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    Khamba La Pass
    Tag 6
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Highlights des Tages

Yamdrok-Tso Lake

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Der Weg entlang des Khamba La Passes zum Yamdrok-Tso Lake ist schon die Reise wert ...

Kumbum, Gyantse

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Das Kumbum von Gyantse ist mit seinen vielen Ornamenten und Bildern sehr gut erhalten ...

Unterwegs über den Khamba La Pass, Gyantse nach Shigatse

Unser 25. Hochzeitstag

Wer hätte das gedacht, daß wir auf den „25.“ in Tibet anstoßen werden.
Ich hab‘ da schon mal was vorbereitet und wir stoßen mit aus Deutschland mitgebrachtem Sekt an. Sogar die Sektgläser in Kunststoffausführung habe ich mitgebracht. Also etwas Etikette muß schon sein.

Der Tagesanfang ist wie immer: Frühstück, "Aufstieg" auf’s Zimmer, dann auf dem Bett liegen und Herzinfarkt vermeiden.

Sauerstoffgehalt
Unsere Luft beinhaltet ca. 21% Sauerstoff bei Normal Null (NN) also Meereshöhe. Wenn man diesen Betrag als 100% annimmt, so haben wir hier in Lhasa nur noch 64% davon (das entspricht ca. 13% Sauerstoff in der Luft).

Beim Schreiben dieses Berichtes habe ich eine interessante Tabelle gefunden, die aussagt, wie viel Sauerstoff man in welcher Höhe zu Verfügung hat.

Jetzt aber heißt es packen.
Denn heute erst beginnt die Reise durch die tibetische Hochebene.
Wir lassen unsere Koffer abholen, denn wir haben ja gelernt: wir sind zu schwach für solche Tätigkeiten.

Unser Fahrer kommt mit Verspätung an.
Er mußte noch in die Werkstatt das Auto klarmachen. Gut so.

Kurz nach verlassen Lhasa’s kommt es zu Diskussionen zwischen Guide, Fahrer und uns. Irgendwie wollen sie nicht die geplante Strecke fahren und zaudern rum, daß Khamba La Pass (eine Zufahrt zum Yamdrok-Tso Lake) geschlossen sei bzw. wir einen Aufpreis zahlen sollen, wenn wir unbedingt zum nächsten Ziel, dem Yamdrok-Tso Lake wollen.
Dann diskutieren auch noch der Fahrer und der Guide!
Wir verstehen natürlich gar nichts und sind unsicher wer nun eigentlich nicht zum Pass fahren will.
Na gut.
Wir entscheiden uns und behaupten mal, daß wir eben den Aufpreis zahlen werden, aber unbedingt den angesagten Pass fahren wollen.

# Yamdrok-Tso Lake

Yamdrok-Tso Lake,Tibet

Die Fahrt auf dem Khamba La Pass (4.794m hoch) ist mit malerischen Ausblicken gespickt.
Wir haben natürlich auch wettertechnisch viel Glück, denn trotz einiger Wölkchen, scheint die Sonne und die Luft ist so klar. Deshalb erscheint jede Bergspitze, jeder Berghügel unheimlich nahe.

Oben angekommen, sind wir nur ein kleines Grüppchen unter geschätzten fünf vollen Reisebussen!
Sehr interessant. Von wegen der Pass ist gesperrt!
Im Nachhinein wurde uns klar, warum der Fahrer von Sperrung sprach. Tatsächlich war ein Stück der folgenden Straße gesperrt und so mußten wir den gleichen Weg, den wir gekommen sind, auch zurückfahren. Das war bei unserem vollgepacktem Programm eher ein zeittechnisches Problem)

Die Aussicht von hier oben auf den Yamdrok-Tso Lake, der in einer Höhe von 4.490m liegt, dem größten See Tibets, mit dem dahinterliegenden, schneebedeckten Mt.Nazin Kang Sa (7.252m), ist überwältigend.
Besonders auffallend ist die Farbe des Sees: ein gleichmäßiges und mattes Türkisgrün.

