der gesamten Reise noch
nicht getan haben: Wir holen uns einen heissen Schrottoschino bei Starbucks.
72 Qilou
Am Abend ziehen wir doch noch einmal los. Das Regengebiet ist durchgezogen. Der Mond ist klar zu sehen. Wir nennen es stets:
"Nachts scheint wieder mal die Sonne." Aber so ist das mit dem Wetter.
Reichlich zwanzig Minuten brauchen wir bis zur nächsten Attraktion, die sich direkt in der Stadt Zhangjiajie befindet. Sie heisst 72 Qilou.
Der Eintritt in die gewaltige Anlage ist kostenpflichtig. Es ist eine Mischung aus einem nachgebauten traditionelle Tujia-Dorf,
Einkaufszentrum und Disneyland. Letzteres ist meine subjektive Meinung.
Gleich am Eingang steht ein Modell der Anlage, um etwas Orientierung zu erhalten.

Zwischen Restaurants, Andenkenläden und bunt beleuchteten Gassen spazieren wir durch die Altstadt.
Alle Gassen enden am großen Hauptplatz, auf dem eine riesige Bühne aufgebaut ist.


Hier vor dem instagramtauglichen, fast 110 Meter hohen Nachbau eines Stelzenhauses findet nach Einbruch der Dunkelheit alle halbe Stunde eine fulminante Show mit viel Gesang und Tanz statt. Eine grandiose Lasershow, begleitet von gewaltigen akustischen Effekten.

Die Geschichte auf der Bühne verstehen wir zwar nicht, doch die Inszenierung ist so gut gemacht, dass wir der Handlung trotzdem folgen können.
Die Aufführung ist ein Mix aus farbenprächtige Kostümen, lauter Musik und jeder Menge Lichteffekte.
Disneyland eben.
Historisch ist hier zwar nichts, eindrucksvoll sieht es trotzdem aus.

So geht es weiter
Nach vier Nächten, von denen uns eine einen komplett verregneten Tag beschert hat, müssen wir weiterziehen.
Dabei gäbe es hier noch das eine oder andere, das ich wirklich gern gesehen hätte. Ein bisschen unglücklich bin ich darüber schon.
Denn dass wir noch einmal in diese doch recht abgelegene und wettertechnisch vollkommen unberechenbare Gegend zurückkehren, ist eher unwahrscheinlich.
Genau das erzählen wir dem Hotelmanager. Und der hat eine grandiose Idee!

