• Calhan Paint Mines Interpretive Park, Colorado,USA
    Auf nach Arizona ! 
    Tag 9

Highlights des Tages

Chiricahua National Monument

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Ein Meer voller grandioser Balanced Rocks, Pinnacles und Steinsäulen ...

Cochise Head

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Cochise, einer der bedeutendsten Apachehäuptlinge mit der Natur vereint ...

Harris Mountain

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Ein Berg mit trauriger Historie ...

🚗 Es geht zum Chiri... wie?

Wie jeden zweiten Tag, ziehen wir auch heute weiter.
Es geht nach Pearce in Arizona.
Damit scheint New Mexico die meisten Highlights auf unserer Reise gehabt zu haben. Jedenfalls wenn ich mir mal so meinen Plan angucke.
New Mexico haben wir Mitte der 1990er Jahre schon besucht. Viel ist da nicht in Erinnerung geblieben, was eine Wiederholung des Besuchs in diesem Bundesstaat gerechtfertigt hätte. Dagegen haben wir schon mehr als 15 oder gar 20 Mal Staaten wir Utah, Nevada, Arizona und Kalifornien besucht. Dort gab es immer wieder mehr zu sehen als anderswo. So unsere bisherige Sichtweise. Außerdem mögen wir das Wetter in diesen Bundesstaaten: heiß und trocken.
Die letzten Jahre aber war es im Sommer - unsere Hauptreisezeit - immer wieder eine Flucht vor dem Sommermonsun.
Drei Anläufe haben wir gebraucht, um am Toroweap Point diese steile Wand sehen zu können. Zwei Jahre hintereinander hatte es geschüttet wie aus Kübeln. Oder es hat gewittert. Dabei gab es einmal sogar einen Erdrutsch, weswegen wir die 62 Meilen lange Strecke nicht gefahren sind.
Berufsbedingt - nein, wir sind keine Lehrer - ist für uns der Juli und August die einzige Möglichkeit drei Wochen am Stück Urlaub zu nehmen. 2019 lagen die Feiertage sehr günstig. Ostern Mitte April zusammen mit dem 1. Mai ergibt eine feine Konstellation: 13 Urlaubstage - 21 Tage Urlaub.
Wunderbar. Zum ersten Mal sind wir im April in den USA. Bis jetzt hat sich dies als ein Glücksgriff erwiesen. Zwar waren die Temperaturen noch in Colorado Springs etwas frisch, doch "Rote Steine im Schnee" - war für uns ein Novum!

Nun gut. Genug des Gelabers. Heute ist Ostersonntag.
Mit Ostereiern dekorierte Bäume oder Büsche, hartgekochte und bunt bemalte Eier - Fehlanzeige. Logisch. Hier wird Ostern noch als das gefeiert, was es ist. Ein katholischer Feiertag.
Frühstück gibt es wie auch gestern im "GARDUÑO'S RESTAURANT & CANTINA".

Hotel Encanto, Las Cruces,New Mexico,USA,born4travel.de

Wir verfallen langsam in den Urlaubsmodus.
Erst kurz nach 11 Uhr verlassen wir den Parkplatz. Und fürs Protokoll: Es sind 23°C.
Im nahe gelegenen Walmart holen wir uns kleingeschnippeltes Obst auf Joghurt und Granola. New Mexico - Arizona Border Sign,USA,born4travel.de Unsere neue Lieblingsspeise (natürlich neben dem Stullchen mit Pastrami und Avocado) für das Picknick unterwegs. Obwohl heute Ostersonntag ist, wird bei Walmart gearbeitet. Ausnahmen bestätigen eben die Regel - wie wir Mathematiker zu sagen pflegen.

Für den Weg nach Pearce gibt es nur eine Notiz: "evtl. City of Rocks".
Das wählen wir kurzentschlossen ab und fahren auf der I-10 gen Arizona.
Der Grenzübertritt ist ein echter Bringer, denn wir kriegen eine ganze Stunde geschenkt. Da freut man sich doch.

Exit 366, kurz vor Bowie, ist der unsere.
Die Tankstelle ist einen Fotostopp wert. Beim Anblick der ganz verloren wirkenden Tankstelle, fühlt man sich in die 1960er Zeiten gebeamt.

