Ein Tag auf der größten Sandinsel der Welt

Ein weiteres Highlight unserer Australienreise steht heute auf dem Programm: Der Besuch von Fraser Island.
Seit ich vor vielen Jahren einen Beitrag über die größte Sandinsel der Welt gesehen habe, habe ich diese Attraktion "im Sinn" gespeichert.
Und heute ist es nun endlich so weit.

Bei der Grobplanung der Reise war eigentlich ein zwei- bis dreitägigen Aufenthalt auf der Insel eingeplant. Aber so ist das mit der Grobplanung.
Eigentlich.
Die Feinplanung für das Queenslandprogramm wurde immer voller und voller.
Letztendlich mußten die ursprünglich geplanten Tage auf Fraser auf einen Tag eingekürzt werden.
In verschiedenen Reiseberichten habe ich dann auch noch gelesen, daß ein Steckenbleiben und Warten auf Hilfe etc. ein ganz normales Ding ist. Und bei einem Tag Aufenthalt... nee danke, das tun wir uns nicht an.
Die Aktion Selbstfahrer ist gestrichen worden.
Also muß Plan B her:
Es mußte ein Veranstalter her.
Aber bitte nicht einer, der mit einer Masse von 30 oder gar 40 Reisenden die Insel erkundet.
"Hummer Tour Experiences" bieten eine garantierte Teilnehmerzahl mit maximal vier Personen an.
Prima!
Und dann noch mit einem Hummer. Wie cool ist das denn
Für einen geringen Aufpreis gab es bei der Buchung noch zusätzlich eine Whale-Watching-Tour, die wir ja gestern schon gemacht haben.

Fraser Island
gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist die größte Sandinsel der Welt.
Sie ist etwa 125 Kilometer lang.
Es gibt über 40 Frischwasserseen.
Es gibt "perched lakes", die bräunlich bis teefarben sind und über NN liegen. Und es gibt "window lakes", die unterhalb des Grundwasserspiegels liegen. Diese sind glasklar, wie z.B. der Lake Mckenzie.

Der Fahrer holt uns gegen 7.30am ab.
Mit einem Hummer.
Doch der Hammer ist, daß es nur ein H3 ist. Der ist so klein wie ein kleiner Stadt-SUV.

Es sitzen schon zwei andere Damen drin. Und es gibt nur die gewöhnlichen zwei Reihen und so müssen wir uns zu dritt hinten zusammendrängen.
Der mittlere Platz, den habe ich erwischt, ist kein wirklicher Platz. Außerdem gibt es auch keinen Griff, um sich während der Fahrt irgendwie festhalten zu können.
Ich bin bedient!
Ich kann das gar nicht fassen, daß wir den gesamten Tag so unterwegs sein sollen.
Das Englisch des Fahrers ist sehr speziell und wir beide verstehen fast nur noch Bahnhof.
Der Typ spricht so viel und in einer Geschwindigkeit, daß ich abblende und frustriert mit dem Sicherheitsgurt kämpfe, der sich gerade eine Schneise in meinen Hals arbeitet!

An der Fähre spreche ich den Fahrer an, ob er denn vielleicht etwas langsamer sprechen könnte. Schließlich ist Englisch nicht unsere Muttersprache.
Ok, er will versuchen daran zu denken. Aber versprechen kann er das nicht.
Na prima! Das geht ja gut los!

River Heads-Wanggoolba Creek, Fraser Island,Queensland,australia, australien
River Heads-Wanggoolba Creek, Fraser Island,,Queensland,australia, australien

# Fraser Island

Die 25 minütige Überfahrt mit der Autofähre bis zur Fraser Venture Ferry Landing war wirklich kurzweilig.

Die Fährbucht auf Fraser Island ist winzig und so sind wir sofort auf der Wanggoolba Creek Road.
Also Straßen soll es ja hier nicht geben. Wir kämpfen uns deshalb durch eine Art ausgefahrenen, tiefen Sandweg.
Es schüttelt uns ziemlich durch.
Der Weg führt durch tiefsten Regenwald.
Unser Fahrer... ja hat er sich überhaupt vorgestellt? Wie heißt er eigentlich?... redet wie aufgezogen.
Die Frau neben mir, hat ganz offensichtlich festgestellt, daß wir dem Gespräch nicht folgen können.
Sie fragt mich, ob ich etwas verstanden habe.
Ich:"No"
Sie:"ok".
Und so übersetzt sie alles Wichtige noch einmal ins Englische. Und zwar in so ein Englisch, das man auch in Sydney gesprochen hat. Das verstehe ich super.
Sie ist mir so richtig sympathisch!

# Lake Mckenzie

Unser erster Stopp ist eine Picknickstelle gleich in der Nähe des Lake Mckenzie.
Es scheint, daß wir die ersten sind. Wie schön!
Doch es geht nicht zum Lake.
Wir Picknicken erst einmal.
Unser Fahrer richtet alles schön an, Tischdecke inklusive.
Es gibt Kuchen, Kekse, Kaffee und Tee.