Yamdrok-Tso Lake,Tibet
Yamdrok-Tso Lake,Tibet

... selbst die Yaks tragen in Tibet Schmuck...

Yamdrok-Tso Lake,Tibet

Hier, wo so viele Touristen täglich den Weg nach oben finden, hier versuchen einige wenige Händler noch Andenken zu verkaufen oder einen Ritt auf einem geschmückten Yak anzubieten.

Khamba La Pass
Höhe: 4.794m NN
Sauerstoffgehalt: 52%,
Sauerstoff in der Luft: 11%

Wir kaufen nix, wir machen eine erste Begegnung mit einer tibetischen Landtoilette der unheimlichen Art.
Es ist ein Gemäuer von ca. 1,7m Höhe OHNE Dach, das vor seitlichen Blicken der Anderen schützen soll. Im Inneren (wenn man überhaupt von "innen" sprechen kann) sind wiederum Abteile, die eine Toilettenkabine darstellen sollen. Es gibt natürlich weder ein Klobecken noch ein anderes „Ziel“. Es liegt einfach verteiltes Stroh herum.
Ich frage mich, ob bzw. an welcher Stelle unter dem Stroh ein tieferes Loch ist?
Und ob ich da vielleicht mit dem Fuß reintreten kann.
Außerdem guckt jeder beim Vorbeilaufen auch mal kurz rein, aber das ist mir jetzt wirklich egal und ich bin ganz entspannt. Aber als eine selbsternannte Toilettenfrau beim Verlassen Geld haben will und an mir rumzerrt, dann bin ich wirklich „verstört“.
Mein erster Gedanke ist: das können nur Chinesen sein... grob und laut.

Es ist schwer vorstellbar, aber jeder zusätzliche Schritt hier oben, ist unheimlich anstrengend.

Dann geht es weiter.
Wir fahren durch Schluchten immer entlang des Yarlung Tsangpo River, der Oberlauf des Brahmaputras.
Der Brahmaputra ist mit über 3.000km der bedeutendste und wasserreichste Strom Asiens, dessen Quelle am Mt. Kailash entspringt und bis zum Zusammenfluß mit dem Ganges durch das Gebiet der Staaten China, Indien und Bangladesch fließt.

Die folgenden Bilder sind Impressionen, die wir unterwegs auf dem noch teilweise im Bau befindlichen Friendship Hwy. sehen.
Wir fahren vorbei an Nomaden oder Pilgern, die fern jeder Zivilisation pausieren und in Zelten übernachten.

Yamdrok-Tso Lake,Tibet

Nach weiteren 1,5 Stunden machen wir Mittagspause.
Wir platzieren uns vor einem Lokal und offensichtlich ist, daß der Fahrer das Wirtshaus kennt. Abgesehen, daß wir es gar nicht als Restaurant erkannt hätten, würden wir hier niemals stehen bleiben. Doch wie so oft werden wir positiv überrascht:
wir essen ein typisch tibetisches Gericht: dünn geschnittene Kartoffeln, Reis und Fleisch. Das Ganze wird auf Alu- oder Blechtellern serviert.
Sieht etwas gewöhnungsbedürftig aus, schmeckt aber richtig gut.

Yamdrok-Tso Lake,Tibet

Gekochtes Wasser ist hier ein Geschenk der Sonne. So ist der Strom zum Kochen einfach mal wirklich "BIO"

Hier bleiben nur gelegentlich durchreisende Insider stehen. Für vorbeireisende Busse gibt es weder ein Restaurant noch Sanitäranlagen. Der Vorteil von Individualreisenden liegt klar auf der Hand!
Hinter der "5-Häuser-Ortschaft" begleitet uns nach wie vor der Yarlung Tsangpo River.
Gegenüber, fernab jeder Zivilisation ist ein Kloster.
Der Fluß ist hier so breit, daß man dieses Kloster mit den eigenen Augen kaum erkennen kann, nur mit Hilfe eines ordentlichen Zooms kann es sichtbar gemacht werden.