Shell Gas Station in Bowie,Arizona,USA,born4travel.de
Shell Gas Station in Bowie,Arizona,USA,born4travel.de

Es geht die Apache Pass Road gen Süden.
Es fährt sich sehr angenehm. Links und rechts der Straße sind Farmen. Es wird Wein angebaut. Und Pistazien.
Die ersten knapp 12 Meilen sind asphaltiert und zweispurig bevor die Apache Pass Road zu einer unbefestigten, aber gut präpariert Straße wird.

Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de

Es ist 2 Uhr nachmittags.
Linkerhand lockt uns eine Picknick Area. Am dazugehörigen Parkplatz stehen einige Autos und ein Wohnmobil. Doch nur ein Pärchen ist zu sehen.
Wo sind die anderen alle?
Was ist hier überhaupt, weshalb hier Autos parken?
Hier startet der Wanderweg zum Fort Bowie National Historic Site.

Das Paar fragt, ob wir auch zum Fort wandern wollen, denn der Trail ist sehr empfehlenswert. Ach ja. Ein paar Deutsche sollen da auch unterwegs sein. Und zwar die, denen der rote PKW gehört.
"Ah ja. Nein, wir werden nicht wandern. Wir wollen nur etwas essen.
Vielleicht beim nächsten Mal. Heute wollen wir noch in diesen Park. Chiri... wie auch immer."
"Chiricahua [Chirikaua]".
Super. Nun wissen wir auch wie es ausgesprochen wird!

Picknick am Fort Bowie National Historic Site,Arizona,USA,born4travel.de
Picknick am Fort Bowie National Historic Site,Arizona,USA,born4travel.de

Nachtrag zum Fort Bowie National Historic Site:
Fort Bowie war Zeuge eines fast 25-jährigen Konflikts zwischen Chiricahua Apache und der US-Armee im späten 19. Jahrhundert.
Der Trail ist etwa 1.5 Meilen lang und führt zu alten Festungsruinen.

So geht's weiter.
Nämlich allmählich immer höher.
Die Straße ist unbefestigt aber wie man sieht sehr gut präpariert.
Es ist eben vorteilhaft, wenn man Niemanden vor sich hat 😉

Picknick am Fort Bowie National Historic Site,Arizona,USA,born4travel.de

Von da kommen wir her...

Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de
Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de

Stolzer und alleiniger Fahrer mit seinem Gefährt

Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de

... und da wollen wir hin

Als wir die AZ-186 E erreichen, haben wir es schon fast geschafft. Die Straße ist ab hier wieder asphaltiert.
Etwa 20 Minuten später sind wir an unserem heutigen Ziel.

Impressionen an der Apache Pass Road,Arizona,USA,born4travel.de

Leben mitten im Nowhere - dafür direkt vor dem Chiricahua NM

Das Tor des Dreamcatcher B&B ist weit offen. Wir fahren auf das weitläufige Gelände und parken am weißen Zaun.

Dreamcatcher B&B in Pearce,Arizona,USA,born4travel.de

Niemand ist zu sehen. Es sieht etwas verlassen aus. Ich zweifle etwas, ob die Buchung überhaupt stattgefunden hat. Wir haben weder eine Anzahlung machen sollen, noch haben wir eine Kreditkartennummer hinterlegt.
Rainer geht alleine - ich bleibe im Auto. Erst klinkt er an verschiedenen Türen. Die sind zwar offen, aber es sind Gästezimmer. Dann findet er doch noch eine offene Tür.
Nach einer Weile kommt er mit John aus dem Haus. Wir machen uns bekannt und John bietet uns zwei Zimmer zur Auswahl. Den French Room oder Egyptian. Wir entscheiden uns für den Letzteren.

Der Innenhof hat etwas Verträumtes.
Wir nehmen mit John dort Platz und reden über unsere heutigen Pläne. John ist sehr unterhaltsam.
In den 1960er Jahren hat er in Berlin gearbeitet. Im damaligen Hilton. Natürlich kann er einige Worte deutsch.
Die Männer machen ein paar Gags und Schwuppdiwupp steht John mit 3 Gläsern und Eiswürfeln da. Wie liefern Gin und Tonic.
So lässt es sich doch gut an.

