• Kathmandu - Lhasa
    Tag 3
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Highlights des Tages

Flug über Himalaya

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Wir überfliegen das Himalayagebirge ...

Barkhor

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Die Umrundung des Jokhang Tempels ...

Flug von Kathmandu nach Lhasa - Tibet

Gleich nach dem Frühstück geht es los. Endlich.
Wir werden zum Airport Kathmandu gebracht.
Einchecken erfolgt in Eigenregie.
Das heißt natürlich, daß es uns weder möglich ist rauszubekommen, auf welcher Seite man sitzen „muß“, um den Mt. Everest zu sehen, noch haben wir eine Chance solch einen Vorzugsplatz zu bekommen.

Aber es gibt Schlimmeres... nämlich einen nepalesischen Zollbeamten.
Der durchwühlt unser Handgepäck und findet doch tatsächlich ein drei Milliliter großes Fläschchen mit Desinfektionsgel. Und das - kann ich unmöglich mit an Bord nehmen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß er es selbst haben möchte. Provokativ gebe ich ihm zu verstehen, daß mir das einleuchtet, ich das Gel aber selbst entsorge, indem ich das Gel vor seinen Augen in den Mülleimer fließen lasse.
So!
Das war mir jetzt echt ein Bedürfnis!
Ich bin stinkesauer.

Unser angesagter Flug wird immer und immer wieder verschoben. China Air hat hier das Monopol auf die Flugstrecke Lhasa-Kathmandu und zurück.
Der Flughafen ist eine Halle ohne jegliche Annehmlichkeiten. Wir sind ohnehin eingesperrt in unserem Glasraum.
Das wird uns deutlich gemacht durch einen quadratischen Holztisch, der am Ausgang von 3 ganz "wichtigen Leuten" bewacht wird.
Gegen Mittag erst, wird der Flieger nicht nur angesagt, sondern er ist tatsächlich auch da.
Spannender kann es ja kaum sein.

# Flug über das Himalaya Massiv

Wir sind mit einem Airbus A319 unterwegs - sauber und außerdem macht alles einen neuen Eindruck.
Der Service ist gut. Das Essen auch, es sitzen ja eh nur westliche Touristen hier.

Kathmandu, Nepal

Ein letzter Blick auf Kathmandu, das uns als Stadt positiv überrascht hat und ein guter Einstieg in ein noch nicht von uns gesehenes Asien war.

air China

Nach gefühlten 20 Minuten krächzt der Captain etwas ins Mikrofon und auch wir checken, daß wir wohl gleich DEN Berg aller Berge überfliegen werden.
Und dann passiert's : alle Passagiere der gesamten rechten Seite (Sitzverteilung im Flieger: 3-3) stehen auf, stürzen sich teilweise über die „Glücklichen“, die auf der linken Seite sitzen und versuchen zwischen den vielen Achttausendern den Höchsten auszumachen. Durch irgendwelche "Sichtluken", die zwischen den Armen entstehen, sehe ich viele weiße Spitzen.
Hm. Aber ob der Mt. Everest dabei war??? Ich gebe meinen Fotoapparat jemandem durch, der eine Aufnahme machen soll.

flight Kathmandu lhasa mt everest
flight Kathmandu lhasa mt everest

Mt. Everest (englisch), oder auch Qomolangma (tibetisch) oder Sagarmatha (nepalesisch)

Nun ja, ich setze mich wieder hin. Mir ist es ungeheuerlich, wenn so viele Menschen auf einer Seite des Flugzeuges kleben. Ich denke mir, daß die Piloten jedes Mal nachsteuern müssen, um den Flieger einigermaßen waagerecht weiterfliegen zu können.

Den restlichen Flug überlege ich, ob wir immer noch im Himalaya sind, denn die Berge werden immer kleiner und grüner. Die Aussicht ist aber nicht minder interessant.

flight Kathmandu lhasa mt everest

Der Flughafen von "Lhasa-Gonggar" (tibetisch:ལྷ་ས་གོང་དཀར་རྫོང་) ist sehr groß und hypermodern. Er befindet sich in einer Höhe von 3.750 Meter über NN.
Kathmandu dagegen liegt bei 1.350 m.
Das ergibt mal auf die "Schnelle" einen Höhensprung von 2.400 m!

