Sommer 2013

# Prolog

Im Januar 1993, also genau vor 20 Jahren, kam uns als absolute Japanfans die Idee, "einmal nach Amerika" zu fliegen.
Ganz klar für uns: Amerika ist da, wo immer die Sonne ganz heiß brennt, wo es diese roten Steine gibt, die wir aus vielen Berichten kennen und alle mit riesigen "Schlitten" durch die Gegend kutschieren.
Im Reisebüro gab es 1993 nur wenig Kataloge. Und die Reisebüroangestellte erzählte mir von einem Ehepaar, die schon siebten Mal!!! in den USA waren. Sieben Mal? Ach nö, die Welt ist so groß und bietet so viel Abwechslung, warum soll man immer die gleiche "Stelle" besuchen?
Hm.
Unsere erste Reise dauerte fünf Wochen, vier Wochen mit einem neun Meter langen Wohnwagen und eine Woche mit einem kleinen Flitzer. Unsere Kinder, damals 6 und 10 Jahre alt, liebten das große Gefährt. Rainer haßte es. Nie wieder wollte er mit einem Wohnwagen reisen. Zu langsam, zu sperrig und in der Großstadt absolut unpraktisch.

So sollte es auch bleiben. Nur eins haben wir nicht eingehalten: USA in nur einem Urlaub zu besuchen. Dabei waren "rote Steine", der Strand von Newport Beach/CA die meistbesuchten Hotspots unserer Reisen und Santa Ana unser "Zuhause".

2013 wird unser 25. Mal USA. Und ja, auch dieses Mal geht es wieder in den Südwesten.
Wir starten ganz entspannt in Denver und planen innerhalb von vier Wochen in Santa Ana zu erreichen.

Donnerstag vor Urlaubsbeginn

Seit Tagen suchen wir unseren Klappspaten, der uns für den Fall, dass wir wieder unser Auto im Tiefsand versenken, helfen soll. Ein großer Haushalt ist nicht immer von Vorteil
blitz, sylwiabuch.de Ich bin ziemlich resigniert, aber Rainer meint: geholfen hat er uns in diesen Situationen eh nie.
Gut. Aber wo ist eigentlich meine polarisierte Sportsonnenbrille?
Packen für den morgigen Urlaubsstart macht keinen Spaß. Alles ist etwas chaotisch. Es ist viel zu heiß!
Es herrschen 39.5°C ! In der Wohnung aber "nur" 29°C.
Die Luft ist elend schwer und feucht.
Am späten Abend entlädt sich die schwüle Luft in einem nicht enden wollendem Unwetter mit Gewitter und Blitzen vom Feinsten. Mit so vielen Blitzen, daß es mir sogar gelingt, in einer Freihandaufnahme einen Blitz einzufangen.
Nachts werden wir von der Feuerwehr und deren Sägearbeiten geweckt, denn hinter unserem Haus hat das Unwetter Bäume abgebrochen.

# TXL - LHR

Am Morgen ist der ganze Spuck vorbei. Die Sonne lacht, die Temperaturen liegen um die 20°C und die Luft ist zum Durchatmen frisch.
Am späten Nachmittag starten wir nach Tegel.
Bis zum Boarding sind es nur noch 20 Minuten und ich bestehe auf dem Prosecco, den Rainer mir versprochen hat.
Wir sitzen noch keine zehn Minuten, als erst die Ansage über eine 45 minütige Verspätung des Starts informiert wird und A319-100, sylwiabuch.de schon Minuten später wird auch das wieder revidiert. Aus 45 Minuten wird eine ganze Stunde. Ist nun auch kein Problem, dann starten wir den Urlaub eben mit zwei Prosecco.

Letztendlich starten wir anderthalb Stunden später mit einer A319-100 gen Westen.

Ich frage die nette Flugbegleiterin, warum wir so verspätet losfliegen. Und sie erzählt alle möglichen Geschichten und letztendlich sei alles eine Folge des gestrigen Unwetters.