Dreamcatcher B&B in Pearce,Arizona,USA,born4travel.de
Dreamcatcher B&B in Pearce,Arizona,USA,born4travel.de
Dreamcatcher B&B in Pearce,Arizona,USA,born4travel.de

Er holt uns in seine Küche im Haus. Auch Julia, seine Frau ist da. Beide sind jenseits der 80. Wirken aber recht fit. Wir bekommen Kaffee und selbstgebackene Kekse. Beide lieben es viel zu reden. Und Tipps zu geben. Wir sollen unbedingt noch heute Nachmittag einen Trail im Chiricahua NM laufen!

Wir machen uns auf den Weg.
Bis zum Park sind es etwa 12 Meilen. Also praktisch ein Katzensprung.

Erst sehen wir ein paar Steinformationen und dann - und das recht plötzlich - fahren wir inmitten hoher Steinsäulen.
Wir sind sprachlos.

# Chiricahua National Monument

Der Park wurde 1924 zum Schutz der einzigartigen Felsformationen zum National Monument. Wegen seiner Abgeschiedenheit gehört er zu den weniger besuchten Gebieten. Das freut vor allem uns, die Besucher.

Zur Erweiterung des Allgemeinwissens und mehr Infos und natürlich noch mehr Fotos gibt es in einem gesonderten Blogbeitrag unter Chiricahua National Monument

Ein wenig wie im Sandsteingebirge in Sachsen. Nur höher und wesentlich großflächiger. Wir versuchen ganz standhaft zu bleiben und nicht ständig einen Stopp einzulegen. Doch die Überlegung, dass sich diese Abschnitte morgen im Schatten befinden werden, lässt uns umdenken.

Und beim Betrachten der Fotos für den Bericht, stelle ich fest, dass die Aufnahmen wieder einmal die Realität nicht in seiner voller Schönheit wiedergeben können.
Eigentlich Schade!

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de
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Das Information Center hat schon geschlossen. Schade.
Wir fahren bis zum Ende des Bonita Canyon Drives. Die Fahrt dorthin ist schon atemberaubend. Anders kann man das nicht sagen. Vor allem wenn die Steinsäulen so nahe der Straße stehen und wir uns wie mitten im Canyon fühlen.
Ein weiterer Abschnitt der Straße führt tangierend am "Steinwald" entlang. Auf der anderen Seite gibt es wundervolle Ausblicke. Die Straße gewinnt schnell an Höhe.

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Am Massai Point-Parkplatz angekommen sind wir fast die Einzigen. Wir verschaffen uns einen kleinen Überblick an den Infotafeln und machen einen kurzen Rundgang. Ein Vorschnuppern für morgen sozusagen.

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de
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Im oktogonalen, rundumverglasten Pavillion gibt es noch mehr Infos und tolle Ausblicke mit Erklärungen.
Eine kleine Gesamtübersicht bietet dieses Plakat.
Es ist stark ausgeblichen. Doch zeigt es die besonderen beziehungsweise auffälligen Steine. Die Namen sind dabei selbsterklärend.

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Vermutlich wäre mir sonst ohne diese Hinweise auch der liegende Kopf des Apache Häuptlings Cochise entgangen.
Jetzt da ich es weiß, kann ich an dieser Stelle nichts anderes sehen als ein Profil indianischer Herkunft.

# Cochise Head

Das auffallende Felsprofil hat eindeutig die Form eines Männerkopfes. Mit einem rauen Gesicht, einer langen gebogenen Nase und einer gewölbten Stirn. Für eine Wimper soll die 35 Meter hohe Douglasie sorgen. (Diese "Wimper" sehe ich heute allerdings nicht 🔍)
Die Gesteinsformation besteht aus Tuffstein, einem Gestein aus Vulkanasche.
Die dargestellte historische Figur soll Cochise sein, einer der einflussreichsten Häuptlinge der Chiricahuas-Apachen, der in dieser Gegend gelebt hat.
Man sagt, Cochise zog die Diplomatie der Kriegsführung vor.
Er lebte in Frieden mit den Siedlern bis er 1861 der Entführung eines weißen Jungen beschuldigt wurde. Als dann ein vorschneller Leutnant versuchte Cochise am Apache Pass zu verhaften, floh er und überfiel zusammen mit Mangas Coloradas und Geronimo eine US-Truppe bei der er und seine Krieger eine Niederlage hinnehmen mussten.
Infolge dessen brach ein unglücklicher elfjähriger Krieg aus. Er führte Überfälle auf Siedlungen, Postkutschen und Goldsucher an. Im Jahre 1871 suchte der US-Postinspektor Thomas Jeffords Cochise auf und bat ihn, die Postkutschen in Frieden durch sein Gebiet ziehen zu lassen. Die darauf folgende tiefe Freundschaft zwischen Cochise und Jeffords war Grundlage des 1862 zwischen Cochise und der US-Regierung geschlossenen Vertrages, die den Chiracahuas-Apachen ihr Jagdgebiet als Reservat garantierte.
Cochise starb im Juni 1874.