Die zwei Frauen stellen sich vor.
Gill ist ehemalige Streetworkerin, Erbin, Firmeninhaberin und nun in Rente, doch immer noch sehr aktiv. Ihre Partnerin, Jessie, ist ehemalige Anwältin. Jetzt auch in Rente.
Ok. Sehr, sehr nett die Zwei.
Wir kommen ganz schnell und locker ins Gespräch.
"James", ich nenne den Fahrer jetzt einfach mal James, er hat sich tatsächlich nie vorgestellt oder wir haben es nicht verstanden, gibt uns nun ein Zeichen, daß wir an den Strand des Mckenzie gehen können und dazu eine halbe Stunde Zeit haben.
Am Lake angekommen, ist nix mit Idylle.
Gefühlte fünf Busladungen liegen schon am Strand und einige Besucher sind auch tatsächlich im Wasser.

Lake Mckenzie, Fraser Island,Queensland,australia, australien
Lake Mckenzie, Fraser Island,,Queensland,australia, australien
Lake Mckenzie, Fraser Island,,Queensland,australia, australien
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Hier am Ende des Strandes sind wir alleine und nur hier kann man etwas von der Ruhe genießen. Das Wasser des Sees ist glasklar.
Etwas beschäftigt mich dann doch: was wird aus dem schönen See wohl in ein paar Jahrzehnten passieren, wenn immer wieder ganze Busladungen voller gut eingecremter Besucher in diesem See baden...
Wird der Lake Mckenzie sich immer wieder davon erholen können?

Dann kommen Gill und Jessie zu uns.
Gill meint, daß wir unbedingt unsere "jewellery" putzen sollen, denn dieser Sand ist so fein wie nirgendwo. Und dieser Sand poliert alles spitzenmäßig.
Ok. Tatsächlich.
Dann putzt sie auch noch ihre Zähne. Worauf Jessie, ihre Partnerin, nur die Augen verdreht

# Wanggoolba Creek

Der zweite Stopp findet auf einer riesigen, gepflegten Fläche statt in der Nähe der Central Station. Hier gibt es überdachte Picknickbänke.
Es ist gerade kurz vor 12 Uhr und es gibt wieder etwas zu essen, bevor wir auf die Landschaft losgelassen werden.
Lake Mckenzie, Fraser Island,Queensland,australia, australien Das soll nun unser Lunch sein.
Es gibt Kartoffelsalat, weiße "Rolls", Gemüse und Weißwein.
Keiner hat Hunger, aber es ißt sich so weg.
Wir holen alles an Englisch raus, was wir können, denn Gill und Jessie sind nicht nur sehr gebildet, sie sind auch daran interessiert, etwas über uns zu erfahren. Es ist wirklich sehr interessant auch von ihren Ansichten und Erlebnissen erfahren zu können.
Beide sind auch so reisefreudig, wie wir es sind.

Langsam vergessen wir auch, daß wir eigentlich hier sind, um die Insel zu erkunden.
Es ist eher eine "come-together-Fahrt" mit Essen.
Ganz nebenbei verständigen wir uns auch darüber, daß unser Auto eigentlich nicht für vier Personen plus Fahrer geeignet ist. Und daß die Platzverhältnisse eine Zumutung sind.
Gill meint: das muß auch unbedingt TripAdvisor erfahren

Nun bekommen wir auch wieder eine halbe Stunde Zeit für die Erkundung des nahgelegenen Creeks.
By the way... ich komme mir etwas vor wie bei einem Klassenausflug!
Tatsächlich geht "James" doch ein paar Schritte mit uns. Den Rest sollen wir selbst erkunden.
Der Weg führt auf einem Holzsteg entlang. Individualität ist hier fehl am Platze. Man kann nicht vom Wege abkommen. Es ist ein ausgeschilderter Rundgang.
Das Wasser des Creeks ist extrem durchsichtig. Wie Glas. Im ersten Moment denkt man, es wäre gar kein Wasser drin.

Wanggoolba Creek, Fraser Island,,Queensland,australia, australien
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Rumpelnd fahren wir uns anschließend durch die Sandwege bis zum Eurong Resort.
Hach! Hier im Resort gibt es dann doch asphaltierte Straßen. Das ist ja etwas enttäuschend.
Aber das hier ist auch nicht unser nächster Stopp. Hier ist der Zugang zum 75 Mile Beach.
Oh ha.

# 75 Mile Beach

So einen breiten und langen Beach haben wir tatsächlich noch nie gesehen.
Die dem Wasser zugewandte Hälfte des Strandes ist hart wie Beton. Und die Autos geben ordentlich Gas!
Es wird auf Sicht gefahren.

75 Mile Beach, Fraser Island,Queensland,australia, australien
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Dingos sind auf Fraser Island keine Seltenheit.
Da diese Wildhunde nicht ganz ungefährlich sind, werden sie hier mit Marke am Ohr und Sender am Hals überwacht.

75 Mile Beach, Fraser Island,,Queensland,australia, australien
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Autobahn: 75 Mile Beach

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... oder doch Flugzeug Landeplatz?