Der Boden im Airportgebäude ist aus weißem hochglänzendem Naturstein.
Und generell ist mit sehr viel Glas gearbeitet worden.
Doch die Frauentoiletten sind nicht nur überschwemmt, sondern auch der Zugang dorthin ist in Sandalen einfach kritisch. Es gibt westliche und asiatische Toiletten.
Letztere sind schlecht besucht und so bin ich ganz schnell fertig.

Die Einreisebeamten kontrollieren ganz genau das Gepäck, wobei man hier auf der Suche nach (verbotenen) Abbildern des Dalai Lama ist. Deshalb wird auch mein Vis-a-Vis Reiseführer durchgeblättert.
Puh. Offensichtlich haben die Redakteure an alles gedacht, denn ein Foto vom Dalai Lama ist nicht drin.

Airport Lhasa-Gonggar,Tibet

Und das wird auch unser Fahrzeug für die nächsten Tage sein.

Am Ausgang erwarten uns unser Guide und ein Fahrer.

Das ist unser Auto für die nächsten Tage, ein Toyota Landcruiser. Und wie wir später feststellen werden, ein ideales Fahrzeug um mit den extremsten Fahrbahnbeschaffenheiten klarzukommen.
Wie üblich begrüßt uns unser Guide mit weißen, seidenen Schals.
Dhod Gu Hotel Lhasa,Tibet

Unser Guide ist sehr jung.
Sein Englisch: naja. Ansonsten spricht er noch tibetisch.
Der Fahrer spricht nur Mandarin und tibetisch. Und sieht etwas mürrisch aus.

Wir fahren etwa eine Stunde bis Lhasa und währenddessen wird uns eingebläut, daß wir "never ever" das Wort Dalai Lama aussprechen sollen.
Wenn wir also etwas über ihn wissen wollen, dann sollen wir ausschließlich im Auto fragen.

Unser Hotel, das Dhood Gu Hotel liegt in der Altstadt und damit in bester Lage.
Es ist im tibetischen Stil erbaut oder noch von ganz früher stehengeblieben. jedenfalls ist es im Eingangsbereich ziemlich düster.
Das Hotelpersonal spricht erfreulich gut Englisch.

Sofort ist auch der Bell Boy da und will unseren Koffer und sogar das Handgepäck hochtragen, aber das geben wir doch wegen der darin befindlichen wichtigen Unterlagen auf keinen Fall aus der Hand. Das Handgepäck wollen wir auf jeden Fall selbst hochtragen.
Das war auch der beste Witz des Tages

Ja ja... bisher wurden wir ja nur mit Auto gefahren und haben gar nicht die Höhe von3.700 m über NN gemerkt.
Aber schon nach den ersten acht Stufen schnappen wir beide nach mehr Luft! Einen Lift gibt es hier aber nicht.

Zwei lange Treppen mit je 20 Stufen führen in unsere Etage.
Kurz vor dem Kollaps erreichen wir das Zimmer!

Das Zimmer ist wunderschön tibetisch eingerichtet.
Aber dafür haben wir vorerst keinen Blick übrig.
Wir fallen auf das Bett und brauchen viele, viele Minuten um wieder aufnahmefähig zu sein.
Zu Hause wohnen wir in der vierten Etage, aber noch nie war ich so außer Puste. Selbst wenn ich Einkäufe für eine Großfamilie hochschleppen muß!

Dann schauen wir uns um.
Ja das Bad ist mit allen Utensilien ausgestattet. Wer hätte das gedacht?
Man hat auch wirklich an alles gedacht.

Kondom, Dhood Gu Hotel Lhasa,Tibet

In Vorbereitung auf die Reise habe ich gelesen, daß man sich auf die Höhenkrankheit nicht vorbereiten kann. Man soll eben vieeeel trinken.
Und das ist gleich der nächste Witz: Vier Flaschen Wasser stehen ja auch da. Aber mir ist vorher noch nie aufgefallen, daß man beim Trinken atmet... ja und da hätten wir wieder ein Problem.

So also werden wir in den nächsten zwei Tagen wohnen:

Dhod Gu Hotel Lhasa,Tibet

Und dann ist es soweit:

LHASA wir kommen!