Brahmaputra,Tibet
Brahmaputra,Tibet
Brahmaputra,Tibet

Dann schließt sich eine lange eher wenig abwechslungsreiche Fahrt an.
Unser Fahrer, der ganz offensichtlich die Straßen Tibets wie seine Westentasche kennt, nimmt Routen fernab von befestigten Straßen. Vorbei an riesigen Sanddünen und Mondlandschaften.
Aber er macht das gut, obwohl die Bandscheiben und die Kopfschmerzen in die Hände klatschen. Wir haben volles Vertrauen in seine Fahrkünste.
Impressionen während der Fahrt im Niemandsland: unendliche Weite und die Sonne sticht ohne daß sie uns zum zum Schwitzen bringt:

Lhasa bis Gyantse,Tibet
Lhasa bis Gyantse,Tibet

Mr. Guide kann inhaltlich wieder einmal nichts bieten und schaut sich derweil DVDs à la nepalesischen Bollywood an inkl. dementsprechender Musik. Der Bildschirm ist in der Sonnenblende über dem Beifahrersitz eingebaut.
Das „Gejodle“ nervt uns total.
Die Stimmung ist angespannt und wir sind froh, als er die Musik leiserer macht und endlich schläft!

Ansonsten passiert die Fahrt über nichts.
Die einzige Abwechslung ist ein merkwürdigen Ablauf:
von Weitem schon sehen wir mitten im Nichts eine Ansammlung von Häusern.
Es ist keine Ortschaft. Es handelt sich um etwa fünf bis sechs Häuser.
Der einzig erkennbare Weg führt mitten durch diese "Siedlung".
Sobald wir uns allerdings annähern, kommt eine Person aus dem Haus, stellt mitten auf den Weg einen Tisch auf und kassiert uns ab. Dieses Gebaren sieht aus wie eine Art Wegzoll, auf die unser Fahrer schon vorbereitet ist und es überhaupt nicht außergewöhnlich findet.
Echt schade, daß der Fahrer kein Fitzelchen Englisch kann, so könnte man etwas mehr über all das erfahren.

# Das Kumbum in Gyantse

Gyantse
Höhe: 4.960m NN
Sauerstoffgehalt: 53%

Am frühen Nachmittag erreichen wir Gyantse.

Eine befestigte Straße können wir bisher nicht erkennen.
Jedoch ist das die drittgrößte Stadt Tibets.
Die Hauptattraktion hier ist die Ruine des Dzong, ein altes Fort.
Doch das ist nicht unser anvisiertes Ziel.

Gyantse,Tibet

Und gleich in der Nähe ist ein im Jahr 1440 erbautes, sechsgeschossige Kumbum („hunderttausend Bilder“), in Form eines dreidimensionalen und begehbaren Mandalas.

Der innere Treppenaufstieg wird etwas „erleichtert“ durch wunderschöne Wandmalereien.
Erläuterungen durch unseren Guide bleiben wie immer aus.
In der 4.Etage ist eine Terasse.
Von dieser schauen die allessehenden Augen Buddhas in alle Richtungen.
Wir schließen uns mal kurz einer deutschen Reisegruppe von Studiosus an und erfahren so etwas über die Geschichte Gyantse’s.

Von hier oben hat man einen guten Rundumblick auf das Nyang Chu Valley.

Kumbum, Gyantse,Tibet
Kumbum, Gyantse,Tibet

Wir drehen an den Gebetsmühlen und wünschen uns einen neuen Guide.

Kumbum, Gyantse,Tibet
Kumbum, Gyantse,Tibet
Kumbum, Gyantse,Tibet

Wir am 25. Hochzeitstag

Wie es aussieht, sind wir etwas in Verzug.
Im forschen Fahrstil geht’s weiter zu unserem heutigen Tagesziel: Shigatse, die zweitgrößte Stadt Tibets.