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Kurze Zeit später wird ein Auto von der Polizei angehalten. Wo kommen die denn her? Angeblich wegen zu hoher Geschwindigkeit. Dabei fahren wir auch etwa 80-90 km/h.

Und dann... mir fällt die Kinnlade runter...
Wir fahren an dem Schiffswrack vorbei bis zum Pinnacles Beach.
Ich bin ganz aufgeregt und vermute, daß wir hier am Maheno Wreck nicht stehenbleiben. Doch "James" meint, daß es momentan zu voll ist und wir erst auf dem Rückweg hier anhalten.

Na gut.
Wie versprochen gibt es hier schöne bunte Sandpinnacles.
Rainer geht kurz hin ich schenke dieser "Attraktion" einen zwei-Sekunden-Blick.
Als langjährige USA-Fans haben wir schon ganz andere "bunte Pinnacles" gesehen.
Sorry, aber hier mußte ich mal wieder den Vergleich anbringen.
Lieber wende ich mich dem Meer zu und diesem monströs großen Strand.
Kein Bild kann die schiere Größe darstellen!
Habe ich schon vor der Reise Aufnahmen von diesem Strand gesehen, aber das habe ich mir so nicht vorstellen können.

# Maheno Wreck

Endlich geht es zurück zum Maheno Wreck.
Wir warten bis die Masse weg ist und nur noch einige Wenige um die Rostschüssel laufen.
Das sieht wirklich klasse aus und fotogen ist es dazu.

Maheno Wreck,75 Mile Beach, Fraser Island,,Queensland,australia, australien
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Die S.S. Maheno, ursprünglich als Luxusliner zwischen Australien und Neuseeland unterwegs, lief 1935 vor Fraser Island auf Grund. Es sollte mithilfe eines anderen Schiffes zum verschrotten nach Japan überführt werden. In einem Sturm riß sich das Schiff los und strandete an der Ostküste. Alle Versuche die Maheno wieder frei zu bekommen schlugen fehl.
Heute sind nur noch die oberen Decks des Schiffes sichtbar.

# Eli Creek

Wie jede andere Truppe, bleiben auch wir am Eli Creek stehen.
Die einzige Attraktion hier ist der Gang im glasklaren Creek.

,75 Mile Beach, Fraser Island,Queensland,australia, australien

Während Rainer also seine Waden im kalten Creek abkühlt, stehen wir Frauen am Strand und sind erstaunt über die Kommerzialisierung der Insel. Nicht nur, daß hier absoluter Massenbetrieb stattfindet, nein, am Strand vor uns landen erst drei, dann vier und letztendlich fünf kleine Cessna.
"James" äußert sich etwas abfällig über Touristen, die einen solchen Flug buchen, weil der Flug hierher 700AUD pro Person kostet.
Nun ja.
Ich habe keine Lust mit ihm zu debattieren. Aber wir zahlen 350AUD und haben keinen Platz, keine Individualität und sehen exakt das Gleiche, das die anderen im großen Bus sehen.
Denn "James" bleibt nicht einmal für einen zusätzlichen Fotostopp stehen.
So kenne ich das eigentlich von individuellen Reisen mit Fahrer!

Auf dem Rückweg unserer Strandfahrt, zeigt uns "James" noch wie man "Pipies" (eine Art Muschel) im Sand findet. Er holt eine raus, öffnet sie und beißt ab und alle Fischesser tun es ihm gleich.

Unser letzter Stopp ist wieder in der Nähe der Central Station.
Wir zelebrieren "high tea" mit australischem Champagne, frischen Erdbeeren und Pralinen.
Das klingt ja alles ganz gut und schön. Und es ist auch erhaben, hier in der Stille des Regenwaldes zu picknicken.
Aber brauche ich das?
Der Veranstalter hätte es vielleicht etwas besser beschreiben sollen.
Denn ganz offensichtlich ist das eine Tour für Menschen, die den Inselbesuch nur als ein Tüpfelchen betrachten, zum ständigen Picknicken.

Die Überfahrt mit der Autofähre startet 5.30pm.
Es ist wieder Ebbe und die Autofähre gleitet durch die schmale Rinne im Wasser.
Die Sonne geht gerade unter.

fraser Island,Queensland,australia, australien
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Das ist die lange, schmale Fahrrinne, die bei Ebbe für die Fähre noch übrigbleibt.

Die Lichter in Hervey Bay sind das Einzige was man noch sieht.
Ach ja und nicht zu vergessen die zarte Sichel des aufgehenden Mondes.
Es sind noch 19°C. Wir stehen auf dem Deck und genießen den Abend.

Hervey Bay,Queensland,australia, australien

- Überblick -

map,fraser Island

Kurz vor acht werden wir vor dem Hotel abgeladen.
Eigentlich wollen wir noch schnell bei Woolworth zu essen kaufen. Doch der hat schon zu.
Ok.
Und so gibt es eine Pizza vom Pizzabäcker.
Für 17AUD gibt es eine "Godfatherpizza" mit Salami, Oliven Artischocken und Käse.