Leider haben die Flughafenhotels in LHR nicht den aus den USA gewohnten Flughafen-Shuttle.
Im USA-Forum bekam ich den Tipp, nicht das Taxi zu nehmen, sondern den Service des Hoppa-Bus-Systems zu nutzen. Am Informationsstand kaufen wir ein Kombiticket, das heißt auch für die morgige Rückfahrt zum Airport.
Der Bus fährt nach ca.10 min vor dem Marriott Heathrow Hotel vor, wo wir einchecken.

Mittlerweile ist es 9.45pm. Für eine Fahrt in die City ist es viel zu spät. Im Tuscany-Restaurant essen wir etwas Pasta und dann gehts ab in das himmlisch bequeme Bett.

# LHR - DEN

"Tag der Delay's" oder "fliegt überhaupt noch einer nach Plan" wäre vielleicht ein treffenderer Titel für diesen Tag.

Früh um 5am klingelt unser Wecker, denn schon 5.45am geht unser Bus zum Airport.
Das Wetter ist wie wir es in Großbitanien erwarten: es regnet, der Wind ist schneidend kalt und der Himmel ist grau, dazu gefühlte 2°C!

Im "Prêt à Manger" hole ich mir einen Cappuccino mit Extrashot, damit ich in die Gänge komme.

Am Gate erfahren wir, daß unsere Boeing 777 noch nicht da ist und wir mit einer Verspätung von einer knappen halben Stunde rechnen müssen.
Ok. Nicht so schlimm. Wir haben ja in Chicago eine Umsteigezeit von zwei Stunden eingeplant.
Minuten folgt die nächste Ansage für eine weitere Verspätung. Dieses Mal ist der Cateringservice schuld. Der ist nämlich im Londoner Stau stecken geblieben.

Der Flug ist eher ruhig.
Wir fliegen fast über die gesamte Zeit über einer geschlossenen Wolkendecke.
Und wieder einmal kann man weder Grönland sehen, noch die schwimmenden Rieseneisberge beobachten.
Die Reihe 20 ist die erste nach der Businessklasse und bietet unendlich viel Beinfreiheit.
Die Flugbegleiter der United -und es ist mir ein Bedürfnis das hier festzuhalten- machen auf uns einen genervten Eindruck.
So nach dem Prinzip: hier hast Du Dein Essen und laß mich in Ruhe!

flug, USA

Das Essen bei UA ist bescheiden, aber trotzdem schmackhaft.

flug, USA

Blick über den verschleierten Lake Michigan

Die Verspätung von einer Stunde haben wir nicht eingeholt.
Für die Einreise verbrauchen wir noch die zusätzliche Stunde an Zeitsicherheit. Und als wir die Koffer wieder aufgeben wollen, nimmt man uns das Gepäck mit der Begründung nicht ab, daß wir den Anschlußflug sowieso nicht mehr schaffen werden.
Gleichzeitig geleitet man uns zum United-Schalter.
Wir sind stinkesauer. Wollten wir doch in Denver nicht so spät ankommen.
Die Mitarbeiterin am UA-Schalter wiederum ist vollkommen verwundert, warum wir die Koffer nicht abgeben und zum Anschlußflieger sprinten.
Mehr Durcheinander geht nicht.
Daraufhin gibt sie uns einen speziellen Paß, mit dem wir die nächste Flughafensicherheitskontrolle bevorzugt passieren dürfen.
Gut. Wir sind ganz happy über die neueste Entscheidung und pesen ganz schnell zum Shuttle-Zug und anschließend durch den schön beleuchteten, langen Durchgang auf Chicagos Airport. Am Gate angekommen sind wir völlig außer Atem.
Der Raum an unserem Gate ist voller Leute. Was denn nun?
Warten alle auf den nächsten Flieger? Oder was ist hier los?
Eine Passagierin beklagt, dass der Flieger nach Denver verspätet ist.
Hm. Für uns ist das eine tolle Nachricht!
Also suchen wir uns zwei freie Plätze und warten.

Nach einer Weile des Wartens schnappt sich eine in UA-Uniform gekleidete Frau fortgeschrittenen Alters das Mikrofon.
Gutgelaunt sagt sie Folgendes:
Hi I'm your captain.
The bad news:
The crew just left the aircraft and there will be an other delay
But...
The good news:
Something at the plane is broken and yeaaah...