Angenommen mich fragt mal jemand wer Cochise war - jetzt weiß ich es 🤓

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de
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# Harris Mountain

Blick zu den Harris Mountain umgeben vom San Simon Valley. Auch hier gibt es eine Geschichte.
Die Siedler-Familie Harris, die mit ihren Mädchen gen Westen unterwegs waren, wurde von Indianern aufgegriffen - die Eltern getötet. Eins der Mädchen wurde Jahre später von Soldaten in der Nähe von Fort Bowie in einem Apache Camp gefunden. Um ihre Geschichte zu beweisen, führte sie die Soldaten an den Punkt des Verbrechens. Tatsächlich fand man dort die Knochen der Eltern.
Zu ihrem Gedenken bekam der Berg den Namen Harris Mountain.

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Ein paar letzte Fotos müssen jetzt noch sein.
Dieser Weitblick ist phänomenal.
Und die Ruhe unbeschreiblich!

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Blick gen Osten

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Blick gen Westen - Richtung Pearce

Am Parkplatz an dem der Echo Canyon Trail beginnt, schauen wir uns auch nochmals um.
Alles sehr beeindruckend.
Wir fragen uns gerade, wieso wir noch nie hier waren?

Unsere Begeisterung nimmt kein Ende.
Wir beschließen am morgigen Vormittag nochmals hierher zu kommen. Noch bevor wir in Richtung Tucson die Gegend wieder verlassen. Und wir hoffen natürlich, dass wir über diese Zeit unser gesamtes Gepäck bei Julia und John lassen dürfen.
So könnten wir morgen zwar nicht den gesamten, langen Trail bis zum Info-Center machen, aber wenigsten den Rundgang, den Echo Trail.
Nicht zuletzt hoffen wir, dass das Wetter morgen so grandios sein wird wie heute!

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de

Das ist unsere gesamte Ausbeute an "wilden" Tieren, die wir gesehen haben.
Ist nicht viel.

Chiricahua National Monument,Arizona,USA,born4travel.de
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19 Uhr gibt es Dinner im B&B.
Julia und John haben sich sogar umgezogen.
Es gibt drei Gänge und Rotwein.

Die beiden sind sehr unterhaltsam und reden über Gott und die Welt. Auch über den Fakt, dass sie jemanden suchen der das B&B kaufen möchte. Denn sie wollen sich zur Ruhe setzen. Sie selbst haben zwar fünf Kinder und zig erwachsene Enkel, aber keiner will es übernehmen. Beziehungsweise... als John das Wohnzimmer verlässt, erfahren wir von Julia, dass keiner gut genug sei und zuletzt hat wohl sogar die Tochter das Handtuch geworfen.
Szenen einer Ehe - ich liebe es 😂

Ganz nebenbei erwähnt John später, dass sie im Oktober unter anderem nach Singapore fliegen werden.
Ob wir es kennen? Was für eine Frage.
Singapore kennen wir wie unsere Westentasche.
Er zeigt mir sein gebuchtes Hotel. Doch Moment mal. Das ist doch gar nicht in Singapore! Wir checken es nochmals gemeinsam. Und das ist gut so. Denn sein gebuchtes Hotel befindet sich in Malaysia, in der Nähe der Grenze zu Singapore. Es trägt trügerischer weise nur den Namen der Stadt.
Puh. Das ist nochmals gut gegangen.

Etwa halb Zehn fallen wir ins Bett.
Genug erlebt 😎

Gefahrene Strecke: 256 Meilen = 412 Kilometer