# Barkhor

Unser Guide wartet in der Lobby und will uns etwas im Barkhor rumführen.

Als Barkhor wird der Gebetsweg rund um das Jokhang Kloster bezeichnet. Das Viertel in dem wir wohnen gehört zur Altstadt und beherbergt den wichtigsten Tempel und außer dem Potala Kloster die Sehenswürdigkeit schlechthin.

Für die Pilger gibt es als Ziel eh nur diese Altstadt mit dem Jokhang Tempel.
Unser Guide führt uns in ein und das andere Andenkengeschäft und wir werden das Gefühl nicht los, daß wir etwas kaufen sollen.
Was soll das denn?
Zumal wir auch nur in stark überteuerte Geschäfte gehen, wo wirklich nur westliche Menschen zu sehen sind. Nö. Darauf haben wir nicht nur jetzt keine Lust, sondern ich erwarte von einem persönlichen Guide, daß er mir gute Tipps gibt.

Irgendwann haben wir solch' eine "Führung" satt und geben ihm zu verstehen, daß wir den Abend doch lieber alleine verbringen wollen.
Infos kommen von ihm eh nur spärlich, denn sein Englisch ist grauenhaft.
Er ist zwar der Meinung, daß wir verloren gehen. Aber wir weisen seine Einwände zurück!

Im Zentrum des Barkhor beobachten wir, wie ein Strom von Pilgern im Uhrzeigersinn den Jokhang Tempel umrundet. Dies entspricht einer Kora, einem Ritual, das mit Götterverehrung verbunden ist. Der Gang im Uhrzeigersinn entspringt der Bon Religion, der ältesten Religion in Tibet, die dem Buddhismus voranging.
Ausnahmslos alle drehen dabei eine Gebetsmühle.
Und weil wir die Menschen nicht von hinten sehen wollen, entschließen wir uns zum Gang gegen den Uhrzeigersinn.
Was für eine Stimmung!

Bakhor, Lhasa,Tibet
Bakhor, Lhasa,Tibet
Bakhor, Lhasa,Tibet
Bakhor, Lhasa,Tibet

Uns bietet sich ein völlig ungewohntes Bild.
Menschen, die wir so noch nie gesehen haben.
Viele der Pilger haben – egal ob weiblich oder männlich - Ketten umhängen, mit riesigen Schmucksteinen, teilweise auch im Haar eingeflochten. Auch die Kleidung ist für uns ungewohnt. Es scheint, als hätten sie alle Mäntel die sie besitzen übereinander geworfen. Die haben sie nicht direkt an, sondern werden von einem Taillengürtel gehalten.
Schwer zu beschreiben.
Jedenfalls ist dieser Menschenschlag völlig anders als der des Nachbarlandes Nepal.

Bakhor, Lhasa,Tibet

Vor dem Eingang des Jokhang Tempels endet die Kora. Als Kora bezeichnet man die Umrundung eines heiligen Ortes.
Hier ist die Umrundung des Jokhang Tempels gemeint.

Trotz der enormen Höhe hier in Lhasa sind es immer noch angenehme Temperaturen und erst nach Sonnenuntergang muß ich zur Strickjacke greifen.

Kaum daß man die Altstadt verläßt, schließt sich eine supermoderne, vielspurige Schnellstraße an, die sich nicht von unseren Straßen unterscheidet. Viele Händler sind, wie wir später erfahren, ungeliebte und eingewanderte Chinesen.

So, langsam wird es Zeit, etwas zu Essen.
Wir suchen nach alt bewährter Art das Lokal aus, das am besten besucht wird. Es ist ein karger Raum mit gut besetzten Tischen incl. Sicht in die chaotische Küche, in der es auch mal Flammen zu sehen gibt. Es riecht lecker und wir lassen uns auf dieses Experiment ein.
Die Speisekarte ist zwar auch in Englisch, aber wir bestellen, in dem wir einfach auf das Essen der Anderen zeigen.
Man bringt uns Nudeln, gebratenen Pack Choi und Momos. In die haben wir uns schon in Kathmandu verliebt. ALLES schmeckt köstlich.
Vielleicht ist es aber auch die dünne Luft, die uns so happy macht.
Der Preis? 2.50 Euro - für alles !