(dabei reißt sie beide Arme nach oben und schwingt mit der Hüfte im Kreis)
... we'll get a new plane in about an hour!

Uns kann sowieso nix mehr schocken.
Aber das gefällt uns! Und die Frau versprüht sogar bei den Nachrichten noch richtig gute Laune!
Für uns kann das also nur eins heißen: das Beste aus der Situation machen.
In der nahgelegenen Sportsbar gibt es noch Plätze an der Bar.
Airport Chicago, ORD, sylwiabuch.de Rainer nimmt ein Samual Adams und ich...??? Ich bin unentschlossen und lasse mich von der Bardame beraten.
Letztendlich zaubert sie ein leckeres, rotes Gesöff und ich äußere meine totale Begeisterung und so bestellt gleich die Dame neben mir, mit der ich schon in's Gespräch gekommen bin, das Gleiche.
Ja natürlich haben wir genug Zeit und nehmen das Gleiche nochmal.

Fröhlich und gut gelaunt schlendern wir zum Gate, wo das Bording schon begonnen hat.
Wir sitzen in Reihe 8, am Notausgang.
Der Flug ist ein einziges Gewackel "on a bumpy way".
Normalerweise brauchte ich spätestens hier eine Angsttablette, aber da ich weiß wer uns fiegt, bin ich ganz zuversichtlich.
Ich schreibe deshalb schon mal unsere ersten Eindrücke in den Läppi.
Die Zeit vergeht ganz schnell.
Und als vor noch stärkeren Turbulenzen bei der Landung gewarnt wird, der Laptop auf dem Tisch nicht mehr liegenbeibt, beende ich meine Schreibtätigkeit.

Wir fliegen ziemlich lange im Tiefflug durch dunkelste Schichten und als wir auf der regennassen Bahn aufsetzen, gibt es noch ein lautstarkes, tiefdröhnendes Gewitter inklusive Blitze direkt hinter uns.

Denver Airport, USA, sylwiabuch.de

Puh. Glück gehabt.
Aber wer da denkt, das war's schon... nö.
Erst können wir nicht an den Finger, weil alle Mitarbeiter des Flughafens wegen des Unwetters ins Gebäudeinnere rein mußten.
Als wir endlich den Flieger verlassen dürfen, geht die Fortsetzng der Reihe an Delays am Gepäckband weiter.
Da alle Mitarbeiter immer noch im Airportgebäude sind, können die Flieger auch nicht geleert werden.
Also ist wieder Warten angesagt. Aber was soll's, wir haben ja Urlaub Und es ist ja nicht so, daß ich nix zu tun habe.
Denver Airport, USA, sylwiabuch.de Nach ungefähr dreißig Minuten bewegt sich das Gepäckband. Ein Koffer hat es bis Denver geschafft. Der andere scheint noch in der Luft unterwegs zu sein.

Das Anmieten unseres Mietwagens stellt die nächste Hürde des Tages dar.
Der Mitarbeiter von Alamo will uns partout eine zusätzliche Versicherung andrehen. Dafür haben wir zwar Verständnis, kaufen ihm trotzdem keine weitere ab.
Richtig eingeschnappt begleitet er uns in die vermeintliche Choice-Line und zeigt uns zuerst, daß wir mit diesem Vertrag nur drei von den vielen Autos haben können.
Als Rainer dann den Manager sprechen will, wird die Auswahl wesentlich größer!
Wir entscheiden uns für einen Ford Escape. Die Innenausstattung ist sehr komfortabel inclusive schalenförmiger Ledersitze. Die Bodenfreiheit ist etwas bescheiden. Aber der Fahrer sagt es sei ok.

Ziemlich entnervt verlassen wir das Gelände und fahren zum Hotel. Durch das Punktesammelsystem von Amex logieren wir heute kostenlos im Holiday Inn, Denver Stapleton

Denver Airport, USA

Das Zimmer ist sauber und großzügig. Ein ganz normales Zimmer eben.
Wir werfen unsere Koffer ab, machen uns kurz frisch und fahren ins Outback.
Mit einem Victorias Filet kann der Urlaub beginnen.

# Geplante Gesamtroute

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