Von Lhasa bis Shigatse waren es etwa 380km.

Shigatse
Höhe: 3.990m NN
Sauerstoffgehalt: ca. 60%

Viel gesprochen wird nicht während der Reise.
Vom Guide hören wir gar nichts.
Aber falls wir nachfragen gibt es immer wieder Diskussionen.
Immer wieder behauptet er, daß wir diese und jene Attraktion nicht auf dem Plan haben. Anderersets habe ich den Eindruck, daß er überhaupt keinen Überblick über unsere gebuchte Reise hat.
Die Stimmung ist geladen!
Auch Zwischen Fahrer und den Guide gibt es heftige Diskussionen. Jedenfalls läßt die Tonlage und Lautstärke darauf schließen.

Die heutige Übernachtung ist in einem westlich aussehenden Hotel gebucht.
Unser Zimmer ist riesig, sauber und gut ausgestattet.
Nachdem wir uns kurz mal frisch machen und die mittlerweile von der Sonneneinstrahlung stark strapazierte Haut pflegen, geht es auf die Suche nach einem Restaurant.
Wir finden die „Hauptpromenade“ und treffen auf die junge, deutsche Frau, die wir gerade erst gestern vor dem Potala Palast kennengelernt haben.
Und so entscheiden wir, zusammen den Abend zu verbringen und kehren in ein Restaurant mit indisch-tibetisch-chinesischer Küche.
Der Abend wird recht amüsant, denn die Sprachbarrieren zwischen ihrem Fahrer, ihrer Reiseführerin und uns, fordern unsere letzten sauerstoffarmen Gehirnzellen!
Zwar hat auch sie kleine Problemchen mit dem Begleitpersonal. Die Stimmung untereinander ist auf alle Fälle richtig herzlich. Wir verbringen einen echt netten Abend zusammen.
Netterweise werden wir im Anschluß von ihrem Fahrer zu unserem Hotel chauffiert.

Als wir das Foyer betreten, sitzen schon wartend unser Fahrer und unser Guide.
Sie teilen uns mit, daß wir unbedingt und sofort in unser Zimmer gehen sollen, denn wir werden gleich angerufen. Mehr können sie nicht sagen und wir machen uns Gedanken, wer uns etwa aus Deutschland so dringend sprechen möchte.

Wir gehen auf unser Zimmer und nur kurze Zeit später klingelt das Telefon.
Nein nicht aus Deutschland, sondern aus Nepal.
Der Büroleiter des Reiseveranstalters teilt uns mit, daß er über "Sagarmatha Trekking" in Deutschland unseren Hilferuf erhalten habe.
In diesen Moment sind wir so erleichtert. Vor allem daß es nicht von zu Hause ist.
Der Büroleiter verspricht uns einen neuen Reisebegleiter, der gleich morgen in aller Frühe die 7-stündige Anreise aus Lhasa antreten wird.
Das ist doch eine echt gute Nachricht!...
Schön und gut.
Aber als "Händler" ich frage ihn gleich, welche Idee er hat, um das Geschehene und Versäumte gut zu machen.
Da er keinen Vorschlag konstruktiven Beitrag macht, presche ich vor und schlage ihm gleich mal den Einbau eines neuen und zusätzlichen Reisebausteins vor: die Fahrt zum Basislager des Chomulungma (Mt. Everest).
Kurzzeitig verschlägt es ihm die Sprache und er teilt uns mit, daß diese Aktion zu teuer ist.
Ich verstehe erst nicht was da so teuer sein soll, wir sind doch sowieso nur eine Kleinstgruppe von zwei Reisenden.
Hm, da denke ich an die „Straßenbanditen“, die uns heute immer wieder einen Wegzoll abverlangt haben.
Wir feilschen noch etwas und einigen uns letztendlich.
Na bitte. Geht doch

Gut gelaunt, unsere Forderungen durchgesetzt zu haben, beenden wir den Tag!